Dominó.

Für viele pensionierte Andalusier die Lieblingsbeschäftigung: Im Schatten in einem Café sitzen, reden, Dominó spielen. Nur die Touristen lassen sich am Strand um die Ecke die Haut verbrennen, um später im Norden Leuten zu imponieren…

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Nikkor 2.5/105mm Ai, f=5.6, t=1/80, ISO 400

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Der alte Mann und sein Papagei.

Irgendwo in der Fussgängerzone einer andalusischen Stadt. Die Beiden waren jeden Tag dort, mal auf dieser Bank, mal auf einer anderen. Jeder kannte sie, sprach mit ihnen, sie nahmen auf ihre Weise am Leben teil.

Für mich eine Art Sinnbild der Weisheit:

Den Tagen mehr Leben geben als dem Leben mehr Tage geben.

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Nikkor 1.4/50, Ausschnitt 

Auslass.Tempel.

Eine neue Religion erfasst immer mehr Menschen. Das Shoppen. Shoppen macht angeblich glücklich. Religionen und Glück brauchen Kirchen oder Tempel. Also baut man den geistig Armen Tempel und gibt ihnen fremdsprachliche Namen. Outlet. Auf Deutsch: Auslass. Sollte man auslassen, aber nein, da strömen Millionen Menschen hinein, um glücklich zu werden – mittels Shoppen. Oder noch kürzer: Sie geben Geld aus um glücklich zu werden. Dabei wissen sie nicht einmal, was Glück ist, denn ein paar Tage später sind sie schon wieder da, weil das Glück bereits abgenutzt ist. Aber in ihrer geistigen Armseligkeit merken sie es nicht. Das ist schlimmer als die esoterischen Heilsversprecher. Es ist brandgefährlich, treibt es die Lemminge doch häufig in den finanziellen Ruin für den scheinbaren Hauch eines Glücksmoments. Sie spüren den eiskalten und tödlichen Atem des immer schneller werdenden Konsum-Zyklus nicht. Sie machen sich keine Gedanken darüber, dass sie mit billig Shoppen Kinderarbeit, Armut und Leid in den Ländern fördern, in denen die Produkte unter unwürdigen Bedingungen hergestellt werden. Sie fallen auf die ganz perfide verkleideten und romantisch klingenden Werbesprüche wie ‘moonlight shopping’ oder ‘midnight shopping’ herein, fahren dafür bis zu 200 KM und vernichten auch regional die Umwelt für ein fadenscheiniges Glück.

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PC Nikkor 3.5/28mm, 11mm Rise.

erixx.

Nicht Erich, sondern erixx, mit zwei X. Ist heute schick, zwei X im Namen zu haben. Kommt wahrscheinlich von RX, buchstabiert ER IX, oder auch Regional Express. Egal wie, er ist ziemlich kurz und fährt von Bremen durch die Heide bis nach Uelzen. So eine Art Heidekönigin unter den Zügen…

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The night closes in.

Wer kennt noch den Song von Exile ‘Kiss me all over‘? Genau. Da war es: The night closes in.

Das ging mir an diesem Abend durch den Kopf:

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Der letzte grosse und alte Schuppen des alten Hafens von Bremen, der noch nicht abgerissen wurde. Einen Moment später waren schon die Lichter an einem anderen Schuppen, der zu einem Event-Schuppen umgestaltet wurde, an:

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Dieses Farbdesign muss man nicht mögen. Ich mag es nicht.

Schlüssel.Szene.

Kein HDR, kein Negativ, obwohl ein Negativfilm für diese Szene geradezu prädestiniert wäre. Ein ganz simples Sandwich wie früher mit Diafilm, aber in diesem Fall digital. Geht auch sehr gut. So gibt es einen gewaltigen Tonwertumfang, ohne dass die Lichter überstrahlen.

Links der Bremer Schlüssel im Wappen.

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Belichtungsmessung mit dem Gossen ProfiSix, +1 EV zum Ausgleich der Lichter. Nikkor 1.4/50. Konvertiert mit RPP. Wie gemacht? Nun, es gibt Betriebsgeheimnisse, oder?

Martini.

Nicht on the rocks, sondern eine Kirche am Bremer Weserufer, die nachts beleuchtet wird.

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Objektmessung mit dem Gossen ProfiSix, weil der bis zu 8 Stunden Belichtungszeit messen kann. +1 EV, weil die Lichter das Messergebnis verfälschen. Nikkor 3.5/28, 100 ISO, Stativ. Mit RPP konvertiert.

Night.Blues.

Das ist zwar schon eine ältere Aufnahme, aber die Wirkung ist für mich immer noch da. Im Vordergrund die Greifarme für eine Filteranlage im Zufluss einer Wasserkraft-Turbine, im Hintergrund eine Brücke über die Weser mit den Wehr-Toren und der Schleuse. Ab dort heisst sie ‘Unterweser’ und  hat Ebbe und Flut wie die Nordsee, nur etwas zeitverzögert.

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Luft.Holer.

Metall. Schrauben. Drahtseile. Mechanik pur.

Keine Plastik-Verkleidung eines Motörchens, das nur mit Software lauffähig ist, sondern ein echter Motor. V8, Leistung nach Wunsch.

Der Bowdenzug für die Drosselklappe. Die Flügelmutter auf dem riesigen Luftfilter. Der Zündverteiler. Der verchromte Ausgleichsbehälter. Die Schlauchschellen, die Befestigungen mit Schrauben. Das Lüftungsgitter im Hintergrund. Kräftige Gewindebolzen. Sichtbar und zugänglich. Alles Dinge, die eine Ewigkeit halten. Und wenn nicht, kann man sie leicht tauschen.

Sehen Sie sich mal ein Auto der letzten 20 Jahre an. Plastik-Clipse & -Nasen, die bei etwas kräftigerem Anfassen schon abbrechen. Ramschware. Jawohl, Ihr Auto ist Ramschware, montiert aus Billigteilen.

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Der gleiche AC Cobra wie im letzten Beitrag. Nikkor 1.4/50 Ai. Konvertiert mit RPP. Geht doch!

Wunsch.Brett.

Abendgebet:

Liebes Universum, ich wünsche mir, dass mein nächstes Auto wieder ein so einfaches und übersichtliches Armaturenbrett haben wird.

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Das ist das Armaturenbrett eines AC Cobra oder Shelby Cobra in den USA. Kein Feuerwerk, kein BlinkiBlinki, keine Pixel, nur mechanische Rundinstrumente und Schalter, die man per Mutter lösen, hinten herausziehen und tauschen kann. Der kleine, silberne Knopf war der Anlasser – damals schon, als andere Marken noch forderten, dass ein starrer Zündschlüssel in das Zündschloss gesteckt wird, damit sich der Schlüssel im Falle eines Unfalls ganz tief und schmerzhaft ins Knie bohrt. Ein echtes Armaturenbrett und keine entartete Designerwurst vor der Frontscheibe! Wartungsfreundlich, preiswert und sehr schick! Ein Grund mehr, den ganzen Plastik-Krempel abzuschaffen…

Ausschnitt aus einem Hochformatfoto, Nikkor 2.5/105 Ai. Konvertiert mit RPP.

See.Karte.

Heute Vormittag durfte ich ein Repro einer alten, polynesischen Seekarte machen. Die Abbildung in dem Buch ‘Canoes of Oceania’ ist ein altes s/w-Foto, und da das Buch sehr dick ist (Band I, II und III in einem Band neu gebunden und mit Titel in Gold auf dem Rücken und der Vorderseite geprägt), passte es nicht auf den Scanner. Einen Blitz hatte ich nicht hier, also mit dem diffusen Sonnenlicht im Raum mit langer Belichtungszeit aufgenommen.

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Das Foto wurde retuschiert, in eine Strichaufnahme gewandelt, invertiert und als PDF exportiert, um daraus ein Klischee für eine Prägung fertigen zu lassen. Invertiert, damit die Linien bei der Prägung stehen bleiben.

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Wenn ich mir überlege, dass die Polynesier früher mit diesen Seekarten zwischen den Inseln gependelt sind, und dass die Menschen heute mit einer Satelliten-Navigation im Auto immer noch in Flüsse fahren oder im Wald (ver)enden, dann weiss ich, dass nicht alles besser ist, was neu ist. Von einem normalen Leben sind wir weiter weg denn je.

Pilz.Moos.Zweig.Blatt.Tau.

Freitag = Bürotag. Aber irgendwann gibt es eine Pause für die Raucher. Auf der Terrasse sehe ich die Tauperlen auf den Blättern und hole die Kamera.

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Die Aufnahmen habe ich mit einem Nikkor 2.5/105 und dem Nikon Zwischenring-Satz gemacht. Soll heissen: ‘Alter Kram’. Vorteil: Keine optische Beeinträchtigung, weil es nur Distanzringe sind. Nachteil: Grösster Abbildungsmaßstab 1:2. Einen Zwischenring rausgenommen bleiben noch 1:4. D600, oben ISO 100, unten ISO 400. Entwickelt mit RPP.

Warum? Ich habe immer wieder mit dem Zeiss Makro Planar 2.0/100mm geliebäugelt, mich dann jedoch gefragt: Sei ehrlich, wie oft wirst Du das einsetzen. Eben. So blieb es seit Jahren bei dieser Lösung mit dem Zwischenring-Satz. Ja, ja, ich könnte mir noch einen Umkehrring besorgen und dann das 2.8/20 mm montieren, das ist im umgedrehten Zustand ein hoch korrigiertes, absolut verzeichnungsfreies Repro-Objektiv für einen Abbildungsmaßstab bis zu 4:1. Aber ganz ehrlich: Noch mehr Ringe, noch mehr Möglichkeiten – wann werde ich die nutzen, zumal ich keinen Schmuck fotografiere?

Das nur mal so, zwischendurch. Pause ist zu Ende, ich habe schwitzende Blätter fotografiert und widme mich jetzt wieder dem Papierstapel, der da noch abgearbeitet werden muss.

New York Times.Archiv.

Es ist soweit: Das gigantische Bildarchiv der New York Times wird digitalisiert. Google hilft NYT dabei. Das Archiv, von den Mitarbeitern liebevoll ‘the morgue’ (Das Leichenschauhaus) genannt, beherbergt rund 7 Millionen Fotos; genau weiss das niemand.

Die Aufgabe ist nicht ganz einfach, denn die Fotos sind auf der Rückseite mit dem Namen des Fotografen, Artikeln, Bildunterschriften, Hinweisen, Erscheinungsdaten, Archivnummer, handschriftlichen Notizen, etc. versehen, die erkannt und in maschinenlesbare Schrift umgewandelt werden müssen, um einen suchbaren Katalog mit Schlagworten erstellen zu können.

Ganz ehrlich, ich würde gern mal in dem Archiv stöbern dürfen. Allein die Haptik, die Geräusche in dem Raum, die Ehrfurcht, die Ergriffenheit ob der riesigen Anzahl von hochwertigen Fotos der letzten 120 Jahre – das muss ein Erlebnis sein. Selbst wenn man nur einen Teil der Bilder sehen kann, so kann man sich von dem Leben der Menschen in den letzten Dekaden ein besseres Bild machen – im wahrsten Sinne des Wortes.

Weitere Infos gibt es hier.

Ich frage mich, was mit den Originalen passieren wird. Hoffentlich werden sie nicht wie in Deutschland vernichtet, denn ob Datenträger oder Datenwolken die nächsten 12 Dekaden überleben werden, wage ich zu bezweifeln.

Dazu passen die alten Bücher, die ich vor kurzem fotografiert habe. Das älteste stammt aus dem Jahr 1753, ist also 165 Jahre alt. Kein elektronischer Datenspeicher hat bisher ein derart hohes Alter erreicht und war noch lesbar:

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Schon wieder.

Es ist erst ein paar Wochen her, dass bei meiner Digitalkamera der Spiegelkasten und das Bajonett erneuert wurden.

Heute Morgen habe ich seitdem das erste Mal wieder eine Sensorreinigung durchgeführt und eine Probeaufnahme gemacht. Das Resultat ist erschreckend:

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Oben rechts und unten rechts sind Abschattungen. Da hat jemand den Spiegelkasten leicht verdreht eingebaut. Und nein, es ist nicht die Sonnenblende, da wäre der Schatten rund. Abgesehen davon war sie nicht auf dem Objektiv.

