Herbst.Markt.

Bei uns im Ort war von Freitag Abend bis heute Abend Herbstmarkt. Ich wollte noch die Count-Down-Uhr ablichten, aber die ist letzte Nacht von den Besoffenen Jugendlichen (ich vermeide aus politischer Korrektheit das Wort ‚Flüchtlinge‘) umgeworfen worden. Ich sag ja: Die Gesellschaft läuft so sehr aus dem Ruder, dass jetzt schon harmlose Dinge zerstört werden. Aber wenn dämliche und dumm-dreiste Wahlplakate übersprüht werden, schreitet die Polizei sofort ein. Es ist erbärmlich geworden!

Gestern war der Umzug, mit dabei die Monster-Trekker der jungen Bauern-Tölpel mit Überbreite und Anhängern, auf denen gigantische Lautsprecher standen, die den Boden in Schwingungen versetzten. Tradition? Ach was, brauchen wir nicht mehr. Lärm ist doch auch nicht so schlimm, nicht wahr die Herren Richter und Staatsanwälte, wir könne die Ohren ja schliessen. Finden Sie den Fehler!

Letztes Jahr war es wenigstens noch warm und die Sonne schien, dieses Jahr war grauer Himmel und es regnete (muss man das in Norddeutschland eigentlich noch erwähnen?)

Neben zahlreichen Migranten (oder heisst es jetzt offiziell ‚Geschützten‘?) waren ein paar Menschen dort, die schon länger hier leben (nennen sich Deutsche, aber nur hinter vorgehaltener Hand, damit sie nicht gleich als Nazis verschrien werden!). Das Bild der Stände hat sich ebenfalls geändert. Stark Pigmentierte mit den üblich schlimmen Gürtel, Taschen und Klamotten-Ständen. Was bitteschön, hat das mit einem Herbstmarkt oder Erntedank zu tun? Eben, Sie haben den Fehler gefunden!

Im Zelt der Gewerbeschau war es – ganz ehrlich – absolut grausam. Viel Tamtam, infantil ausgeführt, man tut wichtig, hofft gesehen zu werden, hängt an prozentigen Inhalten (ein Sektglas auf dem ‚Gesprächstisch‘ soll offenbar Kunden anlocken). Nein, liebe Leute, so wird das nichts. Macht mal ein vernünftiges Konzept abseits des Rummelplatzes!

Ein paar Fotos mit Regen gibt es trotzdem. Das Kettenkarussell, der absolute Klassiker, immer noch  beliebt bei allen Altersgruppen.

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Der Polyp, zwar falsch geschrieben, aber das soll wohl Kreativität zeigen.

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Merkt eigentlich niemand, dass der Krempel nur noch hässlich ist? Im Original sind die Tintenfische erheblich hübscher…

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Wie schön dagegen das kleine Kinder-Riesenrad mit glücklichen Kindern. In ein paar Jahren werden auch die vor den Bass-Boom-Boxen bei den Autoscootern ‚abhängen‘.

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Und noch ein Klassiker: Der Wagen mit den gebrannten Mandeln, der den ganzen Markt mit einem zauberhaften Duft versorgt. (Nein, ich habe keine gebrannten Mandeln bei Anke gekauft, weil meine Zähne nicht mehr so gut sind wie vor 20 Jahren…)

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Schade, dass das Wetter so bescheiden war.

Heute war Bundestagswahl. Hoffentlich haben Sie die beste Alternative zum derzeitigen Polit-Kasperle-Theater gewählt, damit die Grenzen geschlossen werden und dies wieder unser Land wird.

Update: Die AFD zieht mit 13,2% der Stimmen in den Bundestag ein.

 

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Herbst.Nebel.

Was heisst hier Herbst? Es ist noch Spätsommer, aber in diesem Jahr fing der Herbst gefühlt bereits im Juli an…

Die Nebelbänke werden immer dicker, die Sonne geht immer später auf – die Änderungen sind so rapide, dass man bereits nach 3 Tagen einen Unterschied wahrnimmt.

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Die besten Fliegenfänger haben bereits grosse Wagenräder als Netze gewoben und sich dick und fett gefressen.

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Es ist immer wieder faszinierend, wie sie es schaffen, die Netze in einer Ebene zu spinnen, egal, wo die Aufhängungen sind. Und das alles ohne Algorithmen oder Industrie 4.0!

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Singen.Löhne.

Am Samstag war es soweit – ein Teil unserer Singing Group ist nach Löhne gefahren, um Rüdiger zu helfen, dort eine Sacred Harp Gruppe auf die Beine zu stellen, damit er Donnerstags nicht mehr 2 Stunden nach Bremen und anschliessend wieder zurück fahren muss (das ist jetzt natürlich etwas übertrieben…).

Gegen 8:30 haben wir angefangen, die Brötchen für die Wegzehrung zuzubereiten, Getränke, Sacred Harp Bücher, Pullover und Jacken einzupacken. Um kurz nach 8 ging es los zu Harald und Ulrike, die uns angeboten hatten, uns mitzunehmen. Jasmina war schon dort. Nach einer kurzen Pause und einer kurzen Umpack-Aktion ging es los – das Quintett wurde von Harald entspannt und leger in Richtung Löhne gelenkt.

Wir hatten wahnsinnig viel Spass während der Fahrt. Von ‚Popofummeln‘ bis ‚Kurvenkuscheln‘ in den norddeutschen ‚Serpentinen‘ im Raum Varrel (nicht das oben Richtung Nordsee, sonder das südliche mit zwei ‚R‘ !), vielen Rechtskurven (wenn man lange genug rechts im Kreis fährt, kann man auch links abbiegen, oder wenn man 3 Mal rechts abbiegt hat man sich einmal links abbiegen erspart) und vielen Tränen vom Lachen in den Augen ging es ohne Pause (‚Oh man, jetzt ein Brötchen‘ wurde ignoriert, ist ja auch total überbewertet) nach Löhne. Eine Bilderbuchstrecke durch eine Gegend, die ich noch nicht kannte. Dazu allerbestes Wetter – der perfekte Start für einen perfekten Tag!

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Ja, doch, ich habe es dann doch bis zum Gemeindezentrum der Martin-Luther-Gemeinde in Löhne ohne Brötchen ausgehalten… Dort angekommen, trafen wir auf den zweiten Teil der Bremer Crew mit Eva, Inga und Ekkehard.

Das Gemeindezentrum ist wirklich eindrucksvoll, der Empfang war sehr herzlich. Nach einer kurzen Pause (endlich konnte ich mein Brötchen atomisieren) und Orientierung in dem lichtdurchfluteten Gemeindesaal fingen wir an zu singen.

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Zu meiner Überraschung funktionierte das sehr gut, denn das waren alles erfahrene Gospel-Sänger, die Noten lesen und singen konnten (im Gegensatz zu mir, für den Noten immer noch wie verstreute Kringel auf Papier aussehen).

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Kurz und gut, Harald machte dann einen kleinen Workshop über die Besonderheiten von Sacred Harp, die Shapes (sehen aus wie Noten), den Hintergrund von Sacred Harp, Dur, Moll, Keyen, Leaden, etc. Für mich besonders gut: Das Singen der verschiedenen Stimmen, als da wären Bass, Tenor, Alt und Treble (Sopran)! Als Bass ist es gar nicht so einfach, den Treble zu singen – das war mir effektiv zu hoch, weil ich dann so gut wie eine schlecht geölte Tür im Wind klinge <seufz>.

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Unsere Gastgeber hatten alles perfekt organisiert, jeder hatte etwas zu Essen vorbereitet. Es war alles sehr reichhaltig, sogar Rote Grütze mit Sahne und Kuchen gab es als Dessert.

Nach der Mittagspause und vielen Gesprächen las Christian als gebürtiger Ostwestfale eine interessante Geschichte aus der Region vor, und anschliessend machten wir weiter. Womit? Singen natürlich!

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Das Singen war etwas entspannter als bei uns in der ‚Capella della Musica‘ und ging nicht so sehr auf die Stimmbänder. Warum auch immer… Von der Akustik her etwas anders als in der Capella, aber stimmgewaltig war es trotzdem. Nun ja, wenn Sänger dabei sind, die singen können, ist das kein Wunder.

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Gegen 16:00 haben wir die Tische wieder umgeräumt und noch ein wenig im Garten gesessen, bis uns die Gartenmaschinen-Vorführungen eines Nachbarn neben dem Gemeindezentrum auf den Nerv ging (Mein Gott, der Mann hatte nicht nur einen grossen, zu gut sortierten Maschinenpark, nein, er hatte auch die lautesten Geräte aus der ganzen Republik aufgetrieben!).

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Also packen und Richtung Balkangrill zum Brunnen, wo Rüdiger uns für 17:30 einen Raum reserviert hatte. Aber das mit dem Raum wurde nichts, weil die einen Sommergarten in idyllischer Ruhe hatten.

Dort haben wir nicht nur sehr gut gegessen, sondern auch noch gesungen. Erst ganz leise, was nicht wirklich gut klang, und dann mit 90% Leistung, was erheblich besser klang.

Ein wunderschöner und netter Ausklang eines tollen Tages! Ganz lieben Dank an unsere Gastgeber in Löhne!