Nun gut, dachte ich mir, dann kontaktiere ich den Service. Und was passiert nach dem Einloggen? Genau:

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Grosser Konzern, was nun? Hallo Nikon, ich brauche weder web 4.0 noch BlinkiBlinki oder Schicki-Micki! Warum muss immer alles neu und verschlechtert und Agenturen für immer mehr Blödsinn bezahlt werden? Wie wäre es denn mal, wenn man Bestehendes einfach etwas verbessert? Und prüft, ob die neue web site mit irgendwelchen Werbeblockern kollidiert (waren bei mir abgeschaltet!)?

Prüft das denn niemand, wenn eine angeblich hypergeile web site ‘relauncht’ wird?

Das ist ein weiterer Sargnagel meiner ‘Freundschaft’ mit Nikon. Die Tage sind gezählt. Das war jetzt der zweite Spiegelkasten, das dritte Reset, die X-te Reinigung und das Bajonett hat auch noch nie ein dickes Objektiv tragen müssen.

Ich will das nicht mehr. Das Leben ist schon kompliziert genug, liebe Nikon-Leute, dazu brauche ich Euch nicht mehr. Einen Spiegelkasten schief einsetzen kann ich auch – ich ging davon aus, dass es bei Nikon auch bei Reparaturen eine Qualitätssicherung gibt.

Im Moment bin ich echt sauer und beschäftige mich intensiv mit Fuji, weil andere Mütter offenbar hübschere (=besser funktionierende) Töchter haben. Die GFX 50 ist schon auf dem richtigen Weg, mir fehlt nur noch eine kürzere Synchronzeit.

Die Wahrheit…

… ist häufig schmerzhaft, aber Karl Taylor hat sie wunderbar auf den Punkt gebracht:

Ich habe hier viele Fotos gepostet, die ich mit ‘alten’ filmbasierten Kameras aufgenommen habe. Die waren alle problemlos in dem Sinne, dass ich mich nach der Aufnahme nur noch um eine simple Digitalisierung kümmern musste. Die digitalen Fotos haben mir von Anfang an Kopfzerbrechen bereitet, weil sie keinen Ursprung und keinen Standard haben (mehr zum Standard irgendwann einmal).

Wer eine Vision, eine Idee und ein Konzept hat, kann die stärksten Fotos mit einer Einwegkamera machen, wenn er stets zur gleichen Zeit das – wie ich es nenne – Zauberlicht nutzt, das wir in Nordeuropa früh morgens oder früh abends haben. Wer keine Vision hat, schafft das nicht annähernd so gut mit einer Hasselblad, Sony 9, Nikon D850 oder PhaseOne. Das ist Fakt.

Wenn es jemand schick findet, leere Supermarktparklätze zu dokumentieren, so what? Er hat wenigstens ein Konzept, sehr im Gegensatz zu den Millionen Foto-Foren-Teilnehmern, die sich in technischem Blödsinn ergiessen und keine Ahnung haben, weil sie eben keine Fotografen sind.

Dazu gehört natürlich Wissen und Erfahrung. Von beidem möglichst viel, d.h. 10 Jahre sollten es schon sein (siehe auch ‘Überflieger‘).

Kürzlich hatte ich von einer Diskussion gehört, wie viele Blitze man für ein Portrait braucht. Die Antworten lagen bei ‘mindestens 3’ bis ‘mindestens 5’ – in etablierten Studios, wohlgemerkt. Und dann kommt jemand wie ich daher und macht Portraits mit einem Blitz. Wumm. Warum? Weil ich Licht sehen kann. Ja, ja, ich höre schon die Stimmen, die da sagen, ‘Das kann doch jeder’ oder ‘Das kann ich auch’. Genau, deshalb gibt es auch so viele beschissene Portraits, um es mal ganz deutlich zu sagen. Denken Sie an die 10 Jahre… so lange brauchen Sie, um Licht wirklich zu sehen und kreativ einzusetzen. In der Architektur- und Industriefotografie haben Sie auch nur eine einzige Lichtquelle, die Sonne. Da lernen Sie sehr schnell, Licht zu sehen und umzusetzen, weil Sie der Sonne nicht sagen können: Hey, geh noch mal zurück auf Los (=Sonnenaufgang)…

Wenn Sie dann Licht sehen können, spielt es keine Rolle, ob Sie draussen oder drinnen arbeiten. Wer drinnen lernt, wird draussen grosse Probleme haben, ist klar, oder?

Also, ran an ein Konzept, dann die Kamera nehmen und Fotos machen. Es ist egal, welche Kamera, denn alle Kameras sind identisch aufgebaut: Ein lichtdichter Kasten, ein Lichteinlass (Loch oder Objektiv) und ein Medienhalter. Aus die Maus. Der Rest ist Physik, Licht, Ideen und Ausdauer.

Noch ein Tip: Sie müssen nicht jedes Mal auslösen, wenn Sie denken, Sie hätten ein Motiv. Gehen Sie einfach mal durch die Szene, um das Objekt oder Modell, sehen Sie gegen das Licht, drehen Sie sich um: Die Welt hinter Ihrem Rücken ist häufig spannender als die Welt vor Ihren Augen.

Nur so zum Spass: welche Fotos wurden mit einer ‘Vollformat-Profi-DSLR’ und welche mit alten Kameras und Diafilm gemacht?

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Pastell.Neon.

Noch zwei Beispiele mit Vergleichsfotos:

Nikon NX-D:

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RPP:

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Kunstfarben versus Echtfarben. Der Unterschied ist erstaunlich. In den Schatten sind mehr Details zu erkennen, die Szene wirkt wesentlich natürlicher. Der Bahnhof ist wirklich in einem Pastell-Ton gestrichen. Beide Konverter in identischen Einstellungen.

Jetzt zu Neon. Das ist immer ein Härtetest für Digitalkameras und Konverter. Viele Konverter quälen sich damit, und die Resultate sehen entsprechend aus.

Nikon NX-D:

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RPP:

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Im oberen Foto sieht man sehr genau, wo die Schwächen des Konverters liegen, denn das Weiss hat blaue Säume. Dass es besser geht, zeigt RPP. Beide Konverter in identischen Einstellungen.

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Farb.Treue.

Ein Beispiel aus der Produktfotografie. Die Farbtreue ist bei der Konvertierung mit RPP um Welten besser als mit Nikon NX-D, weil RPP einen Weissabgleich auch auf grauen Flächen zulässt.

Nikon NX-D:

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RPP:

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Die Farben sind definitiv klarer und sauberer. In beiden Fällen keine weitere Nachbearbeitung ausser Ausschnitt und Verkleinerung. Was mir an RPP besonders gut gefällt ist das eingeblendete Zonensystem sowie die Abweichungen der Zonen von dem selektierten Graupunkt. Damit kann ich sehr genau festlegen, in welche Zone der von mir gewählte Bereich fallen soll:

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In diesem Beispiel fällt der von mir selektierte Bereich in die Zone II, die Belichtungsmessung erfolgte auf die Mitte der Zone VI – der dickere Balken in Zone VI (bei 18% Reflexion, einstellbar über einen Terminal Command). Die violetten Linien sind Blendenwerte in  Stufen, die dünne, graue Linie der exakte Messpunkt.

Dieses Histogramm – hier sind die Farben RGB temporär ausgeblendet – sagt mir definitiv mehr über die Lichtverhältnisse im Foto als das Histogramm anderer Software, vor allem weiss ich auf einen Blick, ob ich die Belichtung ändern muss oder nicht. RPP kann ich sehr präzise auf die Kamera kalibrieren und diese Einstellung dann speichern, so dass sie angewendet wird, sobald ein RAW von dieser Kamera geöffnet wird. 

Ohne Rosa.

Sie kennen das: Haben Sie falsch belichtet und die Lichter ‘fliegen’ Ihnen weg, versuchen Sie das Foto zu retten, indem Sie die Lichter dämpfen. Je nach Überbelichtung werden die hellen Bereiche dann – genau – rosa. Das mag für manchen schick aussehen, hat aber nichts mit Fotografie zu tun.

Für den Mac gib es RPP (RAW Photo Processor, link im nächsten Beitrag). RPP liefert nicht nur die saubersten Farben, sondern hat auch eine Lichter-Dämpfung, die einmalig ist (vorausgesetzt, Sie haben nicht um +3 EV überbelichtet).

Mal ein paar Beispiele einer Tag- und diversen Nachtaufnahmen ohne Farbverschiebung. Mit RPP geht das blitzschnell, da muss nicht lange an Reglern gefummelt werden.

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RPP bewältigt einen grossen Tonwertumfang, wenn die Belichtung und der Sensor der Kamera das hergeben. Im letzten Foto 12.6 EV. Ich kann mich noch gut erinnern, wie lange ich bei der Konvertierung mit der Nikon-Software gebraucht hatte, um einigermassen ansehnliche Resultate zu bekommen. Die erste Aufnahme habe ich mit dem 2.8/20mm AiS Nikkor gemacht, # 3 mit dem 2.5/105 Ai Nikkor, # 4 und 5 mit dem PC-Nikkor 3.5/28mm Ai. Ja, ja, ich weiss, das sind drei Objektive, die nach neuesten ‘Experten-Kenntnissen’ überhaupt nicht geeignet sind, saubere Fotos zu machen. Weil sie nicht für ‘Digital’ gerechnet wurden, keinen AF und keine Dichtungen haben und überhaupt kann ‘man’ mit solch kleinen Objektiven ja nichts mehr werden, denn ein ‘toller Profi’ hat nur noch dicke Glasklötze in der Tasche (nennt sich dann heute ‘Objektiv-Park’).

Genug gelästert, wer gern eine grössere Version sehen möchte, darf mich gern kontaktieren, um sich an der Bildschärfe die Finger zu schneiden. 

Zurück zu RPP – der Konverter ist wirklich genial. Wer Wert auf saubere Fotos, Farben und Belichtung legt, sollte sich damit beschäftigen, statt die Wolken von Adobe zu schieben…

Ach ja, alle Beispiele habe ich in Bremerhaven gemacht – einer Stadt, die immer einen Besuch wert ist!

Schwarz.Kein Schwarz.

Ich hätte auch titeln können: Richtig.Falsch. Oder noch besser: Richtig falsch.

Worum geht es? Um den Weissabgleich. Ich bin durch den Vergleich eines Dia-Scans mit einer Digitalaufnahme darauf gestossen, dass die Nikon NX-D Software einen (nein, mehrere) Fehler hat. Sie kann keinen korrekten Weissabgleich durchführen. Im Laufe der Zeit habe ich dann mit einem Leser festgestellt, dass jede Software einen anderen Weissabgleich liefert. Dabei wäre es doch so einfach:

  • Also, Weiss definiert sich für mich nach einem Reinweiss:
  • RGB 255, 255, 255
  • CMYK 0, 0, 0, 0 (aber da hakt es bei PL bereits, der Wert stimmt nicht, sondern lautet 4.1, 4.1, 0, 0)
  • LAB 100%, 50%, 50%

Diese Werte sollten (müssen!) unabhängig davon sein, ob das Bild nun 8bit oder ein 16bit Farbtiefe hat.

Wenn ich jetzt die Software den hellsten Punkt auslesen lasse, und dieser Punkt nicht einen der oben genannten Werte aufweisst, kann ich die Farbkorrektur entsprechend durchführen. Verwenden jedoch die Programme unterschiedliche Methoden zum Auslesen, d.h. das eine sehr genau (z.B. DCRaw und RPP), das andere mit einer 3×3 oder 5×5 Matrix (PL) oder irgendeiner anderen Matrix (Nikon), dann wird das Murks.

Dass dann die anderen Farben ’nachziehen’, ist klar. Dass es keine internationale Norm und Einigung gibt, ist definitiv ein Verbrechen.

So sieht das Ganze dann aus:

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Noch ein Beispiel: Links mit Nikon NX-D entwickelt, rechts mit RPP entwickelt.

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SCREENSHOTS © 2018 BY JENS G.R. BENTHIEN

Links ist der Weissabgleich mit RPP (Raw Photo Processor, nur OS X**) und rechts mit Nikon NX-D gemacht. Der Unterschied ist mehr als deutlich: RPP liefert ein fast reines Schwarz, Nikon ein Dunkelgrau. Dass die anderen Farben entsprechend falsch ‘nachziehen’, liegt auf der Hand und ist am Rot zu erkennen.

** Die neueste Version gibt es nur bei der google group, auf der RPP web site sind nur ältere Versionen verfügbar.

Interessantes am Rande: Mein Scan-Programm setzt den Weisspunkt ebenso wie DCRaw und RPP absolut korrekt, unabhängig davon, ob es ein Negativ oder Positiv ist.

Jetzt sind wir sehr gespannt, was Nikon zu der Thematik sagen wird, nachdem wir uns nach der ersten, stümperhaften Antwort halb tot gelacht haben über deren Murks:

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Wichtige Info am Rande: Ich benutze gar keine Presets. Jetzt hat Nikon mit den Erklärungen ein Problem. Ein ganz grosses, denn interessanterweise hat SilkyPix, die Basis für Nikon NX-D, diese Probleme nicht, wie wir Schritt für Schritt durchgespielt und nachvollzogen haben. Auch RPP hat mit dem Weisspunkt und den Farben kein Problem.

Meine Antwort auf das Nikon-Schreiben:

Sehr geehrte XXX

vielen Dank für die Info. 

Ich habe keine Presets benutzt. Und nun?

Was ist das für eine Software, die so unpräzise ist wie eine ‘Hand voll Wasser’?

Vor allen Dingen würde mich jetzt interessieren, weshalb das Original ’SilkyPix’ das beherrscht, aber der Abkömmling für Nikon nicht.

Kurz: Egal, welchen Weissabgleich ich mit einer Nikon mache, er ist für die Tonne, weil der Raw-Konverter eh macht, was er sich grade so vorstellt? Ist das Ernst gemeint von Nikon? Dann werden wir nicht mehr lange Freunde sein…

Vielleicht können die Verantwortlichen dazu mal präzise äussern, würde mich schon interessieren.

Ich glaube, ich sollte mal einen ausführlichen Artikel über die Unfähigkeit der Nikon-Software schreiben, denn damit sind die vielen Einstell-Optionen mit dem Weissabgleich reine Makulatur. Da bringt Nikon tolle Kameras auf den Markt, die jedoch durch die Saft- oder Bananen-Ware kastriert werden. Dann kann Nikon doch gleich auf die Optionen bei der Aufnahme verzichten und irgendeinen Murks generieren – der Effekt wäre der gleiche.

Kurzum: Der Fisch stinkt vom Kopf her, treten Sie Nikon mal ordentlich in den Hintern, damit sich das ändert. Hauen Sie diese mail der Geschäftsführung auf den Schreibtisch, bevor die meinen Artikel lesen.

Con saludos cordiales / With kind regards / Mit freundlichen Grüssen

Bleiben Sie dran – es lohnt sich!

Trend.Farben.

Normalerweise schraube ich nicht an Reglern, sondern lasse meine Fotos authentisch und unverändert. Diesmal nicht, deshalb steht es auch in starkem Kontrast zu dem Beitrag Rela.Tief. etwas weiter unten.

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Ganz schön knackig, was? Wie aus einem Reisemagazin. Nach dem Motto: Norddeutschland ruft! Jetzt noch eine Blondine mit Heugabel und in urbaner, Mikroplastik absondernder Outdoorkleidung auf dem Acker platziert, einen Artikel bei Instagram über diese Ecke posten und diese Region wäre sehr bald von reisewütigen Asiaten und Amerikanern überlaufen, weil irgendein Hipster sie zum ‘Hotspot’, den ‘man’ gesehen haben muss, erklärt. Nix da, bleibt, wo ihr seid. 

Beide Aufnahmen habe ich mit 24mm Brennweite meines Zoom-Boom-Hyper-Glasklotzes gemacht. Das ist noch keine umwerfend kurze Brennweite, ich kann – mit Festbrennweite – noch weiter. Oder einfach ein paar Meter zurück gehen. Das ist eben alles relativ. Nichts muss, alles kann sein. Theoretisch wäre das Motiv auch mit einer Rollei 35S oder Minox 35GT machbar gewesen, wenn ich weiter – genau – nach hinten gewandert wäre. Diese Version ist etwas klassischer gehalten, wegen der Linien, die zum Ziel führen, und wegen des Bildaufbaus. Kann sein, muss aber nicht, weil es viele Varianten innerhalb der klassischen Bildgestaltung gibt.

Ach, da fällt mir auf, dass diese Aufnahme auch in das Genre ‘street’ passen könnte, weil eine Strasse zu sehen ist (Achtung, Ironie!). Daran können Sie erkennen, wie sehr unsere Sprache durch überaus blödsinnige Neu-Definitionen  zermatscht wurde. Das ist so wie mit den angeblichen Fotografen, die es nicht mehr gibt. Heute nennen sie sich ‘Shooter’. Auf Deutsch: Schiesser. Ob das von Scheisser abgeleitet wurde, ist nicht überliefert… aber hohlköpfig sind die meisten von denen allemal.

Allee.Lücken.

Diese Allee ist etwas lückenhaft. Ganz weit hinten, hinter dem Horizont, steht sie noch wie früher, aber hier wurden vor über 40 Jahren die Bäume von einem infernalischen Sturm einfach abgeknickt wie Getreidehalme im Frost. Manch neuer Baum hat dem permanenten Wind an dieser zugigen Ecke nicht standgehalten und hinterliess eine Lücke. Ein paar Lücken hintereinander reissen ein gähnendes Loch in den Bestand. Aber immerhin: Die Sonne tat heute ihr Bestes.

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Rela.Tief.

Wie immer im Leben ist vieles relativ. Selbst hohe Bäume wirken aus der Distanz klein, der Wald schrumpft zu Schneckengrösse, das junge Getreide ist nur noch der Hauch eines Bodenanstrichs. Details werden unsichtbar, der Himmel immer höher.

Die Buchen und Eichen in dem kleinen Laubwäldchen sind über 150 Jahre alt und mehr als 25 Meter hoch…

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Übrigens höre ich grade, dass die Kraniche sogar heute Nacht gen Süden ziehen. Das heisst, dass die Nacht kalt werden wird, weil sie sonst hier in den Mooren der Umgebung eine Pause einlegen. Wer mehr über die Zugrouten der Kraniche wissen will: Click!

Kraft.Werke.

Weites Land, hoher Himmel, Windstille.

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Wenn der liebe Gott es will, stehen alle (Wind)Räder still. Macht nichts, bei mir kommt der Strom aus der Steckdose. Wir werden noch unser blaues Wunder erleben, oder besser gesagt die ‘Brown-Outs’ (temporäre Stromabschaltungen wie in vielen asiatischen Ländern), weil wir keine Stromspeicher haben.

Fili.Gran.

Die meisten Menschen sehen so etwas entlang eines Weges nicht. Aber es ist da, klein und filigran. Gran – granola – Korn. Klingelt es? Wenn nicht, dann einfach mal ‘Civilization One‘ lesen und staunen…

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Ist das jetzt Bokeh? Hm, ich glaube eher nicht, sind ja keine zwangsneurotischen Lichtpunkte im Hintergrund, oder? 

Gegen.Licht.

Die Lichtsituation bietet sich an, um räumliche Tiefe einzufangen.

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Würde das Licht wirklich von hinten kommen, wäre der Effekt nicht so gut, weil dann die Kontraste zu stark wären und die Schatten keine Zeichnung mehr hätten. Der kleine Highlight an den Baumstämmen und Blättern (in dieser kleinen Version kaum sichtbar) trägt erheblich zur Tiefenwirkung bei. Hier haben wir eine 6-fach Staffelung: 

  1. Dunkler Baum.
  2. Helles Feld.
  3. Dunkle Bodenkante.
  4. Dunkle Bäume mit heller Krone.
  5. Unten helles Feld.
  6. Ganz hinten dunkler Wald.

Per.Spektive.

Es blieb ein Traum-Tag. Ergo ging es etwas weiter raus, zu meiner kleinen Oase, der alten Wassermühle.

Nah dran:

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Weiter weg:

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Nein, das obere Foto ist kein Ausschnitt. Ich war einfach näher dran und habe ein vertikales Pano gemacht aus 5 Aufnahmen gemacht. Beim unteren Foto kam ich mit 3 Aufnahmen hin. Je grösser der Bildwinkel, desto mehr Geschichten sind im Bild.

Lower Saxony.Summer.

Es ist mal wieder ein traumhafter Herbsttag. Aber warum immer ‘Indian Summer’ und nicht einfach mal Niedersachsen-Sommer?

Eben. Zumal der schöne Ahorn direkt vor meinem Küchenfenster steht:

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Ticket in die USA gespart, Likes und Sternchen gebe ich mir selber. So schön und einfach kann das Leben zum Geniessen sein, wenn man sehen und wahrnehmen kann! Demnächst kommt das Foto, das ich vorher mit der Rollei 35S gemacht habe. Versprochen!

Warte.Quader.

Die Öse zum Transport und versetzen ist noch dran. Sie wird auch dran bleiben bis der Rost dran nagt. Warten auf den Bus. Oder nur das nächste Regenschauer trocken überstehen, das einen in der ‘Überseestadt’ erwischen kann.

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Nacht.Blau.

Ein lauer Sommerabend vor 4 Jahren. Mitten in Bremen, in den Wall-Anlagen, gibt es hinter dem Gerhard Marcks Haus einen Steg, der Paula Modersohn Becker gewidmet wurde. Zu später Stunde geht da kaum noch jemand rüber, aber kurz vor dem nautischen Sonnenuntergang hat der Himmel noch Licht und Farbe.

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Belichtungszeiten t=2” oben und t=4” unten

Hell.Dunkel.

Statement:

Es ist immer hell genug, um Aufnahmen zu machen. Die Frage ist nur, ob der Fotograf die Ausdauer und Ausrüstung dafür hat, ob ihn im Sommer die Mücken zerstechen oder ob ihm im die Finger im Winter dabei abfrieren.

Kommen wir nochmal zurück zu dem Wahn, möglichst hochöffnende Objektive zu kaufen. Ich habe viele Aufnahmen in der Dämmerung und nachts gemacht. Trotz vorheriger Besuche der Orte und der Berechnung der optimalen Tages- und Uhrzeit muss man sich damit abfinden, warten zu müssen, weil man grundsätzlich eine halbe bis eine Stunde vorher vor Ort sein sollte.

Ein Objektiv mit der grössten Blende f=1.4 bringt für diese Aufnahmen – genau – nichts, weil dann die meisten Objekte unscharf werden – sie liegen ausserhalb des Schärfebereichs.

Bei Stadtansichten ist f=11 oder f=16 schon fast mandatorisch, vor allem, wenn man ein Weitwinkel verwendet. Warum? Ganz einfach: Die Distanz zu dem Objekt direkt vor der Kamera ist immer erheblich kürzer als die zu den Objekten an der Seite. Ganz einfach Physik, die man zu Fuss prüfen kann.

Sportaufnahmen in dunklen Hallen – nun ja, dafür mag so ein hochöffnendes Objektiv ganz brauchbar sein, wenn die Brennweite länger ist. Im Normalfall, d.h. für alle Amateure und Edelamateure allerdings nicht.

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Marktplatz Bremen im Spätsommer 

Die Aufnahme habe ich mit einem 3.5/28mm Shift Objektiv gemacht. T=5.0 sec., f=16 (angezeigt wird nur 3.5, weil das Objektiv manuell auf die Kamera programmiert wurde und keine elektrischen Kontakte hat). Ganz böse: Es wird immer kolportiert, dass die Beugung ab f=8.0 das Foto gnadenlos degradiert. Ich habe das bisher noch nicht festgestellt – auch hier nicht. Abgesehen davon frage ich mich, warum wir in der Grossformatfotografie bis f=64 oder f=90 abblenden können…

 

Scharf.Macher.

Es gibt Menschen, die sich alle halbe Jahr die neueste Digicam kaufen. Dazu dann ein hochlichtstarkes Objektiv, wie zum Beispiel ein 1.4/40mm mit einem Eigengewicht von rund 1,2 Kilogramm (!). Es dauert gewöhnlich nur ein paar Tage, bis sie in irgendeinem Forum aufploppen und sich über die Kamera und/oder das Objekt beschweren, weil es nicht richtig scharf stellen würde. Entweder erkennen sie einen ‘Backfocus’ (nein, hat nichts mit Backen oder Bäckerei zu tun), oder einen ‘Frontfokus’ (nein, hat nichts mit der Front im Krieg zu tun, obwohl in den meisten Foren so eine Art Glaubenskrieg herrscht).