Nach Sonnenuntergang ist unser Quintett wieder mit vollem Programm (siehe oben) in den nautischen Sonnenuntergang durch die heile Welt des ländlichen Raumes Richtung Bremen gefahren.

Danke an Ulrike, Harald und Jasmina für eine der unterhaltsamsten und humorvollsten Fahrten der letzten Jahre!

P.S.: In 14 Tagen wird uns eine Abordnung der Löhner Gruppe in der ‚Capella della Musica‘ in Bremen besuchen. Meine Bitte an die ‚Singer‘ der Bremer Gruppe: Es wäre toll, wenn Ihr alle kommen würdet, um einen stimmgewaltigen Abend zu gestalten! Schaufelt Euch den Termin frei – es lohnt sich. Vielleicht hören wir dann auch ein Gospel-Stück von unseren Gästen?

Für die Technik-Freaks: Die Fotos habe ich mit einer ganz simplen Knips gemacht, weil ich mich nicht mit der grossen Tasche abschleppen wollte… und jetzt sage bitte niemand, dass ich die auch mit einem Smart Phone hätte machen können. Solange ich smarter bin als ein Phone, gibt es das bei mir nicht 😉

Wer mehr über Sacred Harp wissen will, wird hier glücklich.

Sun.Rise.

Gestern Nacht hatte ich gesehen, dass Nebel aufsteigen. Ergo würde die Nacht kalt und klar werden. Heute Morgen habe ich gesehen, dass der Himmel fast wolkenlos ist und bin dann gegen 6:00 los zum Standort, den ich schon lange im Blick hatte. Es hat sich gelohnt.

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Die Sonne steht noch unter dem Horizont, das Licht erreicht nur die Wolken, der leichte Nebel hängt noch über dem Boden.

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6 Minuten später: Die Sonne kommt grade über den Horizont.

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Die Farben bekommen Leben – man muss sehr schnell sein, weil sich der vertikale Winkel sehr schnell ändert.

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Statt einer Totalen mal näher ran – auch spannend.

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Ich war heute Morgen mit 2 Kameras unterwegs. Mal schauen, wie die 2 (!) Aufnahmen mit der anderen geworden sind. Für mehr Aufnahmen hatte ich leider keine Zeit… Diese Aufnahmen wurden ohne Stativ gemacht, weil die zweite Kamera auf dem Stativ montiert war und ich immer darum herum laufen musste.

Oben.Unten.

Vorhin habe ich mir eine Location angesehen. 9. Etage in der Bremer City, Dachgarten, voll vergittert, aber mit Ausschnitten, wo eine Kamera durch passt. Nichts Atemberaubendes, vor allem nicht bei dem üblichen, grauen Wetter.

Einmal am Gebäude nach unten, Kamera durch das Loch im Gitter und dann im Blindflug:

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Die Flächenverschwendung der Strassenbahngleise wird von oben klar:

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Da ich meinen GND-Filter dabei hatte, habe ich ihn gleich eingesetzt.

Ohne GND ist der Himmel zu hell und überstrahlt die Details in der Distanz:

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Mit GND gibt es Struktur:

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Der Himmel wurde immer dunkler, aber ich wollte ein paar Layout-Aufnahmen haben:

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Ein Pano über den nordwestlichen Stadtbezirk war auch noch drin:

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Alle Aufnahmen ohne Stativ…

Sollte demnächst mal wieder blauer Himmel sein, kommt eine Super-WW-Kamera zum Einsatz. Es wird spannend.

Friedens.Buddha.

Vergangenes Wochenende wurde der erste und einzige Friedens-Buddha in Europa geweiht. Er steht zur Zeit noch im japanischen Garten in Bremen, bekommt aber bald ein eigenes Gebäude.

Die Zeremonie war ergreifend und sehr interessant. Aus Achtsamkeit und Respekt gegenüber den tibetischen Mönchen habe ich dabei keine Fotos gemacht, sondern bin erst am Dienstag hingegangen.

http://www.botanika-bremen.de/de/spenden/friedensbuddha.html

http://tinyurl.com/ybo6ztnw

http://www.friedens-buddha.de/DE/friedensbuddha.html

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Anschliessend habe ich noch einen Abstecher in den botanischen Garten gemacht

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Lange.Anna.

Seit 14 Tagen war die Tour geplant, alles, was wir wollten, war gutes Wetter. In Bremerhaven schien noch manchmal die Sonne bei einer steifen Brise. In der Wesermündung wurde es dann rauer – sehr rau. Dazu Regen und starker Wind, die Wellen wurden höher, und die ‚Fair Lady‚ stampfte durch die Wellenberge und – täler. Da der Rumpf ähnlich dem der Seenotrettungskreuzer geformt ist, brauchten wir uns keine Sorgen zu machen – das Schiff hatte schon viel schlimmere Stürme und Wellen überstanden.

Bremerhaven, ganz früh am Morgen

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Die Seebäderkaje – wir hatten noch einen Platz auf dem Oberdeck bekommen

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Leuchtturm Robbennordsteert – die Schlechtwetterfront zieht auf

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Helgoland empfängt uns mit Sonne und Schönwetterwolken

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Das übliche ‚Ausbooten‘ mit den Börtebooten

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Übersicht über Helgoland

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Auf dem Weg zur langen Anna

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Oberland liegt nicht ganz oben, die Insel hat noch höhere Punkte…

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Die Nistplätze der Lummen in den Felsen – ein beissender Guano-Geruch liegt in der Luft

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Ganz am anderen Ende: die Lange Anna

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Eine Lumme beim Start – sie springen einfach los in die Tiefe

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Die Lange Anna bei bestem Wetter

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Dick eingepackt gegen den starken Wind auf der Insel

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Blick von der Langen Anna zur Mole auf der anderen Seite der Insel

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Panorama über das Oberland bis zur Helgoländer Düne

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Zahlreiche Neubauten im Hafen, die beim letzten Besuch vor über 20 Jahren noch nicht dort waren

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Die Düne mit dem Leuchtturm

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Die Schiffe ‚Fair Lady‚ (vorn) und ‚Funny Girl‘ (hinten) auf Reede vor Helgoland

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Blick über das Unterland zur Düne

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Leuchtturm ‚Alte Weser‘ in der Wesermündung

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Windpark neben dem Leuchtturm ‚Alte Weser‘

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Es war eine traumhafte Tour mit dem krönenden Abschluss in Bremerhavens bestem -Fischlokal, dem Fischrestaurant Am Theaterplatz

Einzig die ‚Selfie-Manie‘ einer grossen Studenten-Gruppe trübte die Hinfahrt. Die Typen waren rücksichtslos und fummelten ewig mit ihren Selfie-Sticks an uns vorbei… Totalversager des menschlichen Zusammenlebens.

So ungefähr stampfte die ‚Fair Lady‘ auf unserer Hinfahrt in der Wesermündung durch die Wellen:

So etwas 3 Stunden aushalten zu müssen ist dramatisch… Da hatten wir Glück, dass wir die schwere See nur rund 1 Stunde durchhalten mussten!

Sicht.Weise.

Weil mal wieder Stau ohne Ende auf der Autobahn war, hatte ich beschlossen, mit dem Metronom zu fahren. In ⅓ der Zeit ans Ziel hat was. Da ich dann noch knapp 2 Stunden Zeit haben würde, habe ich mir gesagt: OK, Du spielst jetzt Tourist und knipst einfach drauflos. Nein – nicht mit dem Smartphone, so etwas habe ich nicht. Einfach nur zwanglos, es darf gern schief sein. Mal sehen, ob ich das kann.

Am Start-Bahnhof habe ich dann einen Mit-Singer getroffen.  Der wollte auch noch durch die Stadt schlendern. Er fragte mich, ob er sich mir anschliessen könne – klar doch, gehen wir zusammen.

Er war begeistert, sagte, dass das so eine Art Urlaubstag für ihn sei, weil er durch mich Dinge zu sehen bekam, die er noch nie vorher gesehen hat. Ein Fotograf geht eben mit ganz anderem Blick durch die Welt…

Also so richtig schief wurde nichts, da läuft wohl immer ein Algorithmus im Hinterkopf ab, aber spannend war es allemal, zumal ich in der Menge der echten Touristen nicht weiter aufgefallen bin.

Bremen Hauptbahnhof

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Ein Tabakladen im Hauptbahnhof

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Ausblicke nach oben

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Die obligatorische Bahnhofsuhr

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Geschäfte in der Strasse zum Bahnhof

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OPEN – Hinweis in einer Bratwurstbude

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Die Wall-Anlagen mit Bremer Flagge in Form eines Blumenbeetes

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Gut, dass da niemand das Werder-Logo in den Rasen geschnitten hat…

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Kunstausstellung im Swissotel mit archaischen Holzfiguren in Übergrösse

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Bombastisch: Körbchengrösse Doppel D oder mehr…

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Naja, das ist zwar Kunst, aber nicht unbedingt was für mich

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Die Mühle am Wall

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Noch viel mehr (muchos más)

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Bronzefigur eines berühmten Mannes – Wilhelm Kaisen – in den Wallanlagen

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Mit Blick auf seine symbolischen Häuser

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Ganz neu: Markthalle Acht. Muss man nicht gesehen haben. Möchtegern auf schlicht, einfach und alt getrimmt, wirkt jedoch sehr primitiv. Hat absolut kein Flair eine Marktes, zumal dort nur Fressbuden ohne Ketten-Bindung zu finden sind. Das gleiche ‚food‘, nur anders verpackt.