Diese Leutchen (‘Edel-Amateure’!) haben keine Ahnung von Fotografie. Sie erwarten, dass die Präzision im Sub-Millimeter-Bereich liegt – immer. Es leuchtet ihnen nicht ein, dass eine grosse Blendenöffnung eine hauchdünne Schärfentiefe produziert. Weil sie es nicht schaffen, nur die Wimpern einer Person scharf abzubilden, wird die Marke an den Pranger gestellt und ohne Ende gemeckert, denn schliesslich haben sie dafür so richtig tief in die Tasche greifen müssen. Natürlich wird eigenes Versagen oder Unwissenheit vehement ausgeschlossen, ist klar, oder?

Wenn man diese Leute fragt, weshalb sie sich für das Objektiv entschieden hätten, kommen haufenweise falsche Antworten: Man könne damit besser in der Dämmerung fotografieren, man könne damit besser Objekte freistellen, die Bestleistung erhält man schon mit Blende f=2.0, gutes ‘Bokeh’, als ‘Profi’ braucht man(n) so etwas, etc.

Alles 100% nonsense. Die Blende ist zwar ein wichtiges Element für die Bildgestaltung (ebenso wie die Verschlusszeit), aber man sollte schon wissen, wie man sie kreativ einsetzt. Um es mit den Worten meines Mentors vor fast 40 Jahren auszudrücken: So genau scheisst kein Pferd. Uns allen war klar, was er damit meinte: Obwohl wir mit Grossformatkameras gearbeitet hatten, deren Schärfebereich noch dünner war, konnten wir mit einer entsprechenden Blende die Schärfentiefe recht grosszügig definieren. Nur haben wir das nie mit offener Blende gemacht, weil es damals noch keine Foto-Foren gab, in denen die ‘Offenblenden-Sau’ durchs Dorf getrieben wurde.

Ein Beispiel: Ein 1.4/85mm ‘Portrait-Tele’ hat bei f=1.4 und einer Distanz von 200 cm eine Schärfentiefe von 44,5 mm – grade ausreichend, um eine Nase scharf abzubilden. Bei f=5,6 sind es grade mal 178,5 mm – immer noch nicht ausreichend, um einen Kopf komplett scharf abzubilden. Eine leichte Bewegung bei der Aufnahme, und schon liegt der Schärfebereich an einer anderen Stelle – trotz AF mit 256 oder mehr Messpunkten.

Sehen wir uns mal eine ‘alte’ Kamera und deren Objektiv an. Dort hatten die Objektivkonstrukteure dafür gesorgt, dass oben eine Schärfenskala eingraviert wurde. Das war so simpel, dass es immer funktionierte.

Beispiel A: Ein 1.4/50mm Nikon Ai auf f=8.0 eingestellt, der Schärfebereich geht von 5 Meter bis Unendlich, die grösste Schärfe liegt bei 10 Metern. Unter Blende 4.0 haben die Konstrukteure bereits auf die Angaben eines Schärfebereichs verzichtet, weil es keinen Sinn macht(e).

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Beispiel B: Die Rollei 35S mit dem 2.8/40mm auf f=11 eingestellt, der Schärfebereich reicht von ~4.5 Meter bis Unendlich. Zwischen 6 Metern und Unendlich wurde auf weitere Angaben verzichtet, weil das 40er über ausreichend Schärfentiefe verfügt (leger ausgedrückt). Wenn man sich die Markierungen der Entfernungsangaben in Relation zu den Blendenwerten ansieht, wird klar, dass eine grössere Blende als f=4.0 keinen Sinn mehr macht. Welchen Sinn ergibt dann ein f=1.4 in diesem Brennweitenbereich? Eben.

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Mit diesen Markierungen wurden alle Fotos scharf, weil man bereits vor dem Auslösen  sehen konnte, wie gross der Schärfebereich sein wird. Diese Markierungen gibt es – ausser bei Fuji – auf keinen modernen KB-Objektiven mehr, weil der AF ja soooo viel besser und präziser ist. Dass er dann häufiger in der ‘Backstube’ oder an der ‘Kriegsfront’ landet, ist halt ein Kollateralschaden, eine kleine Unzulänglichkeit, die der geneigte Käufer dieser Edelstücke doch bitteschön stillschweigend in Kauf nehmen sollte. Ist doch sein Problem, wenn er mit f=1.4 knipst und nicht weiss, was er macht, oder?

Übrigens hatte die alte Nikkormat FT3 ebenfalls eine Belichtungsanzeige auf der oberen Kameraplatte, was ungemein praktisch ist, wenn man im Vorfeld die Belichtung einstellen will. Aber das war damals schon eine Kamera, über die sehr abfällig in den – inzwischen glücklicherweise nicht mehr existierenden – Fotomagazinen geschrieben wurde.

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Rollei 35S, Kodak Portra 160. Einfach scharf. Aber es sind ja auch keine Wimpern im Bild…

Strunz.Dumm.

Es gibt Momente, in denen mir nichts mehr einfällt. Heute Morgen hatte ich wieder einen:

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Der Artikel dazu, falls Sie es auch nicht wissen.

In der Bildunterschrift schreibt der Autor:

Echte Fotos in der Hand zu halten ist ein haptisches und visuelles Erlebnis

Ah ja. Das haben die meisten Menschen komplett verlernt. Wie viele kennen eigentlich noch den Begriff ‘Haptik’ und ordnen ihn nicht irgendeiner Koch-Show zu?

Wir haben zwei Möglichkeiten: Die Redaktion der WELT – als sogenanntes Leitmedium – lässt Artikel als Lückenfüller auf Halde schreiben, die sie bringen kann, wenn übersaure Gurkenzeit ist. Oder Wahlen in Hessen, so wie heute.

Alternativ hat ein ‘Expertenteam’ herausgefunden, dass die Masse Mensch strohdumm ist, und die Redaktion der WELT  fühlt sich dazu berufen, diese Menschen über Banalitäten und selbstverständliches Wissen aufzuklären.

OK, sei es, wie es ist. Das Bildungsniveau in der westlichen Welt rauscht schneller in den Keller als eine Lawine einen Hang hinab. Das hat inzwischen dazu geführt, dass die Menschen vor allen Dingen, die nicht glatt wie die Glasoberfläche eines Smartphones sind, zurückschrecken oder sich davor ekeln. Die meisten Smartphone-Benutzer werden sich eh keine Gedanken über die Möglichkeiten machen, die ihnen ihr ‘Smartföhn’ bietet.

Fotos drucken? Hm, wahrscheinlich war deshalb die erste Fotoausstellung in einer amerikanischen Galerie so erfolgreich, die ausschliesslich mit Fotos aus Smartphones bestückt wurde.

Wenn man denkt, es könne nicht grausamer kommen, dann liest man eines Tages so eine Überschrift und verzweifelt am Verstand der Menschen.

Von der Schönheit einiger Gebäude und Gartenanlage wollen wir besser nicht mit den degenerierten Menschen sprechen – sie würden nicht wissen, wovon wir reden.

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Weg zum Eingang der Sottrumer Sankt Georg Kirche.

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Kirchenfenster der Sankt Georg Kirche mit Bänken der Gartenanlage. Die Kirche wurde 1737 nach einer kompletten Zerstörung wieder neu erbaut und befindet sich noch im Originalzustand. Achten Sie auf die Details der tragenden Elemente.

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Kein Smartphone, sondern eine Rollei 35S mit einem Kodak Portra 160 bestückt: 36 Vollformat-Sensoren, für jede Aufnahme ein neuer.

 

Innen.Leben.

‘Dann drehe ich mal eben die ISO hoch und shoote.’

Ein Spruch, den ich häufig in Foren lese. Da wird mir schlecht und ich könnte k*tzen. Die Typen haben die Sache mit dem Belichtungs-Dreieck (Blende/Zeit/Empfindlichkeit) nicht verstanden. Aber sie behaupten, dass man es so machen muss, weil es anders nicht geht. Und anschliessend erschiessen sie jemanden, weil sie nicht wissen, was sie sagen…

Genau. Deswegen mache ich gerne das, was angeblich ‘nicht geht’. Zum Beispiel im Inneren eines Leuchtturms, wie dem hier in Wremen. Er wird heute gern für Trauungen gebucht. Das Innenleben wurde so erhalten, wie es früher war.

Der Arbeitsplatz eines Leuchtturmwärters, absolut unvereinbar mit den heutigen Anforderungen der Berufsgenossenschaften. Ganz schlimm für die Besucher: Dort drin gibt es keinen ‘Händy-Empfang’. Gut so. Wer einen Rücksprung in vergangene Zeiten macht, braucht kein Fratzenbuch oder ‘Was-ist-los’.

Die kleine Hexe (die Ofen-/Herd-Kombination) hat wahrscheinlich den ganzen Leuchtturm heizen müssen, der natürlich nur eine Stahlhaut ohne Isolierung hatte. Ob das wirklich romantisch war, wage ich zu bezweifeln…

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Rollei 35S, Kodak Portra 160. ASA 80. Entfernungsmesser Watameter II. Dazu eine ruhige Hand und KEINEN Anti-Wackel-Dackel über 5 Blenden. Geht doch – was zu beweisen war.

Laster.Haft.

Sie stehen alle hinter einem hohen Zaun. Wie in einem Gefängnis. Laster. Hunderte. Wer noch kein(en) Laster hat, wird hier fündig. Oder auch nicht, weil der Traumlaster zu einem Laster werden kann, wenn er ausgelutscht wurde bis zum Gehtnichtmehr. Das wäre dann eine Be-Lastung.

Von dieser Sorte Unternehmen gibt es entlang der A1 zwischen Bremen und Hamburg diverse. Ich frage mich immer wieder, welche Bank diese Risiken finanziert…

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Rollei 35S, Kodak Portra 160.

Pitsch.Patsch.

Ein Gang durch das Watt macht Spass. Pitsch, patsch, schlurp – wenn man irgendwo tief einsinkt und feststeckt. Denken Sie sich nichts dabei, dass die Beine nackert sind, und der Mensch ‘oben rum’ dick eingepackt ist. Der Wind ist lausig kalt, das Wasser noch warm, weil es dort nur sehr flach ist und die dünne Wasserschicht bei Sonne ausreichend erwärmt wird.

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Rollei 35S, Kodak Portra 160.

Im Hintergrund rechts die sogenannten Pricken, die die Fahrrinne zum Hafen markieren und immer wieder neu gesetzt werden müssen, weil sich durch den Tidenhub die Bahn verändert. Ganz hinten am Horizont sind Leuchtfeuer und Leuchttürme der Wesermündung.

Para.Dies.

Für Kinder ist das Wattenmeer ein Paradies: Dort können sie mal so richtig herumplanschen und im Schlick spielen. Sehr zum Leidwesen der Eltern, die alles daran setzen, das Kind sauber zu halten. Die Möwe sieht zu und feixt sich einen. Wir auch. Schadenfreude ist auch eine Freude! Nun ja, die Kleine wurde später an der Promenade mit ihrem wasserdichten Overall mit Wasser aus dem extra dafür installierten Schlauch abgespült, und die Welt war für alle Beteiligten wieder in Ordnung. Man muss nicht unbedingt in die Wüste von Namibia fliegen, um Spass zu haben…

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Rollei 35S, Kodak Portra 160.

Rechts der Nupsi ist der ‘Kleine Preusse’, der Leuchtturm vom Wremer Tief.

Watt.Satt.

Watt, so weit man sehen kann. Frische, klare Luft, Möwenschreie vom Hafen im Hintergrund, ansonsten rauscht nur der Wind. Menschliche Laute hört man dort nicht mehr. Der Rest der Welt ist weit weg und furchtbar klein hinter uns am Horizont. Vor uns die endlose Weite. Wäre die Welt keine Kugel, könnte man von hier aus erst Helgoland und dann die Färöer-Inseln sehen.

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Rollei 35S, Kodak Portra 160.

Früh.Stück.

Capture the moment. Fange den Augenblick ein. Sei einfach mal spontan.

Nein, das reicht ja nicht, man muss (!) den ‘decisive moment’ einfangen, möglichst mit dem neuesten Modell der Top-Digitalkamera am Markt, alles andere ist kalter Kaffee.

Mein Kaffee war noch heiss, die Sonne schien auf den Tisch, es war warm und versprach ein schöner Tag zu werden. Meine Kamera ist fast 40 Jahre alt, wird ab und an mit einer neuen Rolle Sensoren gefüttert, das ist alles. Freude und Begeisterung pur.

Wie oft habe ich gehört, dass ich mit einer ‘alten’ Kamera nicht spontan sein könne. Kann ich doch, weil sie schneller einsatzbereit ist als die Digi, die im Schrank in einer grossen Tasche steckt. Warum bin ich nicht mit drauf? Ähm, weil die kleine Rollei keinen Selbstauslöser hat und weil ich ‘selfies’ ebenso geistig umnachtet finde, wie die Leute, die sie anfertigen. Wer so etwas macht, sollte sich dringend in eine Psychotherapie begeben. Dumm nur, dass es auf der ganzen Welt nicht genügend Psychologen gibt…

Künstliche Intelligenz könnte mit der Szene nichts anfangen, weil KI keine Emotionen kennt, denn sie kann nicht wahrnehmen und hat kein Bewusstsein. Erleben auch nicht. Sie hat – richtig – nichts, ausser den Variablen, die ihr eingeimpft wurden. Sie kann mit Wärme nichts anfangen, mit Wohlgefühl, mit Sein, mit Freude.

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Rollei 35S, Kodak Portra 160. Aufgenommen irgendwann Anfang August 2018.

Vorne links liegt ein ‘neuer’ Entfernungsmesser, mit dem ich beim Frühstück gespielt habe. Das Sahnestück hatte sogar noch ein Leder-Etui und keine ausgasende, multifunktionale Billig-Tasche chinesischer Provenienz aus recycelten Joghurtbechern, Trinkflaschen und Outdoorjacken.

 

Lügen.Welt.

Gestern habe ich einen Artikel bei Techcrunch gelesen:

The future of photography is code.

Übersetzt: Die Zukunft der Fotografie ist Programm-Code.

Eigentlich sind wir schon mittendrin, denn welche Fotos des digitalen Zeitalters entsprechen noch der Realität? In einer Welt, in der eine bestimmte Farbe von jedem Programmanbieter anders interpretiert und somit angezeigt wird? Nehmen Sie zum Beispiel den Weissabgleich: 5 Programme, 7 unterschiedliche Interpretationen.

Ausserdem die tausend Optionen mit den vielfältigen Reglern. Was hinten rauskommt, ist so nie gewesen. Input ungleich Output. Oder: Input = Realität, Output = Wunschdenken. So geht das heute.

Das alles wird sich in Zukunft ändern. Durch KI – ‘Künstliche Intelligenz’. Ach, Sie waren in Island, weil Sie auf Instagram ein ‘geiles’ Foto mit einem Eisberg in einer Bucht gesehen haben,  inclusive GPS-Daten, die Sie dann per google gesucht und dann im Reisebüro als Ziel Ihrer Reise angegeben haben? Fein. Und das Wetter hat nicht mitgespielt? Macht nichts, nehmen Sie das Bild, das Sie geknipst haben, jagen es durch das Programm mit KI, und es sieht nach ein paar Sekunden fast so ‘geil’ aus wie das, das Sie auf Instagram gesehen haben.

Zum Artikel

Wenn Sie zu der oben beschriebenen Zukunft keine Lust haben, legen Sie einfach mal einen Film in Ihre filmbasierte Kamera und fangen die Realität ein.

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Rollei 35S, Kodak Portra 160.

Die Windgeneratoren stehen wirklich hinter dem Deich, die beiden Menschen waren wirklich vor dem Deich, der Himmel war wirklich graublau.

Ein Programm der Zukunft hätte den Himmel knallblau gefärbt, die Windgeneratoren und Menschen wegretuschiert, ein paar lila Kühe auf die Weide gezaubert und eine vollbusige Blondine auf einer Sonnenliege im Vordergrund platziert. Warum? Weil das Bild nach Urlaub aussieht, da gehört so etwas dazu. Meint die KI. 

Ganz ehrlich, solange die KI keine Klospülung reparieren kann, sollten wir darauf verzichten. Und nein, ich habe nichts gegen den Fortschritt (sonst hätte ich keine Digitalkamera!), aber ich widersetze mich der Verbiegung von Realität und Fakten oder spinnerten und abstrusen Visionen von irgendwelchen dahergelaufenen Programmierern.

Leer.See.

Bei dem Wetter wollte ich noch ein paar Aufnahmen von dem Mühlenteich machen. Als ich dort eintraf, war die Enttäuschung gross: Er war leer. Man hatte das Wasser abgelassen und den Bach oberhalb des Teiches gestaut, um ihn nach vielen Jahren (oder Jahrzehnten? So genau wusste das niemand) auszubaggern. Momentan könnte man ihn ‘Baggersee’ nennen…

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Vor ein paar Tagen sah es dort noch so aus:

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Alte.Ziegelei.

Am Ortsrand des Nachbardorfes stehen noch die Reste einer alten Ziegelei. Von aussen ist sie noch in einem guten Zustand, von der Hofseite her sieht sie grausam verfallen aus.

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Herbst.Feld.

Nicht weit davon zeigte sich schon wieder frisches Grün. Das perfekte Wetter für perfekte Fotos: Die Nacht vorher hatte es noch geregnet, somit war der Staub aus der Luft rausgewaschen.

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Herbst.See.

Entgegen dem Wetterbericht kam heute die Sonne recht früh durch und vertrieb die Wolken – Zeit, raus zu gehen. Wohin? Erstmal zum See um die Ecke.

Es wehte ein schneidend kalter Wind über den See – entsprechend hart wurden die Finger…

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Werkstatt.Graffito.

Bei mir in der Nähe ist eine verlassene Werkstatt, die unter anderem von Sprayern als Übungsgelände genutzt wird:

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Rollei 35S, Kodak Portra 160.

Einfach stark. Wenn die Leute kommerziell arbeiten würden…

City.SUV.

Das ist fast so wie mit den fetten SUVs in den Städten: Eigentlich sind sie nicht für Städte gebaut, sondern für freies Gelände. Aber sie eignen sich hervorragend zum Angeben, denn in Deutschland steht vor jedem ‘freien Gelände’ ein Schild: Einfahrt verboten.

Nun, jetzt habe ich auch so eine Art SUV. Allerdings braucht das Monster (ich nenne es Moskito wegen der witzigen Form) kein Benzin oder Diesel. Höchstens mal ein Kilo Gulasch oder Rinderbraten pro Woche für den Fahrer, Reichweite 4 Tage, abwechselnd mit Gemüse und Kartoffeln oder Pasta.

Das ist der Moskito:

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Tja, ein SUV für die Stadt? Yup, es hat mich nur die Ersatz- und Austauschteile gekostet. Deshalb, und weil ich noch nie ein exotisches Fahrrad mit 3×7 Gängen hatte. Vernünftig ist es nicht, obwohl die vernachlässigten Strassenbeläge doch eine gewisse Geländegängigkeit der Fahrzeuge erfordern.

Ganz fertig ist es noch nicht, es fehlen noch ein paar Teile, und etwas (Flug-) Rostbehandlung ist erforderlich.

Jetzt habe ich mich so gefreut, ein Rad für die Stadt rund um die Werkstatt zu haben, und dann kommt das hier:

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Zum Video geht es hier.

Besonders schlimm: Wenn so ein Seil direkt auf den Kehlkopf triff, ist es tödlich. Das interessiert aber offenbar niemanden, weil die Verantwortlichen in Politik und Verwaltung entweder in gepanzerten Limousinen und mit Leibgarde oder mit dem Statussymbol Auto unterwegs sind.

 

 

Revolution.

Grade eben wurde von DPreview eine kleine Fotostrecke veröffentlicht, die mit dem neuen Kodak Ektachrome E100 aufgenommen wurde, der – wahrscheinlich – ab Dezember 2018 im Handel sein wird. Ein Diafilm für den E6-Prozess.

Zum Artikel

Technische Daten

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Je einen Film werde ich dann für meine Rollei 35S und die Minox 35 GT kaufen und testen. Wenn er wirklich so ist, wie beschrieben und gezeigt, wäre das eine Revolution, dass Kodak nach 6 Jahren wieder einen Diafilm anbietet.

Ob allerdings der Preis von US $ 12,99 in Europa in € 11,30 umgerechnet wird, glaube ich nicht. Da werden die Händler eine fette Marge draufpacken, und der Strassenpreis dürfte dann eher bei 18 € liegen und somit – wieder einmal – für europäische Fotografen – abschreckend sein.

Tunnel.Blick.

Es gibt Situationen, da ahnt man, was passiert. Dies war so ein Moment: Mir war klar, dass die beiden in ein paar Minuten in das Streiflicht gehen würden. Also habe ich gemessen (=zur Wiese gelaufen, Blende und Verschluss eingestellt, zurückgelaufen) und gewartet. Dann: Klick!

Spaziergang am Nachmittag eines Spätsommertags in Norddeutschland:

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Rollei 35S, Kodak Portra 160. Einfach herrlich, wie die Schatten noch durchgezeichnet sind. Das ist definitiv kein Motiv für einen Diafilm oder eine Digicam… Was habe ich damit gemacht? Nun, gescannt, zwei vergessene, pinkfarbene Pfosten eines Landvermessers beseitigt und verkleinert.

Farben.Rausch.

Es geht noch bunter:

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Rollei 35S, Kodak Portra 160.

Fragen Sie mich nicht, was für ein Strauch das ist – ich bin kein Botaniker. Für mich waren nur die Farben interessant.

Rot.Zeit.

Dieses Jahr ist die Herbstzeit leider etwas kurz geraten: Von der Badehose in den Wintermantel…

Nachdem ich schon diverse Aufnahmen mit dem Teufelswerkzeug (DSLR*) gemacht hatte, jetzt ein paar mit Film:

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Rollei 35S, Kodak Portra 160.

* Nein, das ist nicht unbedingt ernst gemeint. Ich arbeite gern mit einer Digitalkamera und mache viele (professionelle) Aufnahmen damit. Aber nicht in meiner Freizeit.

Käfer.Haus.

Nicht weit von mir steht neben einem kleinen Wäldchen ein Insekten-Hotel. Ich nenne sie immer Käfer-Häuser. Dieses hat mal eine andere Form: Durch den L-förmigen Grundriss ist die Windstabilität erheblich grösser als bei den simplen Varianten.

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Rollei 35S, Kodak Portra 160. Irgendwann im Spätsommer auf einer Rad-Tour durch die norddeutsche Pampa auf dem Weg zum See aufgenommen.

Wenn ich sehe, was heute an Objektiven angeboten wird, wird mir schlecht. Diese Woche hat Sigma ein 1.4/40 mm Objektiv herausgebracht. Ein riesiger Glasklotz, in den meine kleine Rollei inclusive Objektiv garantiert 2x hinein passt. OK, es ist lichtstärker, aber wer will das Gewicht permanent mit sich schleppen? Abgesehen davon ist es noch kein Garant dafür, dass ‘man’ damit bessere Geschichten erzählen kann…

Wer jetzt glaubt, ich sei ein Insektenfreund, den muss ich enttäuschen. Bin ich nicht. So lange sie mich in Ruhe lassen, ist alles in Butter, aber wenn sie mir zu nahe kommen oder meine Wohnung besiedeln, ist ganz schnell Schluss mit Lustig: Patsch!

Alster.Arkaden.

Vor 14 Tagen in Hamburg, später Nachmittag eines Bilderbuchtages, als wir vom Jungfernstieg zu den Alsterarkaden gingen:

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Rollei 35S und einem Kodak Portra 160, Pano aus 2 Aufnahmen (aus der Hand) zusammengesetzt. OK, ich hätte die Kamera vertikal halten und mehr Aufnahmen machen können, um den Rathausturm vollständig abzulichten. Aber ich war ganz bewusst ‘nur’ Tourist an dem Tag und habe mich an der Leichtigkeit des Seins in der Stadt voller Leben gefreut. Das war übrigens auch so ein Moment mit ‘Zauberlicht’…

Zwischen.Zone.