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Der Auftritt eines Chors – das mussten wir uns als Sänger doch mal ansehen

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Grosse Erwartungshaltung, die Spannung steigt

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Banale Szene mit 80er Jahre Architektur vor dem Justiz-Bollwerk der Stadt

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Hochsicherheitstrakt im Innenbereich – früher war das mal abschreckend

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Kennt kaum jemand: Den Paula-Modersohn-Becker-Steg in den Wall-Anlagen neben der Kunsthalle

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Das waren 90 Minuten als Tourist verkleidet. Einfach mal was Anderes. Anschliessend haben wir uns 2 Stunden in der ‚Capella della Musica‘ heiser gesungen… Click!

Unikat.Wolke.

Das war eigentlich ein Gag, aber als der Film aus dem Labor kam, fand ich sie schön. Andere Fotografen verkaufen so etwas als Kunst.

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Fuji GSW 690 III, Fuji Provia 100F, Stativ

Stroh.Rolle.

Es ist wieder so weit – die ersten Strohrollen werden geformt. In 5 Monaten ist schon wieder Neujahr…

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Fuji GSW 690 III, Fuji Provia 100F, Stativ

Stille.See.

Vor einiger Zeit haben wir einen See wiederentdeckt. Der Wald wächst bis ans Wasser, teilweise noch ein kleiner Schilfgürtel, ein winzig kleiner Strand, das war es dann. In der Nähe ein Parkplatz, der aber selten voll ist. Damit er demnächst nicht überlaufen ist, gibt es hier keinen Namen…

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Arca Swiss mit Rodenstock Apo Grandagon 4.5/45 mm auf Kodak Portra 160. Wie man sieht, ohne Center Filter (leider hatte ich den im Schrank liegen lassen…). Warum die Ecken nicht symmetrisch abgedunkelt sind, weiss ich noch nicht. Per Software kann man den  asymmetrischen Lichtabfall nicht korrigieren. Der Bildwinkel entspricht in etwa einem 17mm-Objektiv im 35mm-Format.

Schön.Stark.

Immer wenn ich über angeblich wichtige, neue ‚Features‘ moderner Kameras lese, denke ich: Und – was bringt das jetzt?

Bisher sind die Fotos nicht besser mit den neuen Kameras geworden. Im Gegenteil, der Anteil guter Fotos hat abgenommen. Nur insgesamt ist die Online verfügbare Menge grösser geworden.

Im Prinzip sind alle ‚modernen‘ Kameras starre, unbewegliche Kästen, deren Fähigkeiten sehr stark limitiert sind, sieht man einmal von der Aufnahmegeschwindigkeit ab. Wird ein Foto besser, nur weil es mit ‚8K‘ aufgenommen wurde? Eher nicht. Dafür verzeichnen die Objektive wie Sau und müssen erst durch eine Korrektur gejagt werden. Perspektiven kann man damit ebenfalls nicht richtig in den Griff bekommen. Licht auch nicht. Passt die Belichtung nicht, wird am Regler gedreht.

Mit den hochauflösenden Digitalrückteilen (‚Digi Backs‘) kann man theoretisch wieder so arbeiten wie früher. Theoretisch, weil sie praktisch unbezahlbar sind, ebenso wie die dazu passenden Fachkameras. ‚Alte Systeme‘ werden per se als unbrauchbar abgeurteilt, dabei wissen 99,9% der heutigen Fotografen kaum noch, was man damit machen kann.

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Die ‚alte‘ Arca Swiss ist ein Paradebeispiel für die grenzenlose Versatilität von Fachkameras. Wenn man weiss, was man damit machen kann, versteht man, was Fotografie wirklich heisst.

So ganz alt ist sie ja nicht: Die Basis-Kamera ist Baujahr 1984, viele Komponenten sind neueren Datums. Die Bauweise basierte auf einem Marken übergreifenden System, d.h. man kann die Komponenten wie z.B. Objektive ganz einfach an anderen Kameras nutzen. Rückteile, Sucher, Kassetten oder Filmmagazine sind austauschbar… Dagegen sind die heutigen ‚Möchtegern-Standards‘ kalter Kaffee.

Mini.Bücher.

Gross kann jeder, klein nur wenige:

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Mit guten Augen oder einer Brille kann man ein Gedicht in die kleinen Wunderwerke schreiben. Oder eine Widmung. Oder kleine Skizzen festhalten.

Schön, dass es neben Hyper, Giga, Tera, Peta und Konsorten noch Wertiges gibt, das man anfassen und selbst gestalten kann.

Wo es die gibt? Na hier: buchbinderei-focken.de

Identitäts.Verlust.

Vor einiger Zeit bin ich über ein Szenenfoto eine Videos in einem Online-Portal gestolpert. Es soll eine Innenstadt zeigen. Zuerst dachte ich: Da hat schon wieder jemand ohne Überlegung ein Foto einer US-Stadt genommen. Aber nein, dann sah ich das Fähnchen mit der Aufschrift ‚Eis‘. Also ist es eine deutsche Innenstadt.

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Dunkin‘ Donuts, King of…, Fashion Discount, Food Lounge, Snipes, New Yorker, Jack…, etc. So richtig Deutsch ist da kaum noch etwas. Womit können wir uns eigentlich noch identifizieren? Von oben werden wir mit ‚Denglisch‘ malträtiert, von unten mit angeblichen Kulturbereicherern, die wir nicht wollten, aber teuer bezahlen müssen, und die dafür sorgen, dass die Kriminalitätsrate enorm steigt.

Wo bleiben wir Deutschen eigentlich? Was macht uns noch aus? Merkt das denn niemand?

Wasser.Spiegel.

Nachdem wir gestern den ganzen Tag Sonne satt hatten, hat es heute von morgens bis nachmittags ordentlich geregnet. Somit mussten die Bäche und Flüsse (eher Flüsschen) recht gut gefüllt sein. Also los zur alten Wassermühle und nachsehen. Yup, der Wasserspiegel unterhalb der Staustufe war ca. 15 cm höher. Da musste ich gleich mal den ‚Big Stopper‘ (ND -10 EV) testen.

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Belichtungszeit 238,9 Sekunden mit f=8.0. Da wird jede Wasseroberfläche glatt wie ein Kinderpopo, so dass sich die Objekte darin spiegeln…  Die Messung der Szene habe ich mit einem Gossen und Objektmessung nur im unteren Bereich gemacht, die Zeit um den Faktor + 10 EV verlängert und click. Rechnerisch wären es 240 Sekunden gewesen, faktisch 1,1 Sekunde weniger, weil die Verschlusszeiten nicht so lang einstellbar sind. Somit musste ich auf meine Armbanduhr schauen, und da kann man nicht so exakt sein, vor allem nicht als Brillenträger, der erst die Brille aufsetzen muss, bevor er im Nahbereich etwas erkennen kann <seufz>.

Die gesamte Aufnahmezeit für dieses Foto lag übrigens bei knapp 8 Minuten, weil die Kamera nach der Belichtung noch eventuell vorhandenes Rauschen des Sensors aus dem Bild rechnen muss. Das ist ein sehr grosser Nachteil der Digitaltechnik – Film ist da einfacher: Belichten, fertig…

Das Licht war etwas ungewöhnlich, weil die tief stehende Abendsonne durch das Blätterwerk nur partiell die Szene beleuchtete – sehr schön am unten aufgehellten Baumstamm und dem hellen Zaun der Abtrennung des Beckens zum Wassertreten zu erkennen. Somit bekommt das Bild einen leicht mystischen oder gespenstischen (Englisch: eerie) Touch. Fehlen eigentlich nur noch ein paar Feen und Elfen auf der Treppe…

 

Filigran.Fedrig.

Klar kann man im Schmuckbereich mit ‚focus stacking‘ arbeiten, d.h. diverse Fotos mit verschiedenen Schärfeebenen zusammenrechnen. Will ich aber nicht. Ein Makroobjektiv hatte ich nicht dabei, also musste ein ganz normales Objektiv herhalten. Bei f=16.0 war die Schärfentiefe ausreichend.

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Das ist ein Ausschnitt aus dem Original. Ich finde die filigrane Arbeit einfach eindrucksvoll.

Gleiches Spiel mit der Maske und den Federn.

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Das Objekt ist etwas grösser, der Schärfebereich erstreckt sich nur auf die vorderen ⅔ der Maske.

Grau.Verlauf.

Wie schaffe ich es, einen sehr grossen Tonwertumfang mit einer Digitalkamera mit einer einzigen Aufnahme ohne Nachbearbeitung abzubilden?

Ein Graufilter ist die Lösung, aber nicht ein einfacher, sondern ein Grau-Verlaufs-Filter, oder auf Englisch graduated neutral density filter, kurz GND. Es gibt sie in zwei (selten drei) Versionen: Soft und Hard, d.h. der Übergang zwischen Dunkel und Hell ist weich oder hart. Sinnvolle Filterstärken liegen im Bereich von 2 EV und 3 EV. Weniger reicht selten aus, mehr sieht merkwürdig aus.