Häh? Doch, steht da auf dem Schild. Ist Bürokraten-Deutsch. Niemand weiss, was genau das ist. Eigentlich soll es ein Nationalpark sein, aber er darf von 01. April bis zum 31. Juli nur auf den markierten Wegen betreten werden. Also was nun: Nationalpark oder nicht?

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Natürlich darf ein Zaun (bürokratisches Verschandelungs-Element) bis zum Horizont nicht fehlen.

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Ohne Verbotsschilder und Zäune wäre das Leben legerer, aber dann wäre es nicht Deutschland.

Sprachlich liegen die deutschen Bürokraten immer noch daneben, das stammt aus der Vorkriegszeit, die Gene sind drin. Als ich in den USA war, wurde ich immer wieder angesprochen, warum in Deutschland alles ‘VERBOTEN’ ist. Überall würden solche Schilder stehen. Ich habe dann geantwortet, dass das die Reste von Hitler sind… Die Amerikaner (und viele andere Völker) sind da netter im Umgang miteinander: ‘Please do not walk on the lawn’, ‘No trespassing’, etc. Also immer mit einer Bitte, nie im Blockwart-Befehlston. Das Witzige daran: Es funktioniert dort besser als in diesem Land. Achten Sie mal drauf: Wenn Sie ein Schild sehen mit dem Befehl ‘Parken verboten’, stehen dort garantiert diverse Autos, weil die Bürokratie ignoriert wird. 

Wie viel anders würde unsere Landschaft ohne Schilder aussehen:

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Blick vom Wremer Deichvorland (ich stand mitten im Nationalpark!) Richtung Norden. Der kleine, weisse Nupsi am Horizont ist ein Leuchtturm – ich weiss nur nicht, welcher der vielen in der Wesermündung, denn normalerweise sind die Leuchttürme rot/weiss oder rot, aber nicht komplett weiss. Es sei denn, der Leuchtturm ‘Alte Weser’ hat einen neuen Anstrich erhalten.

Ketten.Rasseln.

Zum Erntedankfest und Herbstmarkt wird am Ortsrand jedes Jahr eine kleine Kirmes aufgebaut. Das zeitlose Kettenkarussell gehört unbedingt dazu und ist ein Highlight für die Kleinen:

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Rollei 35S, Kodak Portra 160

Letztes Jahr hatte ich auch schon Aufnahmen gemacht, unter anderem von ‘Ankes Mandeln’. Sie wollte unbedingt ein Foto von ihrem Wagen haben. Nachdem ich eine kleine Version per e-mail gesendet hatte, war Sendepause. Nach einem halben Jahr bekam ich eine e-mail mit der Bitte, das Foto nochmal zu senden, weil das erste ‘irgendwie verloren gegangen ist’.

Da habe ich eine kleinere Version gesendet, mit Copyright-Zeichen drin. Seitdem habe ich nichts mehr von den Betreibern gehört. 

Leute, wenn Ihr denkt, Ihr könnt mich laschen und Fotos für lau bekommen, dann müsst Ihr erstmal 40 Jahre lang morgens vor 5:00 aufstehen, sonst wird das nichts. 

Letztes Jahr noch digital, dieses Jahr schon mit Film – das ist ein grosser Fortschritt für mich!

Fang.Frisch.

Ein Krabbenkutter läuft bei Flut aus dem Wremer Hafen aus, um auf grossen Fang zu gehen.

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Nein, nicht mit einer Drohne aufgenommen, sondern mit der Rollei 35S und Kodak Portra 160. Ich bin auch nicht mit Schallgeschwindigkeit an der Wasserkante entlang gelaufen – es sind zwei unterschiedliche Kutter, die auf Fangreise gehen. Also bitte keine Verschwörungstheorien entwickeln… Die ersten beiden Fotos habe ich vom Leuchtturm ‘Kleiner Preusse’ aufgenommen. Im unteren Bild ist im Hintergrund das Container Terminal von Bremerhaven und links – der schwarz-weisse Nupsi – der Leuchtturm von Wremen zu sehen. 

Die Kisten für den Fang stehen schon im Hafen bereit:

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Der kleine Kutter muss ganz früh von der Fangreise zurückgekommen sein – die Granat waren knackfrisch:

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Härte.Fall.

Die meisten Digitalkameras haben einen Tonwertumfang von rund 10 EV, ein paar wenige von 12 EV. Die Modelle zum Preis einer Eigentumswohnung bis zu 14 EV.

Auf dem Papier.

Diafilm hat einen Tonwertumfang von maximal rund 7 bis 8 EV.

Negativfilm – besser gesagt Farbnegativfilm – hat von Haus aus einen Tonwertumfang von 14 bis 15 EV, s/w bis 19,5 EV wenn er entsprechend entwickelt wird.

In der Realität.

Bei einem Farbnegativfilm die Lichter ‘wegfliegen’ zu lassen, erfordert schon erheblichen Aufwand. Bei Digital und Diafilm ist das einfach: Ein EV mehr, und in den Lichtern ist keine Zeichnung mehr zu sehen.

Warum hat Farbnegativ diese Eigenschaft? Um es kurz und leger auszudrücken: Es erfordert enorm lange Belichtungszeiten, den Film komplett zu schwärzen. Huh? Richtig, die Lichter werden negativ dargestellt, d.h. dunkel, die Schatten dagegen hell.

Drehen Sie einfach die Werte für den Negativfilm in der oberen Grafik (Linear) um:

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Ein Sensor (untere Grafik) hingegen erfasst die grösste Bandbreite in den ersten 3 Stops (=Blenden) in den Lichtern (exponentiell), ein Negativ dagegen von ‘unten’ (linear).

Deshalb soll man Digital immer nach der ETTR-Methode arbeiten. Angeblich. Weil beim Anheben der Schatten sonst Rauschen entsteht, und die Tonwerte trotzdem nicht differenziert genug wiedergegeben werden: Wo keine Breite ist, gehen Informationen verloren. Wenn man jedoch permanent mit der ETTR-Methode belichtet, wird auch eine Dämmerungsaufnahme taghell, und das ist sicher nicht Sinn der Sache. Der ETTR-Methode stehe ich sehr kritisch gegenüber, weil niemand auf dem kleinen Mäusekino der Digitalkameras die kleinen Spitzen der Lichter ganz rechts erkennen kann, was zur Folge hat, dass die Zeichnung in den Lichtern komplett weg ist.

Links eine normale Belichtung, rechts die angeblich ‘bessere’ ETTR. Dass damit die Helligkeitswerte enorm verschoben werden, ist offenbar noch niemandem aufgefallen.

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Ein Negativfilm ist dagegen fast linear (leichte S-Kurve). Kurz: Wenn ich mehr Tonwerte ‘einfangen’ kann, habe ich mehr Details zur Verfügung. Will ich den Tonwertumfang reduzieren, geht das problemlos, indem ich ihn – leger gesprochen – zusammendrücke. Umgekehrt geht es nicht: Habe ich nur 7 EV, kann ich keine 14 daraus machen.

Ich will das mal verdeutlichen: Wenn ich einen Eimer mit 10 Liter rotem Wasser fülle, kann ich den Inhalt problemlos auf 5 Liter reduzieren – die Farbe ändert sich nicht. Habe ich nur noch diese 5 Liter rotes Wasser im Eimer, kann ich das Volumen nicht auf 10 Liter vergrössern, weder durch kochen oder ziehen oder rühren… Beten hilft auch nicht. Wenn ich nur Wasser hinzufüge, wird alles zusammen – genau – schweinchenrosa.

Negativfilm nur gescannt:

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Sättigung +20, Kontrast + 5:

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Sättigung +30, Kontrast +10:

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Die Schatten laufen langsam zu, die Lichter bleiben entgegen den Erwartungen erhalten. Nehmen Sie einfach die letzte Variante und versuchen Sie, daraus die erste zu machen. Wird nicht funktionieren.

Die Histogramme dazu von links nach rechts entsprechen der Bildfolge von oben nach unten:

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Wir wir früher sagten: Von einem harten Negativ (oder Dia) kann man keinen weichen Abzug machen. Und jetzt viel Spass beim Basteln.

[Nachtrag]

So sieht ein normal belichtetes Foto aus:

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Und so ein nach ETTR belichtetes:

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Die Histogramme dazu: links das normale, rechts das ETTR:

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Noch Fragen? Bei riesigen Nebenwirkungen erschlagen Sie Ihren Arzt und Apotheker!

Dieses Video erklärt die Zusammenhänge sehr gut:

Spieler.Ei.

Es gibt keine Zufälle… Irgendeine Macht hat mich auf meinem Weg zurück wieder zu der alten Wassermühle geführt, um nachzusehen, ob es dort auch schon etwas farbig ist.

Ist es.

Erstmal das 20mm montiert, davor dann den Polfilter. Die erste Aufnahme mit einem Hauch Sonne und ohne Filter, die zweite ohne Sonne und mit Filter.

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Die Wasseroberfläche ist durch die Reflexe viel zu hell, irgendwie unnatürlich.

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Beim Weitwinkel hat der Polfilter leider nur eine geringe Wirkung… Zu allem Überfluss fing es noch an, etwas zu regnen, aber eine Aufnahme mit dem 2.5/105 mit Polfilter musste noch sein, als die Sonne nochmal kurz durch die Wolken kam.

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Für die grössere Schärfentiefe hatte ich auf f=16 abgeblendet. Geht gar nicht laut der Foren-Verdummungsmaschinen, denn ab f=8.0 schlägt angeblich die Beugung gnadenlos zu. Überhaupt: Mit so einem alten Objektiv noch Aufnahmen machen gehört verboten.

Mir ist das herzlich egal, und so habe ich noch ein paar Aufnahmen gemacht. Die erste ohne Polfilter. Sieht etwas nach Silberfolie um Schokolade aus. Ein gutes Beispiel für den Satz: ‘Wie Sie sehen, sehen Sie nichts.’

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Die zweite Aufnahme mit Polfilter. Da wird es dann rund.

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Weiter geht es mit den Wasserspielen und Polfilter. Die erste Aufnahme wieder ohne, die zweite mit.

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Komplett auslöschen konnte ich die Reflexe leider nicht, weil das diffuse Licht nicht gerichtet ist.

Zum Schluss noch eine Aufnahme mit dem 300er. Manchmal ist so ein Teleobjektiv recht nützlich, wenn man sich die Füsse nicht nass machen will.

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Interessantes am Rande: Normalerweise ist das Wasser des Baches dunkelbraun – ich nahm an, dass die Ursache die Quelle im Moor sei. Heute war es kristallklar. Als ich das dem Mann erzählte, der das Stau von Ästen befreit hatte, sagte er: Das hat mit dem Moor wenig zu tun. Es liegt daran, dass es so wenig geregnet hat, dann wird das Oberflächenwasser mit Gülle und Dünger nicht in die Flüsse geschwemmt.

Uih, daran kann man sehen, wie viel Gülle normalerweise im wahrsten Sinne des Wortes den Bach runtergeht und nicht nur die Flüsse, sondern auch die Meere belastet.

Fazit des Tages: Ich werde mir mal einen Circular Polfilter für grosse Objektivdurchmesser zulegen. 82 mm sollten reichen, denn die passen auf mein unmögliches 24-105er Objektiv und auf das 300er. Für die Grossformatkamera und den Rest habe ich schon einige Filter und passende Adapter.

Eigentlich sollte ich noch einen Polfilter mit Markierungen (Heliopan) für die kleine Rollei besorgen, aber ich glaube, dass es für 30,5 mm keine Polfilter (mehr) gibt. [Edit] Doch, gibt es noch, und sogar von Heliopan bei FotoImpex.

Das erinnert mich an den netten Spruch von Werner Mitsch:

Was das Fotografieren und die Frauen so teuer macht, ist das passende Zubehör.

(Noch mehr Zitate von dem Aphoristiker Werner Mitsch gibt es hier)

Pol.Filter.

Eine Version mit Polfilter, um Reflexe zu beseitigen. Mit einem Uralt-Objektiv, dem Tamron 35-135 f=3.5-4.5 Adaptall T2 Macro. Liegt immer noch bei mir rum und kommt ab und an zum Einsatz, weil es auch ganz nah ran kommt.