Ein Beispiel mit einem GND 0.9 soft (3 EV, weicher Übergang). Oben ohne Filter, unten mit Filter.

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Keine ausgefressenen Lichter, die Tonwertabstufung in den Wolken ist perfekt, aber das Motiv insgesamt ist zu dunkel. Man müsste die Schatten anheben, d.h. ein Bildbearbeitungsprogramm bemühen und alle damit verbundenen Nachteile in Kauf nehmen.

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Keine ausgefressenen Lichter, korrekt belichteter Vordergrund.

Jetzt kann man noch die Schattenbereiche etwas aufhellen:

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Auch wenn immer wieder behauptet wird, man könne die Helligkeitsunterschiede per EBV korrigieren – stimmt nicht, dann kommt mehr Bildrauschen in den dunklen Partien dabei raus. Einen GND und einen Polfilter kann man per EBV nicht nachbilden.

Drinnen.Draussen.

Oder: Wanted. Vossi.

Heute habe ich eine Session mit ‚Vossi‘ gemacht. In der Werkstatt und um die Ecke vor einem Graffito.

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Das ist nur eine kleine Auswahl der Fotos von heute. Die Session hat uns sehr viel Spass gemacht, nachdem wir erstmal ordentlich gefrühstückt hatten. Es war glücklicherweise nicht zu heiss bei uns, so dass uns der Schweiss weder auf der Stirn stand noch den Rücken runterlief.

Wer genau hinschaut, der sieht, dass das Gesicht immer scharf ist – nicht nur die Augen oder Nasenspitze.

Making of: Ein Elinchrom Blitz, eine Elinchrom Deep Octa auf Stativ mit Innendiffusor, damit es etwas knackiger ist, einen einfachen Silberreflektor in grösserem Abstand zum leichten Aufhellen der Schatten (nur in der Werkstatt, draussen nicht). Die extreme ’single light‘ Aufnahmetechnik. Alle Aufnahmen mit t=1/200 und f=8.0, Blitzdauer 1/4000 s. 

Netz.Nixe.

Was macht ‚man‘, wenn der Plan für das Wochenende wenige Stunden vorher gekippt wird? Als Norddeutscher kann man zur Küste fahren – immer an der Weser lang Richtung Norden. In Bremerhaven abbiegen zum Fisch essen, dann am Containerterminal vorbei, am Deich lang bis Wremen. Anhalten lohnt nicht – da krauchen gefühlte 1 Milliarde Menschen rum. Also weiter am Deich lang, die ganz kleine Strasse, vorbei an kleinen Höfen bis Dorum zum Hafen. Pause. Aber nicht, weil es dort leer wäre, nein, weil die Fahrerei erstmal reicht. Auch dort gefühlte eine Milliarde Menschen und hunderte Motorräder. Was gibt es ausser der Überfüllung sonst noch? Richtig, ein paar maritime Impressionen (im Volksmund ‚Schnappschüsse‘ genannt).

Was fällt einem zum Dorumer Siel ein?

Krabbenkutter.

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Fanggeschirr.

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Kennzeichen am Bug.

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Netze, respektive deren Reste.

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Der vorwitzige Leuchtturm in mattschwarz gestrichen (perfekter Trauerflor für die Hochzeiten, die dort stattfinden).

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Flaggen.

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Ich werde es mir überlegen, ob ich nochmal hinfahren werde. Im Sommer ist es überlaufen, mit permanenter, sehr lauter Musikbeschallung des Strandes und Hafens und somit unerträglich, im Winter ist es so grau, dass man in eine tiefe Depression verfällt und einen kurzfristigen Termin beim Psychologen braucht.

Zumindest konnten Sie auf den Fotos die kleinen Ausschnitte sehen, die die Reste der heilen Welt symbolisieren. Glauben Sie bitte nicht, dass immer Wasser im Hafen ist – ist es nicht. Das war Zufall, dass grade Hochwasser war. Die meiste Zeit leuchtet Ihnen nur der Schlick im Hafen entgegen…

Sommer.Farben.

Endlich ist der lang ersehnte Sommer da. Die Farben der Natur sind noch frisch, aber schon intensiv.

Ein mächtiger Solitär mitten auf einer Wiese im weiten Land:

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Die Farbflecken am Waldrand:

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Mitten im Bach und ohne Smartphone – zwei Jungs bei einer Angelpartie:

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Da geniesst jemand den Weg mit Kopfsteinpflaster entlang der Rhododendron:

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Der Mühlenteich hat eine Decke aus Weidenflusen, die dort zu Millionen umherfliegen.

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Einer der schönsten Plätze um die Ecke in Licht und Schatten – die alte Wassermühle:

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ALLE FOTOS © 2017 BY JENS G.R. BENTHIEN

Ich weiss, das sieht nach heiler Welt aus, und das ist es auch. Ich bin froh darum, in dieser Umgebung leben zu können, wo ich einfach ‚mal eben‘ um die Ecke zum Abschalten fahren oder gehen kann. Im Prinzip kann das jeder, die Menschen müssten nur genauer hinschauen und die Welt um sie herum in allen Dimensionen entdecken.

Natürlich sind das nur kleine Oasen, die übrig geblieben sind, um die herum der Krieg tobt – auf den Strassen, in den Köpfen, in Unternehmen, in der Politik und in den Familien. Natürlich könnte ich Fotos von ‚dort draussen‘ machen. Das wäre jedoch fatal, da die meisten Anderen das bereits seit Jahrzehnten machen um die konditionierte Sensationsgier der Menschen zu befriedigen und daraus Profit schlagen.

Ich will dem Krieg und Terror keinen Raum geben – niemals.

Dynamic.Range.

Ich bin immer wieder überrascht, zu welchen Leistungen ein nicht mehr so ganz aktueller Sensor fähig ist, wenn man die richtige Software verwendet und etwas tiefer in die Materie eintaucht. Dazu gehört auch etwas Nachbearbeitung wie in der Dunkelkammer, d.h. dunkle Partien etwas aufhellen und helle etwas abdunkeln, ohne die Endpunkte der Kurve zu verändern.

Vor rund einem Jahr hatte ich ein Pano generiert und hier präsentiert. Jetzt habe ich die NEFs nochmal mit dem RAW-Konverter des Kamera-Herstellers bearbeitet und ein neues Pano rechnen lassen.

Die alte Version:

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FOTO © 2017 BY JENS G.R. BENTHIEN

Die neue Version:

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Die alte Version ist in den Lichtern komplett ausgefressen, die Wolkenränder haben kaum Details. Die neue Version hat alles. Hm, warum jetzt das? Da muss doch im Original eine Menge mehr an Informationen sein. Ergo kann es nur am RAW-Konverter liegen, denn sowohl Hugin als auch Affinity Photo arbeiten in beiden Fällen identisch.

OK, in der neuen Version habe ich den Weissabgleich nicht auf den Kamera-Werten gelassen, sondern auf ‚direct sunlight‘ gesetzt. Aber das allein kann es nicht sein. Die Farbunterschiede in den Blau- und Grüntönen sind klar. Aber der Tonwertumfang ist damit nicht zu erklären. Hugin zeigt mir an, dass ein Tonwertumfang von 15,34 EV vorhanden ist. Das ist mehr, als diverse Tests ergeben haben, und ich denke, dass ich mich auf Hugin verlassen kann, zumal das Resultat eindeutig ist. Ein Tonwertumfang von 11 EV war klar, aber 15,34 ist für eine Digitalkamera mehr als eine Überraschung.

Die Projektion oben war Equirectangular (Sphärisch), unten Cylindrical (Zylindrisch) – daher ergeben sich unterschiedliche Bildhöhen.

Werde ich jetzt nicht mehr mit Film arbeiten? Doch, da ist noch mehr drin: Mit Standard-Belichtung und Standard-Entwicklung 14 EV. Mit veränderter Belichtung und anderer Entwicklung geht da noch was. Mehr dazu demnächst. Morgen werde ich erstmal einen neuen Film mit einem IT 8.7/2 Target profilieren…

Wasser.Stein.

Nicht weit von mir ist ein kleines Flüsschen, dessen Quelle im Moor liegt. Irgendwo ist ein Mühlenteich und somit auch eine kleine Staustufe.

Es war schon Dämmerung, die Szene liegt im Schatten grosser Bäume. Das heisst, es waren perfekte Voraussetzungen für Langzeitaufnahmen.

Leider hatte ich keine Gummistiefel dabei, habe dann trotzdem das Stativ ins Wasser gestellt und von einem Stein im Wasser aus die letzten 3 Aufnahmen gemacht. Ich weiss, das ist nicht gesund für den Rücken, aber das sind ja noch harmlose Übungen. Der interessanteste Effekt: Ich habe jetzt auch mal ein Nebelwasser- oder Wassernebel-Bild gemacht. Es hat sich so ergeben, ohne Notwendigkeit <seufz>. Dafür sehen Sie, dass Sie nicht nach Norwegen, Island oder Neuseeland reisen müssen, um interessante Fotos zu machen.

Noch etwas: Jetzt weiss ich, wie ich die Belichtungszeit ‚B‘ wählen kann. Sie wird unsinniger Weise mit ‚- -‚ dargestellt – darauf muss man erst einmal kommen. Ich weiss wirklich nicht, wo das Problem ist, dass dort nicht ein ganz deutliches ‚B‘ angezeigt wird… Früher konnten die Japaner doch auch ‚B‘ und sogar ‚T‘ auf die Objektiv-Tuben respektive Verschlüsse aufdrucken.

So sieht es dort aus:

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ALLE FOTOS © 2017 BY JENS G.R. BENTHIEN

Alle Aufnahmen wurden (wie immer) mit einem Objektiv gemacht, mit dem man eigentlich nicht fotografieren kann (Forenmeinung der Spacken). Ausserdem mit f=22. Laut der Besserwisser in der Welt hätte ich hier aufgrund der Beugungsunschärfe höchstens eine Gauss Weichzeichnung erhalten dürfen. Da kann man mal sehen, wie bescheuert die Besserwisser dieser Welt sind. Und ja, eine Belichtungszeit von 40 Sekunden verursacht laut der Besserwisser ja ein gewaltiges Rauschen im Bild. Sorry Leute, ich weiss wirklich nicht, war Ihr raucht, wenn Ihr so einen Unsinn in die Welt blubbert… Da ist keine Beugungsunschärfe und kein Rauschen drin. Ich würde die Bilder locker in 60×40 cm (dem Standardformat für Galeriehängungen in den USA) oder grösser drucken lassen und aufhängen, ohne auch nur die leisesten Zweifel zu haben.

Spannend ist, dass hier gleichzeitig Stillstand und Bewegung in einem Bild sind. Da passt der Spruch: Es ist alles nur eine Frage der Zeit.

Zum Vergleich drei Aufnahmen mit f=11 und einer erheblich kürzeren Belichtungszeit. Die Bewegungen des Wassers im flachen Bereich sind nicht so cremig verwaschen wie bei 30 s.

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Zum Schluss noch einmal das Motiv von oben:

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FOTOS © 2017 BY JENS G.R. BENTHIEN

Posting.Printing.

Fängt beides mit ‚P‘ an, klingt ähnlich, aber der Unterschied in der Fotografie ist gravierend.

Das Eine ist maximal eine Stunde später vergessen, das Andere können noch die nächsten 6 Generationen (wenn man 1 Generation = 25 Jahre rechnet) ohne Strom und Geräte ansehen.

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FOTO © 2017 BY JENS G.R. BENTHIEN

Mann mit Mops.Frau mit Möpsen.

In Bremen steht die Loriot-Couch mit dem Mops, und eine Bank mit einem Knollennasen-Männchen von Loriot. Da haben wir was draus gemacht:

Mann mit Mops.

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FOTO © 2017 BY SIEGLINDE HOIDIS

Frau mit Möpsen.

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FOTO © 2017 BY JENS G.R. BENTHIEN

Wenn Sie beim zweiten Bild die Möpse suchen, haben Sie den Witz noch nicht verstanden. Schauen Sie nochmal genau hin.

 

Film.Spannend.

Zum langen Wochenende gibt es ein paar Videos über filmbasierte Fotografie. Viele Interviews, warum die Fotografen Film bevorzugen.

Hier gibt nach einer etwas schrägen Einleitung einen Einblick in ein Labor. Das ist ja der Vorteil der filmbasierten Technik: Der Fotograf kann sich voll und ganz auf die Aufnahme konzentrieren, das Labor macht den Rest. Weil es – im Gegensatz zu Digital – Standards gibt, kann man sich immer 100% darauf verlassen, dass die Farben, Tonwerte und Anmutungen so rüberkommen, wie man es gewohnt ist. Wie der Labormitarbeiter so schön sagt: Was zählt, ist der Druck (Print, Abzug). Bei Digital weiss man nie, wie der Bildschirm des Betrachters aussieht, denn kalibriert ist er in den seltensten Fällen.

The print is the final result!

I see something that makes sense:

Time for a change. Zeit für Änderungen. Nicht anderen folgen, sondern eigene Wege wiederfinden.

Portrait.Amerikanisch.

Wir haben mal ein wenig mit Licht gespielt…

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FOTO © 2017 BY JENS G.R. BENTHIEN

Eine grosse Version gibt es im blog auf meiner neuen web site, wo niemand etwas klauen kann.

Keine hauchdünne Schärfentiefe, wie derzeit der Hype diktiert, sondern eine grosse Schärfentiefe. Ich bevorzuge es, jedes Detail im Bild sehen zu können.

Ein Experiment am frühen Nachmittag:

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FOTO © 2017 BY JENS G.R. BENTHIEN

Huh? Ja, wirklich. Es war 17:09, die Sonne stand hinter meinem Model, der Himmel war gleissend hell. f=10 und trotzdem schön freigestellt (alles eine Sache der Relationen). Mit Neutralgraufilter ND 0.9, weil bei höheren Filterwerten der AF nicht mehr funktioniert. Minus 3 EV sind schon heftig, zu viel für manuelles Scharfstellen. Deep Octa 45° links und 45° von oben, Distanz ca. 2 Meter.

Schwebende Papierstreifen:

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FOTO © 2017 BY JENS G.R. BENTHIEN

Nein, die sind nicht aufgehängt. Die kurze Blitzzeit von 1/4000 s (oder war es noch kürzer? Ich weiss es nicht mehr) macht es möglich. Der Spot mit 20° Grid von hinten und unten auf die Schnipsel bringt das Leuchten in die Schnipsel.

Robo.Shit.

Neuronale Netze sollen jetzt unsere Fotos bewerten.

Aha.

Hier der Artikel:

https://www.dpreview.com/news/8594541449/everypixel-aesthetics-uses-neural-networks-to-judge-your-photographs

Hier die web site zum Testen:

https://everypixel.com/aesthetics

Ich habe mal ein paar Fotos aus diesem blog dort hinein geworfen. Meistens hatte ich einen sehr hohen Wert erreicht. Aber die Fotos, die für mich am eindrucksvollsten waren, lagen eher gegen Null…

Bin ich froh, dass es noch Menschen gibt, die sich auf ihren Verstand und Bauch verlassen. Man stelle sich nur vor, die Personalmanager würden dort die Bewerberfotos prüfen lassen – das wäre ein Desaster für die Unternehmen und die Bewerber.

Wie tief sind wir gesunken. Erst die ‚Votings‘ des Pöbels, jetzt angeblich künstliche Intelligenz. Wir werden alle flüssiger als Wasser werden – überflüssig.

Meister.Werke.

[Update am 2017-04-07] Hier werden sie hergestellt, die Meisterwerke der letzten und ältesten meistergeführten Sortimentsbuchbinderei im Raum Bremen (von der holländischen Grenze bis vor die Tore Hamburgs!):

In der Buchbinderei Focken e.K. in Bremen (Telefon 0421 – 45 26 11).

Dass dazu ein paar Maschinen erforderlich sind, ist den wenigsten Menschen klar. Die meisten assoziieren mit Buchbinderei Künstler, die ein paar Bücher machen und später auf Gewerbeschauen verkaufen.

Das ist definitiv falsch. Eine richtige Buchbinderei fertigt Kunstwerke, Sonder- & Einzelstücke sowie Kleinstauflagen – auf immer gleich hohem, handwerklichen Niveau, jederzeit reproduzierbar. Dass da oftmals sehr kreative Lösungen entstehen, versteht sich bei dem Jahrhunderte alten Handwerk von selbst.

Das Spektrum reicht von Gästebüchern, Alben, Familienchroniken, Dokumentationen und  dem Binden von Fachzeitschriften über Bachelor- & Masterarbeiten bis hin zu Kassetten, Schubern, Schachteln und Speisekarten.

Stellen Sie sich einmal vor, Sie würden statt einer Bildergalerie bei flickr für Ihre Kinder die besten Fotos auf säurefreiem Papier drucken und zu einem Buch binden lassen. Ihre Kinder würden sich jetzt vielleicht noch nicht freuen, aber in 30 oder 50 Jahren, wenn es flickr nicht mehr gibt und ihre digitalen Bilderchen sich in Wolken aufgelöst haben.

Abgesehen davon ist ein Buch nicht nur ein optisches, sondern auch ein haptisches Erlebnis. Sie können es aufschlagen, lesen, die Bilder betrachten, ohne einen Computer starten, Software updaten und eine Internet-Verbindung haben zu müssen, nur um dann festzustellen, dass irgendein ‚Admin‘ ihre Daten gelöscht hat, weil Sie eine Rechnung nicht pünktlich bezahlt haben oder Ihre Kreditkarte am Tag der Abbuchung mit einem Euro im Minus war.

Ein Buch hat nach wie vor einen Wert. Das mag im Zeitalter der iPad- und Eierföhn-Generation anachronistisch, alt und antiquiert klingen, es ist aber so.

Zurück zum Thema: Stellen Sie sich einmal vor, Sie würden ihr liebstes Paperback von einer Buchbinderei hochwertig neu binden lassen, mit Prägung, einer Widmungsseite dazu, evtl. ein paar Negativen oder handschriftlichen Notizen. Ich habe es getan und kann nur sagen: Das ist ein Erlebnis und macht Freude.

Während der letzten Wochen durfte ich ein paar Eindrücke in der über 100 m² grossen Werkstatt festhalten.