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Die Schärfentiefe ist bei 18 cm Objektdistanz naturgegeben hauchdünn. Dann muss man überlegen, welchen Tod man sterben will: Hauptmotiv scharf oder die rechte Blattspitze. Keine Frage, wenn man eine saubere Bildwirkung erreichen will. Das Objektiv nutze ich nicht mehr, weil es ein sogenanntes Wander-Objektiv ist: Etwas Schräglage, und die Brennweite ändert sich, weil der Objektiv-Tubus des Schiebe-Zooms wandert, d.h. ausfährt.

Dazu kommt, dass der Tubus und somit der eingesetzte Filter sich dreht. Verstelle ich den Polfilter, verändert sich auch die Schärfe. Eine herbe Fummelei, aber ‘früher’ war das so. Angeblich ist das Objektiv absolut unterirdisch, was die Auflösung betrifft. Kann ich nicht behaupten, denn damit habe ich eine Serie Nachtaufnahmen gemacht, die an Schärfe nicht zu übertreffen waren. Optisch ist das Objektiv top, nur eben halt sehr umständlich in der Handhabung.

Bunte.Tupfer.

Kein Herbst-Bouquet, sondern ein Herbst-Bokeh. Mit einem Objektiv, mit dem ‘man’ eigentlich keine Fotos machen kann, das angeblich absolut untauglich für ‘Bokeh’ oder überhaupt für irgendwelche Abbildungsleistungen ist. Wie man sieht, ist das alles nur eine Frage der Physik, d.h. der Abstände und Blendenöffnung. Jedes Objektiv ist dazu in der Lage, aber eben nicht jedes Motiv ist dafür geeignet.

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FOTO © 2018 BY JENS G.R. BENTHIEN

Keine f=1,0 oder f=1,2, sondern f=5,6. ‘Geht gar nicht’ würde jetzt in Foren gebrüllt werden. Aber wie war das noch? Foren sind Verdummungsmaschinen und lassen keinen Raum für gesunden Menschenverstand oder physikalische Gesetze.

Roter.Oktober.

Nein, der rote Oktober hat nichts mit der russischen Oktoberrevolution 1917 oder dem Film ‘Jagd auf roter Oktober’ zu tun. Sondern mit den Herbstfarben direkt vor meiner Tür. Ich glaube, das Objekt meiner Freude ist ein wilder Wein, aber ich bin mir nicht sicher, denn ich habe ihn nicht gepflanzt. Er war schon da, als ich einzog.

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Der Oktober 2018 mit goldenem Licht und intensivem Rot. 

Gäste.Haus.

Heute habe ich ein paar Innenaufnahmen eines Seminarhauses mit angeschlossenem Gästehaus gemacht:

Der kleine Tagungsraum:

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Gästezimmer # 8:

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Gästezimmer # 9:

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Licht balanciert und mit dem Tageslicht draussen abgestimmt, damit man sehen kann, was draussen ist. 3 Blitzköpfe mit unterschiedlichen Lichtformern. Den dreidimensionalen Effekt habe ich mit einem Blitz mit runter geregelter Leistung unter den Betten gezaubert, das gibt dem Bild mehr Leichtigkeit und Transparenz.

Die Perspektive ist ungewöhnlich, weil ich zeigen wollte, wie hell und freundlich die Zimmer durch die tiefen Fenster sind, und natürlich um den Blick ins Grüne darzustellen – ein grosser Vorteil und ein wichtiges Argument für die Auswahl eines Seminarhauses im ländlichen Bereich,  in diesem Fall dem ‘Zürnshof’ in Hassendorf.

Viele Gästezimmer werden von erhöhter Position aufgenommen, mit zugezogenen Vorhängen und ‘abgeschnittenen’ Fenstern oder in der Dämmerung, weil sonst die Kontraste zu gross sind und die Lichter ausfressen, wie z.B. hier , wo die Gardinen überstrahlen und es recht dunkle Schattenbereiche neben den Betten sowie unschöne Reflexe auf den Oberflächen gibt.

Sieht einfach aus, ist es aber nicht. Wer meint, er könne das auch ‘mal eben’ machen, sollte sich dringend über den Dunning-Kruger-Effekt informieren. Bei den meisten Menschen scheitert es bereits an der Tatsache, dass sie kein Licht sehen können. Wenn Sie jetzt denken, dass Sie sehr wohl sehen können, ob es hell oder dunkel ist, sind sie für den Beruf des Fotografen definitiv nicht geeignet.

Übrigens: So sähe es aus, wenn jemand die Aufnahme macht, der behauptet, er/sie würde nur mit ‘natürlichem Licht’ arbeiten, weil es ‘besser’ aussehen würde (das ist für mich eine Bankrott-Erklärung, weil es übersetzt heisst: ‘Ich kann nicht mit Licht umgehen’!):

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Trotz intensiver Bildbearbeitung immer noch überstrahlte Lichter und viel zu viel Grau sowie wenig Struktur in den Oberflächen.

Hoffentlich.Nicht.

Grade eben beim Scrollen durch Welt.de gefunden:

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Himmel hilf und lass Hirn regnen – mein Zuhause soll funktionieren, aber keine smarten Macken haben! Wenn ich an mein Smartphone* denke, denke ich nicht an ‘smart’, sondern nur ‘phone’. Die vielen Macken, die das Ding hat, die vielen Aussetzer, die langsame iNet-Verbindung, der überforderte Prozessor, der einen lange auf irgendetwas warten lässt, die nervige Werbung, die ich nicht abschalten kann, sobald ich eine App oder einen Browser nutze… Stellen Sie sich vor, Sie sitzen auf dem WC, und an der Tür läuft eine ‘smarte Werbung’ für Toilettenpapier ab. Sie schauen zur Seite und stellen fest, dass dort kein Fitzelchen Papier hängt. Nur eine leere Rolle. Sie gehen ins Bett, und die Algorithmen von google & Co. belästigen Sie von der Zimmerdecke aus mit Zwangswerbung für Bettlaken, Bettdecken, Whiskey, Wodka und Partnerbörsen für ‘heisse Nächte’. Dudeln bis Mitternacht, weil irgendein angeblicher ‘Experte’ herausgefunden hat, dass 4 Stunden Schlaf für den Durchschnittsmenschen – also einen wie Sie! – ausreichen. Sicherheit gibt es auch nicht, weil wir in einem Land des Staatsversagens leben. Die Einbrecher erschiessen die Eigentümer und der Film ist zu Ende (kommt immer häufiger vor). Voll im Trend liegt das Abschlachten von Biodeutschen mit langen Messern… Ein Kettenhemd bietet da mehr Schutz als der elektronische Firlefanz 4.0.

All das, was uns als grossartige Zukunft verkauft wird, ist flüchtig. Es sind leere Versprechen, leere Phrasen wie die Worthülsen der heutigen Politiker. Kaum noch etwas ist real.

Da ist mir ein solides, normales und wohnliches Zuhause lieber. Inclusive ‘alter’ Fotos:

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FOTO © 1963 BY WALTER BENTHIEN

Das Foto hat mein Vater vor 54 Jahren auf der Mittelweser aufgenommen. Er fuhr mit einem alten Holzruderboot, an dem ein 3 PS (!) Aussenborder montiert war, neben uns her. In dem kleinen Segel- und Ruderboot (würde heute Multifunktionswassersportfahrzeug oder Denglisch ‘Multiple Water Sports Vehicle’ heissen) sitzen mein Bruder (links im Bug) und ich (rechts auf dem Spiegel am Heck). Eigentlich war das ein Dingi, das mit einem Mast und Segel bestückt war. Nein, es war kein ‘Optimist’, sondern eine ‘Kieler Wanne’. 

Die Kamera war meine Agfa Isoly, der Film ein Adox im Format 4×4 cm. Scan von einem Positiv, das in der Drogerie um die Ecke angefertigt wurde, weil ich das Negativ auf die Schnelle nicht finden konnte. Zwischen der Drogerie und unserer Wohnung verlief damals eine Rinne im Gehweg, weil ich dort Dauerkunde war . Die Kamera war einfach, aber sehr gut: 3 Symbole für die Entfernung (Portrait, Gruppe, Landschaft) und 3 Symbole für die Belichtung (Sonne, eine Wolke, drei Wolken). Beide Einstellungen wurden jeweils mit einem Metallhebelchen und kerniger Rastung eingestellt. Sie werden es nicht glauben, aber alle Bilder, die ich damit gemacht hatte, waren top! Nun ja, es gab ja auch noch kein Internet mit Fotoforen, die einen 9-jährigen versauen konnten.

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Wie werden die heutigen Digitalbilder in 55 Jahren aussehen? Die Chancen sind gross, dass sie unsichtbar geworden sind, weil es keine Lesegeräte für die Datenträger mehr gibt. Der Erdmagnetismus hat den bits dann den Rest gegeben, wie bei den alten VHS-Kassetten (wohl dem, der bei 8mm-Film geblieben war). Das werden mehrere Generationen ohne Gedächtnis und ohne Erinnerung werden…

Every famous photograph was made with a camera less advanced than the one you are using now. — Ted Forbes

* Jedes Smartphone ist strunzdumm, denn es kann nur das machen, was der Nutzer ihm vorgibt. Die meiste Zeit saugt es lediglich den Akku leer, um Daten an google & Co. zu senden, sonst nichts. An der Dummheit ändern auch die KI (‘Künstliche Intelligenz’ – was genau ist das?) oder 3 Kameras nichts. Diese Behauptung können Sie ganz einfach testen: Fragen Sie mal Ihr Smartphone, wo Sie den Versicherungsvertrag für Ihr Fahrzeug vor 3 Jahren hingelegt haben, den Sie nicht wiederfinden können. Die Antwort wird ein Schweigen bis zum Ausschalten sein. Oder legen Sie eine Hasel- oder Erdnuss auf die Terrasse – nach kurzer Zeit wird ein Eichhörnchen sie mitgenommen oder gefuttert haben. Ihr Dumm-Phone hingegen ist nicht einmal in der Lage, einen neuen Akku zu finden, geschweige denn selbst einzulegen. Jede kleine Blaumeise ist intelligenter, cleverer und smarter als dieser gehypte, technische Nonsense! Denken Sie immer daran:

Jeder dumme Junge kann einen Käfer zertreten. Aber alle Professoren der Welt können keinen neuen herstellen. 

Ich möchte meine heile Welt ohne ‘smartes Phone und Zuhause’ behalten, bitte!

Park.Platz.

Mit einem Park hat die Sache herzlich wenig zu tun, es sei denn, man würde sagen ‘Blechpark’, weil da viel Blech herumsteht.

‘Shoppen’ ist jetzt vollständig in der Gesellschaft angekommen und eine anerkannte Freizeitaktivität. Soll heissen: Die Menschen fühlen sich ‘aktiv’, wenn sie Geld für Dinge ausgeben, die sie nicht wirklich brauchen. Da fällt mir der treffende Spruch von Walter Slezak ein:

Viele Menschen geben Geld aus, das sie nicht haben, für den Kauf von Dingen, die sie nicht brauchen, um damit Leuten zu imponieren, die sie nicht mögen.

Somit ist klar, was das hier ist: Der Parkplatz eines Shopping Centers in Norddeutschland. Angeblich des grössten im Norden. Früher war der Slogan: ‘Die Einkaufsstadt, die alles hat.’ Den Slogan hat man offenbar fallen lassen, weil man inzwischen mehr als ‘alles’ hat. So zum Beispiel überflüssige Flicker-Flacker-Displays gigantischen Ausmasses an den Fassaden, weil ‘shoppen’ allein nicht mehr reicht – von Anfang bis Ende des Besuchs sollen die Kunden noch mehr berieselt und zum Geld ausgeben animiert werden:

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FOTO © 2018 BY JENS G.R. BENTHIEN

Als Zweitnutzen wird ‘Öffentliches Begaffen’, d.h. ‘public viewing’, genannt. Was ‘public viewing’ in Wirklichkeit auf Deutsch heisst, wollen Sie jetzt nicht wirklich wissen: Leichenschau. Nun denn, viel Spass dabei! Laden Sie doch einfach mal Ihre Angehörigen, Freunde und Nachbarn zur nächsten öffentlichen Leichenschau ein…

Rollei 35S, Portra 160, Digitalisierung Nikon Coolscan LS 9000 @ 4.000 ppi @16/48 bit.