Die Buchbindemeisterin mit der ältesten Innungslade Deutschlands:

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Die grosse Buchpresse:

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Die letzte voll funktionstüchtige Fadenheftmaschine im Grossraum Bremen, Baujahr 1965 – älter als die Inhaberin:

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Warum braucht ein Buchbinder eine Fadenheftmaschine? Ganz einfach: Weil Bücher mit Fadenheftung nicht zerfleddern, die Seiten sich nicht aus der Verklebung lösen können. Wer also lange Freude an seinen Büchern haben möchte, die häufig in die Hand genommen und in denen häufig geblättert wird, sollte ganz direkt danach fragen. Die modernen Klebebindungen halten selten länger als die Platzierung auf der Bestsellerliste…

Diese Maschine läuft rein mechanisch und wird über Steuerkurven, Stangen und Hebel präzise wie ein Uhrwerk bewegt. Sie ist ein Wunderwerk deutscher Maschinenbauingenieure, das den Qualitätsanspruch ‚Made in Germany‘ begründet hat. Im Bild unten ist die Antriebswelle mit der Metallscheibe und den Steuerkurven für die komplexen Heftvorgänge zu sehen:

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Bücher für die Reparatur (nicht Restauration, das ist ein anderer Beruf). Diese hier haben eine ganz besondere, aus Papier handgefertigte Mechanik: Einen Sprungrücken. Sie schlagen grundsätzlich plan auf, egal, an welcher Stelle man sie aufschlägt.

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Fachzeitschriften vor dem Schneiden in neue Buchblöcke zum Lumbecken/Klebebinden:

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Die 1,5 tons Schneidemaschine mit geschnittenen Blöcken für die Weiterverarbeitung im Vordergrund:

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Eine grosse Pappschere mit einer weiteren Buchpresse und Deckenmaterial rechts und in den Fächern, von der Decke hängend Lederfelle vorn und in dem Seitenraum diverse Schriftschränke:

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Material für die Einbände – Gewebe, Papier, Pergament, Leder, Kunststoff:

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Der Anschlagwinkel der Pappschere:

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Die Verstellmechanik der Pappschere:

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Die Einschlagmaschine:

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Einer von vielen Schriftschränken mit originalen Bleilettern:

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Der Blick vom Tresen mit dem aufgeschlagenen Buch in die Werkstatt, am linken Bildrand eine Hydraulikpresse:

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Der Empfangsbereich mit den Meisterurkunden:

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Die Meisterurkunden, darunter Gläser mit Heftklammern, die innerhalb eines Jahres aus den Fachzeitschriften entfernt werden, um bei der weiteren Verarbeitung keinen Schaden an den Präzisionsmaschinen anrichten zu können:

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Die Prägepresse für Titelprägungen auf dem Vorderdeckel und Rücken:

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Ein paar Produkte, die in dieser besonderen Werkstatt von der Buchbindemeisterin hergestellt werden:

Ein Musterbuch mit  Schraubung

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Ein Fotoband mit Klappkassette:

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Ein Gästebuch mit Goldprägung nach Kundenentwurf und Lesezeichenband:

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Bücher für die Reparatur im Anlieferungszustand – mit Tesa (!) verunstaltet:

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Das Ergebnis rostiger Heftklammern. Damals wurden grössere Auflagen mit Heftklammern gefertigt – niemand konnte ahnen, dass die Bücher die nächsten 10 Jahre überleben würden.

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Vielleicht schaffe ich es, die reparierten Bücher nach Fertigstellung nochmal abzulichten.

Nachtrag: Ich habe es geschafft – so sieht ein Bildband nach der Reparatur aus:

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Die Reparatur einer Lexika Serie aus 18 Bänden. Die Deckel und Rücken müssen repariert werden, d.h. die alten Lederteile werden in aufwändigen Prozessen manuell von der Papierunterlage gelöst, aufgearbeitet und anschliessend mit den Deckeln verbunden.

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Traumhaft schöne Illustrationen aus Zeiten, in denen es noch nicht möglich war, Fotografien zu drucken:

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Ein Kästchen mit eingelassenem Deckel, Aussenbezug aus Strukturpapier, Innenfutter aus Seide und als Schmuckelement auf der Deckel-Innenseite ein Foto.

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Eine Reparatur: Im Original hatten sich nach über 30 Jahren alle simpel geklebten Seiten vom zellophanierten Einband des Taschenbuches gelöst, der Kleber war hart und brüchig geworden, das Titelbild war zerstört. Jetzt sieht es besser aus als vorher.

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Ein Gästebuch im A4 Format mit fadengeheftetem Büttenpapier, einem Einband aus Ziegenleder mit einer Klischeeprägung in Gold auf dem Vorderdeckel.

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Ein Meisterstück: Ganzfranzband in Oasenziegenleder in passender Klappkassette mit aufgesetzten Deckeln. Bezug der Kassette und des fliegenden Blattes aus Monotypiepapier.

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Die Reparatur einer Bibel mit 2-3 mm dicker Decke aus Rindsleder und einer Goldprägung:

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Die rein mechanisch arbeitenden Maschinen und die Präzision des Handwerks ermöglichen es, Bücher zu produzieren, die man gern anfasst, deren Haptik man geniesst und die lange halten – länger als jedes iPad oder Tablet-PC.

Ist mir grade eingefallen:

Ein iPad hält 4 Jahre. Ein gutes Buch 2 Leben lang. Wann gehen Sie mal wieder in eine Buchbinderei? Die Buchbinderei Focken macht Einzelanfertigung von Gästebüchern, Alben, Familienchroniken, Dokumentationen, Schachteln, Kassetten, Fachzeitschriften und repariert Ihre lädierten Lieblingsbücher.

Anti.Wackel.

Systeme für Bildstabilisierung gibt es wie Sand am Meer. Kaum noch eine Kamera, die kein OS oder IS oder sonstwas entweder im Objektiv oder im Gehäuse hat. Teilweise schon mit 5 Achsen (Huh? Der Raum hat nur 3 Achsen, wozu 5? Einfach mal Tante Gurgel fragen).

Die Film- & Video-Industrie kennt schon seit Jahrzehnten die Steadycam-Systeme. Jetzt gibt es ein neues System, das wirklich atemberaubend ist:

Was man damit machen kann, zeigt dieses Video:

 

Da können die Bildstabilisatoren von normalen Kameras nicht mithalten. Ist aber auch ein Preisunterschied – dieses System kostet fast so viel wie ein Kleinwagen. Dafür spart man die Investition in ein Stativ 😉

See.Haus.

Ein kleines Idyll mit Spielhaus direkt am See:

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Und natürlich etwas Schilf vom letzten Jahr, mit dem gelben Tuff einer Forsythie im Hintergrund – sieht nach Frühling aus:

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Dazu blauer Himmel – endlich wird es wieder heller. Nach 5 Monaten Winter ist klar, woher der Wind überwiegend weht: Südwest. Die Blütenähren wurden vom Wind nach Nordosten gedrückt:

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Sun.Set.

Ich musste heute Abend unbedingt raus an die Luft, bevor die Sonne hinter dem Horizont versinkt. Es sieht da draussen nach zartem Frühling aus.

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Natürlich wächst das Schilf nicht im Himmel. Witzig, wie unser Gehirn ins Stottern kommt, wenn so kleine Details nicht passen. Die Lösung: Ich habe das Bild nur um 180° gedreht. Die Logik: Nur der Horizont spiegelt sich im Wasser, sonst würde man meine Füsse sehen. Das geht aber nicht, weil Einfallswinkel = Ausfallswinkel ist. Das Schilf ist im Vordergrund, das andere Ufer des Sees im Hintergrund. So sieht das Original aus, und das Gehirn stottert nicht mehr:

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Der kleine See um die Ecke ist einfach wunderbar, mit vielen spannenden Motiven. Er zeigt mir, dass ich nicht um die halbe Welt jetten muss, um starke Fotos machen zu können. Ja, ja, man möge mir nachsehen, dass ich Sonnenuntergänge zum Entspannen mag…

Kunst.Bücher.

Zumindest im weitesten Sinne sind es Bücher über Kunst. Sie stehen in der Bibliothek der Hochschule für Künste im Sozialen in Ottersberg. Und genau um diese Bibliothek geht es – sie steht derzeit in meinem Fokus.

Ich höre schon die Fragen: Wie, das soll eine Bibliothek sein? Sieht doch aus wie ein Wohnhaus. Richtig. Das war einmal ein Wohnhaus, oder besser gesagt ein Bauernhaus. Seit 2009 wurde es sukzessive zur Bibliothek der HKS umgebaut.

Die alten Stilelemente wurden bei Umbau und Sanierung wieder aufgegriffen, im Inneren wurden grosszügige und helle Räume für die Studenten geschaffen.

Der Hof und Eingangsbereich

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Der Kernbereich der Bibliothek

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Die Rückseite mit dem hinteren Anbau und der Sitzgruppe im Garten

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Die Scheune hinter der Bibliothek, die noch umgebaut werden soll

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Der alte Giebel auf der Rückseite sowie der Anbau mit Wohnung

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Der Raum mit den Stahlregalen

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Blick durch die Regale

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Viel Information auf kleinstem Raum

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Die Bibliothek in den Abendstunden

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In der Dämmerung werden die Details der Fassade sichtbar

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Alter Baumbestand gibt dem Ensemble Flair…

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Links die Bibliothek, rechts das Hochschulgebäude

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Tagsüber sind nicht alle Katzen grau

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Licht und Luft in der Sitzecke hinter dem Gebäude

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Regale und Kaffeeküche im Untergeschoss

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Sitzecke gegenüber der Kaffeeküche im Untergeschoss

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Blick in 3 Räume im Untergeschoss

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Leseraum

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Der Raum mit den Stahlregalen, und überall der Blick ins Grüne

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Alles eine Sache der Perspektive – fächern wir doch die Regale auf wie Bücher

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Der Lesebereich

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Der Kernbereich – aufgeschlagen wie ein Buch

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Der Studienbereich mit Internetanschluss für Recherchen im Obergeschoss

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Der Studienbereich mit WLAN und Beamer im Obergeschoss

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Nachtrag vom 2017-05-02

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ALLE FOTOS © 2017 BY JENS G.R. BENTHIEN

Ich habe lange überlegt, wie ich die teilweise engen Räume im Untergeschoss darstellen soll. Immer nur Ausschnitte wären langweilig und würden keinen Überblick geben. Mit einem Super-Weitwinkel wäre zu viel Beschnitt erforderlich gewesen: Der Betrachter will weder Decken noch Fussböden sehen.

Also ein ganz anderer Ansatz: Saubere Panoramen. Sie erlauben Einblicke in mehrere Räume gleichzeitig, zeigen einen sehr schönen Überblick und lassen – im wahrsten Sinne des Wortes – Raum zum Atmen.

Rechteckprojektionen funktionieren bei Bildwinkeln grösser als 120° nicht, bzw. verzerren. Also mussten es zylindrische Projektionen sein.

Dass sich ‚die Balken biegen‘ ist mir klar, aber in diesem Fall macht es die Räume spannender und ist für mich ein interessantes Stilmittel bei diesem Projekt.

Der Raum mit den Holzregalen zeigt es deutlich: man kann in und zwischen die Regale schauen, einmal von rechts, einmal von links – es ist fast dreidimensional und somit spannender als eine normale Staffelung der Regale hintereinander wie in einem der oberen Fotos, wo man immer auf die gleiche Seite der Regale schaut.

Der Tonwertumfang von max. 10 EV im Innenbereich war gut beherrschbar, ein wenig ‚Nachbelichten‘ brachte die Leichtigkeit und das Licht in die grossen Räume des Obergeschosses.

Werkzeug.Amerikanisch.

Jay Dusard war Architekt, bis er feststellte, dass ihm die Architortur (seine Worte) nicht gefällt. Also ist er Fotograf geworden. Holzstativ, s/w Film und eine Fuji GW 690 III sind alles, was er braucht.

Freude.Chinesisch.

Mr. Yang hat sie endlich entdeckt: Die Fuji GW 690 III. Seine Begeisterung ist grenzenlos. Nur in einem Punkt liegt er daneben: Das Gehäuse ist komplett aus Metall, was jedoch seine Freude nicht schmälert. Im Gegenteil, ihm gefällt das Objektiv extrem gut.

Becken.Krumm.

Heute im Hafen in Bremen. FoV horizontal 217°, vertikal 59°, Belichtungsumfang 14,8 EV. Grösse 20.682 x 5.180 px @ 48bit.

Eine grössere Version gibt es auf meiner neuen web site im blog.

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Spasseshalber mal ein 100% Ausschnitt daraus:

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Streifen.Schmal.

Letzten Monat war das Wetter mal für ein oder zwei Tage einigermassen gut, und ich habe ein paar Panoramen gemacht.

Diesmal gibt es keine grossen Versionen, weil DropBox nicht mehr so funktioniert wie sonst, und ich hier garantiert keine grossen Bilder einstellen werde.

Am ersten Tag: Wolkenloser Himmel, kackbrauner Rasen

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Der Knaller ist der Kondensstreifen und die Spiegelung in der Fassade. Die Farben sind im Winter leider etwas merkwürdig <seufz>

Am zweiten Tag: Ein paar Wolken, immer noch öder, brauner Rasen

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Holy Shit – WordPress hat schon wieder Änderungen durchgeführt – jetzt ist die unterste Zeile beim Schreiben mit 50% Weiss überdeckt. Was denken sich die Spacken eigentlich dabei? Prüft das niemand mehr, sind die da draussen alle nur noch gaga und ändern um des Änderns willen?

Hinzu kommt, dass ich bei jedem Dateiupload hier eine Fehlermeldung erhalte. Wenn das so weitergeht, werde ich alle blogs löschen und die Wortquetsche kann mich mal dort, wo die Sonne nie hin scheint.

Portrait.Film.

Was macht man an einem leicht grauen Sonntag, wenn man keine Lust hat, über die Autobahnen zu preschen und trotzdem frische Luft schnappen will? Wir sind ins ‚Grüne‘ gefahren. Erst in ein Künstlerdorf (Worpswede), wo die ‚Made in China‘ Stempel mit Aufklebern ‚Handarbeit aus Worpswede‘ überklebt wurden und gefühlte Millionen Menschen das Wochenende verbringen. Der kalte Hauch von Paula Modersohn-Becker scheint immer noch Massen zu bewegen. Oder ist es der örtliche ALDI, der am Sonntag geöffnet hat? Inquiring minds want to know!

Anschliessend nach Neu-Helgoland an die Hamme. Licht! Luft! Wind! Und was mache ich dort? Richtig: Den Portra 160 NC mit der Fuji GW 690 III 6×9 testen.

Er lässt sich hervorragend kalibrieren und bringt Hauttöne, die umwerfend sind. Etwas wärmer als der Fuji Pro 160 N, der neutraler und einen Tick bläulicher ist. Er hat eine phänomenale Farbtiefe und Farbdifferenzierung. Das Schönste an Negativfilm: der Himmel ‚fliegt nie weg‘, d.h. es wird nie eine Überbelichtung und ausgefressene Lichter geben, wenn man die Belichtung nicht ins Extrem überzieht.

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FOTO © 2017 BY JENS G.R. BENTHIEN

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FOTO © 2017 BY JENS G.R. BENTHIEN

Das obere Foto habe ich mit f=6.3 und 1/500 s gemacht, das untere mit f=11 und 1/125 s, gemessen mit einem Sekonic.

Die Fotos sind nur digitalisiert (12.900 x 8.600 pixel @ 16/48 bit Farbtiefe) und dann verkleinert.

Die Schärfentiefe ist recht dünn, der Verlauf von Scharf zu Unscharf butterweich (hoffentlich sagt jetzt niemand Bokeh), der Schärfepunkt dank des präzisen Messsuchers sitzt perfekt. Das 3.5/90mm EBC Fujinon entspricht einem 38mm Objektiv bei ‚Vollformat‘ (der Begriff wird zum Scherz, wenn man die Flächen vergleicht: 6×9 ist rund 6x so gross). Schön ist der normale Augeneindruck (der Hintergrund erscheint nicht komprimiert oder gestaucht, sondern normal weit weg), zumal das Objektiv verzeichnungsfrei ist und im Nahbereich am Rand die Köpfe, Füsse oder Hände nicht verzerrt. Kein langes Fummeln im RAW-Konverter, keine Objektivkorrekturen… Das Fotografenleben kann so schön einfach sein! Fragt sich nur, warum die meisten Menschen der neuen, angeblich besseren Technologie wie die Lemminge hinterher laufen und jedes Jahr tausende Euros in ihre Ausrüstung versenken…

Leucht.Tisch.

Gestern war ein grosser Tag. Dank meiner Liebsten, die ihre Ohren überall hat, sind wir gestern zu einer Druckerei gefahren, richtige Leuchttische – nicht die kleinen Leuchtpulte – ansehen. Da stand er. Komplett aus Metall, mit Diffusor und 6 mm Glasplatte (!) oben drauf. Leicht eingestaubt und vernachlässigt, ansonsten wie neu. Etwas mehr als einen Meter breit, 74 cm tief. Mit Hydraulik zum Kippen, d.h. die hintere Seite wird nach oben gekippt. Das Sahnehäubchen: Es passen normale Neonröhren hinein, die auf Tageslicht abgestimmt sind. Konstruktionsbedingt verdammt schwer, richtig solide. Etwas, das man vererben kann. Definitiv resistent gegen Erdbeben. Diese Tische wurden nicht zum Betrachten von Dias oder Negativen gebaut, sondern für Lithografen, die Seitenfilme darauf montierten (weiss noch jemand, wie das geht?), als die Welt noch nicht digitalisiert war – da ist richtig viel Fläche zum Arbeiten, in der richtigen Höhe gegen ‚Ich habe Rücken‘.

Freue ich mich? Und wie – das ist ein Traum! Also rein ins Auto – er passte so grade eben noch rein – und ab in die Werkstatt damit. Er hat erst letzte Woche noch ein Klebchen (das gelbe Siegel vorn rechts)  von der Berufsgenossenschaft bekommen…

Bin ich jetzt ‚Retro‘? Nein. Ich habe den Eindruck, dass das der Schubser in eine andere Richtung für mich sein soll.

Und so sieht das Prachtstück mit 6 x 9 Zentimeter Filmen bestückt aus:

_DSC4999_blog.jpgFOTO © 2017 BY JENS G.R. BENTHIEN

Wolken.Bruch.