 

Einsatz.Bereit.

Der kommt seltener zum Einsatz um Feuer zu löschen, aber häufiger bei Verkehrsunfällen, die seit der Errichtung der Baustelle auf der A1 zunehmen. Vor und nach dem Einsatz steht er direkt neben dem Rathaus in der Garage.

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FOTO © 2018 BY JENS G.R. BENTHIEN

Kodak Gold 200, Minox 35 GT, Nikon Coolscan LS 9000 @ 4.000 ppi @ 16/48 bit Farbtiefe, Ausschnitt aus einem Hochformat

Ammen.Märchen.

Wie oft habe ich gehört, dass ‘man’ ein Negativ nicht so gross vergrössern kann wie ein digitales Bild – ich weiss es nicht mehr, weil ich nicht mitgezählt habe. Und wie oft habe ich darüber gelesen, dass Negativfilm nicht für grosse Vergrösserungen geeignet sei…

Glauben Sie das auch? Dann müssen Sie jetzt Sie ganz stark und tapfer sein. Zum Sommeranfang 2018 hatte ich zwei fast identische Aufnahmen gemacht, einmal mit der grossen Digi, einmal mit der Rollei 35S und einem Kodak Portra 160.

Das Motiv:

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Die beiden Ausschnitte mit 800% Ansicht:

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Den Scan vom Negativ musste ich in der Ansicht etwas mehr vergrössern (886% statt 800%), damit die Abbildungen identisch sind (Das Format des Scans ist 5596 x 3730 pixel, das Digi ist 5953 x 3968 pixel).

Der Scan vom Negativ ist weicher und hat mehr Zwischentöne, das Digi ist recht hart. Der Scan hat in diesem Ausschnitt nur 3 Pixel ohne Zeichnung, das Digi 18. Die dunklen Bereiche des Digi haben kaum noch Details.

Die blaue Fläche des Digi ist in grossen Bereichen unnatürlich homogen – so kommt das im Chaos der Natur nicht vor. Die Farben des Digi sind knackiger, in den Rädern sieht man noch sehr deutlich die schwarzen Ringe, allerdings ohne Details. Dass da noch was drin ist, sieht man auf dem Scan.

Ganz deutlich sind die Treppchen des Digi-Bildes, obwohl der Scan um 10% mehr vergrössert wurde.

Der Tonwertumfang des Digi-Bildes ist erheblich kleiner als der des Negativfilms, obwohl ich versuche, das Maximum herauszuholen, indem ich die Konvertierung ohne Änderungen durchführe.

Nun rechnen wir mal. 5.596 pixel x 8,86 = 49.580 pixel ./. 300 pixel per inch = 165,27 inch ./. 2,54 = 419,78 cm. Die gleiche Berechnung für die Höhe ergibt 279,8 cm. Das heisst, dass das, was Sie hier aus einem extrem kleinen Betrachtungsabstand (ca. 30 cm) auf dem Monitor sehen, einem Ausschnitt aus einem mit 300 dpi gedruckten Bild im Format von rund 4,20 x 2,80 Meter entspricht. So nah würden Sie nie an ein Bild der Grösse herangehen.

Machen Sie mal einen Test: Platzieren Sie das Vergleichsbild in der Mitte des Monitors und gehen Sie 5 bis 6 Meter nach hinten (Das ist der optimale Betrachtungsabstand für dieses Format). Was sehen Sie jetzt? Das Negativ ist zu weich? Dann schärfen Sie es nach und erhöhen den Kontrast. So zum Beispiel:

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Ist das der Punkt, warum viele Menschen sagen, es würde so sehr nach Plastik aussehen? Klar, das Spielzeugauto ist aus Plastik, aber irgendwie zu glatt.

Ganz schön gross, oder? Wahrscheinlich haben Sie noch nie so gross drucken lassen (ich auch nicht). Deshalb stellen Sie sich mal vor, sie würden das Bild nur in einem Format von 60 x 40 cm oder 90 x 60 cm mit einem Belichter wie dem LightJet oder Lambda drucken lassen – was würden Sie da aus einem Betrachtungsabstand von sagen wir mal 80 cm respektive 100 cm, dem jeweils optimalen Betrachtungsabstand, sehen?

Wie war das doch gleich nochmal: Kleinbild oder 35 mm Negative kann man nicht gross drucken lassen wie ein Digitalbild, weil das Korn viel zu grob ist? Wer auch immer das Gerücht in die Welt gesetzt hat, hatte nicht nur einen Korn zu viel intus, sondern täglich eine Flasche.

Was zu beweisen war. Holen Sie ihre Schätzchen aus dem Schrank, legen einen Film ein und freuen sich über das Leben. Es lohnt sich.

Farben.Spiel.

Ich hatte in dem Artikel Rück.Schritt. über den Standard von Diafilm geschrieben. Gleiches gilt natürlich auch für Negativfilme. Es wird zwar immer wieder behauptet, dass ein Negativfilm nicht zu kalibrieren oder profilieren sei, aber das ist Unsinn.

Die orange Maskierung ist kein Problem, denn die kann man bei der Digitalisierung herausrechnen (lassen). Jeder vernünftige Filmscanner mit entsprechender Software sollte dazu in der Lage sein.

Somit habe ich auch mit einem Portra 160, Fuji Pro 160 NS, Kodak Gold 200, Portra 400 oder Fuji Pro 400H ebenfalls einen Standard, den ich in jedem zertifizierten Fach-Labor der Welt im C41-Prozess entwickeln lassen kann. Die Billig-Entwicklungen über die Drogeriemärkte sind in dem Fall natürlich ein absolutes no-go, ist klar, oder?

Es gibt für Unix-Systeme das Argyll Color Management System, mit dem man einen Film profilieren kann, für den Mac gibt es den roughProfiler. Eine Alternative ist VueScan, das es erlaubt, die Maskenfarbe von einem Stück unbelichteten Film auszulesen und diesen Wert als Korrekturfaktor verwendet. Bei Kleinbild nimmt man einfach ein unbelichtetes Bild vom Filmanfang oder lässt am Ende eins frei. Bei grösseren Formaten reicht es, ein 8×8 mm ‘Patch’ aus dem Steg zwischen zwei Bildern zu nehmen.

Für die Maskierung werden dann beispielsweise folgende Korrekturwerte ermittelt:

  • Film Base Color Red: 0.959
  • Film Base Color Green: 0.896
  • Film Base Color Blue: 0.692

Die Komplementärfarbe zu Orange ist Blau, somit ist klar, dass der Blauwert entsprechend korrigiert wird.

Dass ein Negativfilm trotzdem eine andere Charakteristik hat, liegt auf der Hand, denn der Tonwertumfang ist ungleich grösser als der eines Diafilms (14 bis 16 EV zu 5-7 EV). Und ja, selbst wenn alles richtig gemacht wurde, kann man noch einen Weissabgleich in der Bildbearbeitung machen, nur: Jedes Programm macht das anders, d.h. es gibt bereits an dieser Stelle keinen Standard mehr, wenn man meint, mit der EBV alles verbessern zu können. Ein Sonnenuntergang mit Weissabgleich auf einen Weisspunkt sieht daher recht bescheiden aus. Gleiches bei Modeaufnahmen ist schon wieder eine ganz andere Geschichte, jedoch sollte man sich hier auf den Wert verlassen, den das Scan-Programm liefert, um vergleichbare Resultate zu erhalten. Das Scan-Programm ist näher dran am Original (=Negativ) als die ‘beste’ Bildbearbeitung es jemals sein kann.

Kompliziert? Nein, nicht wenn man beherzigt, nicht an allen Reglern drehen zu wollen (müssen).

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Eisenbahner-Häuschen am Bahnhof Ottersberg im Frühjahr 2018 am frühen Vormittag. Kodak Gold 200, Minox 35 GT, C41-Entwicklung, Digitalisierung mit Nikon LS 9000 @ 4.000 ppi @16/48 bit Farbtiefe.

Das obere Bild wurde ohne, das mittlere mit der Korrektur der Maskierung digitalisiert. Ganz deutlich zu sehen ist der differenziertere Schattenbereich (links im unteren Bereich der Bäume, rechts auf dem Balkon des Hauses im Hintergrund und in den Fensterflächen). Das obere Bild ist für Displays ok, würde aber beim Druck schon zu dunkel werden, das mittlere ist im Druck perfekt. Auch wenn man es nicht sieht: Es hat einen 100%igen Schwarzpunkt und einen Weisspunkt von 99.998%. 

Da Negativfilm so gut wie nicht überbelichtet werden kann (ok, von mutwilligen Ausnahmen abgesehen) und Reserven von bis zu +3 EV im Normwert aufweist, wird es keine ‘ausgefressenen’ Lichter geben. Man kann also mit dem Korrekturwert einen kompletten Film (oder eine ganze Charge aus dem gleichen Labor vom gleichen Tag) digitalisieren, ohne den Korrekturwert ändern oder neue Weiss- & Schwarzpunkte setzen zu müssen.

Das mittlere und untere Bild wurde ausserdem mit einer speziellen Glasbühne plan gehalten, so dass es keine Filmwölbung und somit Unschärfebereiche gibt – das ist auch der Grund für den etwas anderen Bildausschnitt. Es ist näher an der Realität mit dem zarten Frühlingsgrün und der Farbe des Gebäudes in dem diffusen Morgenlicht dran als die Simpel-Version. Im Prinzip also natürliche Farben ohne digitalen und trendigen Geschmacksverstärker 🙂

Bei dem unteren Bild habe ich noch leicht den Kontrast angehoben, was bei dem grossen Tonwertumfang kein Problem darstellt und es auf nicht kalibrierten Displays besser aussehen lässt.

Fort.Schritt.

Ein Leser meines blogs hat auf den Artikel Rück.Schritt. einen interessanten Vorschlag gemacht (Achtung Foto-Industrie, gut aufgepasst!):

Cool wären doch Sensoren für Kameras (gewesen), welche auf Wunsch genormte RAW Daten liefern können. Dazu einen nach Anwendungsvorlieben wählbaren RAW Konverter, der den dazugehörigen genormten Entwicklungsprozess ebenfalls unterstützt (z.B. eine Art E6-Profil). Damit wäre man wirklich frei zwischen Herstellern und einzelnen Kameramodellen, könnte frei mischen und erhält zueinander schlüssige Fotos.

Du hättest die Freiheit, digital beliebig alles zu verbiegen, oder eben auch den von Dir genannten Vorteil zu nutzen: Du und ich stellen unsere Knipsen im Menü auf „Fujifilm Pro 160 E6“ oder „Kodak Gold E6“, können dabei flexibel die ISO variieren (Vorteil Digital), spontan den Film wechseln (Vorteil Digital), haben einen „Endlosfilm“ eingelegt (Vorteil Digital), können die Belichtung sofort kontrollieren (Vorteil Digital), schieben unsere Bilder beide durch einen Konverter unserer Wahl und entwickeln nach E6-Profil und haben eine konsistente Serie erzeugt und können sofort die Bilder mischen und gemeinsam verwenden. Und das ohne Zeitverzug (Vorteil Digital).

Wenn dann noch das Digitallabor das digitale Farbprofil E6 ebenfalls auswertet, dann könnte man auch die ganze Farbkalibrierung in den Wind schießen. Die Hersteller dürfen dabei ja weiterhin ihre eigenen Süppchen kochen, aber so hätte man eine echte Symbiose aus beiden Welten. Anstatt dessen kreieren irgendwelche Start-Ups seltsame Digitalrückteile für alte analoge Kameras (die wahrscheinlich auch noch gekauft werden) – Damit hat dann der Hipster vermutlich die Nachteile aus beiden Welten endlich vereint.

Anmerkung des blog Betreibers:

Danke für das feedback, das ist ein wirklich neuer, plausibler und sehr guter Weg!

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FOTO © 2018 BY JENS G.R. BENTHIEN

Front eines Fendt Traktors. Fuji GW690 III (6×9 Kamera), Fuji Provia 100F (Diafilm), Digitalisierung mit Nikon LS 9000 @ 4.000 ppi @16/48 bit Farbtiefe. Ausschnitt aus einem Hochformat-Foto, Originalgrösse 8.600 x 12.900 Pixel.