Tja, so schnell kann es gehen. Nur ein kleiner Tipp-Fehler…

Der Tippfehler

Erinnert mich an übelste Windows-Zeiten: <Abort> <Retry> <OK>

Wenn Maschinen andere Maschinen steuern, die wiederum Maschinen…  Es zeigt mir, dass viele – wie ich sie nenne – ‚Giga-Prozesse‘ nicht mehr beherrschbar sind. Sie sind zu komplex für einen Kopf. Deshalb sehe ich auch das autonome Autofahren noch lange nicht auf den Strassen. Ein Mensch kann im Notfall in einer Leitzentrale ein einzelnes Objekt (Auto) steuern, aber nicht zehn oder tausend, weil: Ein Mensch steuert eine Maschine, die steuert die Maschinen, die steuern andere Maschinen. Und am Ende will es niemand gewesen sein. Man braucht sich nur kurz mit der Chaostheorie zu beschäftigen, um zu wissen, wie das Resultat aussehen wird.

So gesehen bin ich froh, dass es das System Fluglotsen gibt. Je ein Lotse für eine Maschine – nacheinander. Die anderen Maschinen sind zwar auf seinem Schirm zu sehen, aber dazu hat er keine direkte Verbindung.

Wenn wir uns amüsieren und schockieren möchten, spielen wir jetzt mal für eine halbe Stunde das beliebte ‚what if…‘ mit verschiedenen Szenarien durch: Nuklear-Raketen, Wasserversorgung, Containerriesen im Hafen, Hochgeschwindigkeits-Züge, Verkehrslenkung via Ampeln oder in Tunneln und auf Brücken, Schleusen, Stauseen, etc.

Aber keine Sorge. Nein, wirklich nicht. Das wird den Menschen als heilsbringende Industrie 4.0 verkauft. Obwohl Industrie 2.0 noch nicht einmal funktioniert. Doch, wirklich, die ‚Experten‘ glauben ganz fest daran.

Stellt sich nur die Frage, was ein Experte ist. Truth Facts hat das sehr nett und meiner Meinung punktgenau skizziert:

Quelle: Welt.de truth-facts-11-01-2017-jpg.jpg

Wenn Sie mehr wollen: Click! und Click!

Film.Bild.

Ist schon witzig, wie die beiden Hong Kong Boys ‚alte‘ Kameras entdecken:

Grösser als Vollformat – wow, das ist aber eine sehr späte Erkenntnis. Wo waren die in den letzten 20 Jahren – haben sie da noch als Quark im Schaufenster gelegen?

OK, ich will den beiden nicht den Spass nehmen. Irgendwann werden sie erfahren, dass es noch 8 x 10 inch (!) Kameras gibt. Oder 20x 24 inch Kameras. Wie sie dann wohl über das sogenannte ‚Vollformat‘ denken werden…

 

Würge.Griff.

Absurd: Tante Gurgel indexiert jetzt Fotos von web sites und sorgt dafür, dass sie ohne Besuch der web site in Originalgrösse gezeigt werden. Damit ist dem Bilderklau Tür und Tor geöffnet. Sogar meine geschützten Fotos auf meiner neuen web site hat google schon parat gehabt. Daraufhin habe ich sofort meine .htaccess Datei auf dem Server geändert…

Den Brief der Verbände finden Sie hier.

Wer sich dagegen wehren will, sollte eine .htaccess Datei im root seines Servers anlegen und dort folgende Zeilen eintragen:

RewriteEngine on
RewriteCond %{HTTP_REFERER} !^$
RewriteCond %{HTTP_REFERER} !^http://yourdomain.com/.*$ [NC]
RewriteCond %{HTTP_REFERER} !^http://www.yourdomain.com/.*$ [NC]
RewriteRule .*\.(gif|GIF|jpg|JPG|jpeg|JPEG|bmp|BMP)$ [F]

Es geht auch komplexer, aber dann kann es passieren, dass google & Co. überhaupt nichts mehr indexieren können, oder dass man, wenn man google Suchergebnisse anklickt, keinen Zugang zur web site erhält…

Pikantes Detail am Rande: Die Willkür-Redaktion von ‚photoscala‘ hat meine obige Anleitung, die ich als Kommentar gepostet hatte, nicht veröffentlicht. Damit ist der Laden für mich auf Ramschniveau gelandet!

Edit: Die Redaktion hat sich extrem viel Zeit gelassen, den Hinweis zu veröffentlichen.

Ein Freund von mir hat mich darauf hingewiesen, dass es trotzdem möglich ist, Fotos direkt aus image.google.com zu klauen. Wie das funktioniert, werde ich hier natürlich nicht veröffentlichen.

Kunst.Kopf.

Nein, der hat nicht  viel mit Kunst zu tun, es sei denn, man leitet Kunst von Können ab. Es ist nur ein Mess-Kopf für Schärfepunkte, Schärfentiefe, Tonwerte und Lichtverlauf, um einen dreidimensionalen Effekt zu verdeutlichen und durchzumessen. Die Messpunkte habe ich manuell mit einem dicken Filzer aufgetragen. Ein 50° Standardreflektor und eine parabolische Softbox waren alles, was ich für die Tiefenwirkung eingesetzt habe.

Keine weitere Bearbeitung, nur RAW Entwicklung. ISO 100, f=9.0/75mm, 1/200 s, Objektdistanz 94 cm, Schärfentiefe ~ 7,5 cm, Blitzleistung ca. 50% bei 1/4000 s.

Beispiele für  konturenlose, flache Ausleuchtungen spare ich mir, die findet man in jeder Knipsbude…

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Unlimited.Shades.Of.Grey.

Der Hintergrund ist da. Er ist doch 295 cm breit und 600 cm lang geworden. Farbe: Mittel/Dunkelgrau. Fast 18 m² mit rund 6 Kilo, das ist ‚mucho‘. Freue ich mich? Und wie!

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Von schwarz bis weiss – alles drin. Im Vorfeld war ich unsicher, ob ein Stoffhintergund ideal ist, aber ich wollte nicht den typisch deutschen, glattgebügelten und ‚clean‘ Hintergrund aus Papier. In Stoff – in diesem Fall reine Baumwolle als Molton – ist Leben drin, was mir sehr gut gefällt. Ein Licht von schräg links etwas von hinten. Nicht von den unterschiedlichen Schatten an den Füssen und den Beinen irritieren lassen – das hat was mit der Grösse der Lichtquelle und der Position der Softbox zu tun.

Somit wäre geklärt, dass ich in der ‚kleinen‘ Werkstatt Ganzkörperportraits machen kann, die dreidimensional und sehr plastisch sind.

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Wenn man das Licht anders setzt, wird er hell, überstrahlt aber nicht und gibt dem Objekt mehr Fokus, trennt die Farben schön. Ich nenne das die Hochsicherheitsbeleuchtung, weil mit zwei Lichtern (Octabox und Reflexschirm) nichts schiefgehen kann – das findet man in den meisten Knipsbuden. Ziemlich sicher, aber auch ziemlich langweilig. Auf der anderen Seiten wären viele Knipsbuden froh, die Details so herausarbeiten zu können. Leute, nur Licht von vorn, womöglich noch im Verhältnis 2:1 oder 3:1, und eventuell eins für den Hintergrund um einen Heiligenschein zu generieren, funktioniert zwar, ist aber total abgelutscht.

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Das Licht etwas anders gesetzt, die Position des Objekts etwas weiter weg vom Hintergrund, und der Hintergrund ist schwarz (Anwenden des ‚inverse square laws‘). Was hier noch fehlt: Der graue Hintergrund in weiss. Kommt aber noch, ich hatte gestern keine Zeit (und keinen Nerv) mehr. Das Licht – hier wieder nur eins – gibt Tiefe und Details, betont die Strukturen. Mir ist das noch einen Tick zu weich – ohne Aussendiffusor wäre es knackiger.

Das einzige Manko bei Selbstportraits: Ich brauche viel Schärfentiefe (hier alles mit f=11), weil mein AF-System bei der Beleuchtung nur bedingt gut arbeitet. Ein AF-Objektiv manuell auf den Punkt stellen und sich dann exakt in dem Fokuspunkt zu positionieren ist aussichtslos. Somit wird ein Objekt an einen Punkt gestellt, per AF scharf gestellt, dann der AF abgeschaltet und los geht es – bei f=11 ist genügend Spielraum innerhalb des Schärfebereichs.

Wenn ich andere Personen ablichte, kann ich die Schärfentiefe auf das Minimum reduzieren und habe dann auch mehr Dampf im System (grössere Blende erfordert weniger Leistung). Ich bin trotzdem überrascht, wie kurz die ‚flash ready‘ Zeiten sind: im Eco-Modus 0,5 Sekunden – für ein portables System ist das höllenmässig gut. Im Speed-Modus 0,1 Sekunden – kürzer als die meisten Studiosysteme. Von 1/4000 Sekunde Blitzdauer bei voller Leistung mit 2 Blitzköpfen träumen die meisten Fotografen. Der Standard bei Studiosystemen liegt zwischen 1/800 bis 1/1200 Sekunde…

Klein.Fein.

Es gibt sie noch, die atemberaubenden Miniaturkameras. Von dieser LeCoultre wurden nur 4.000 Exemplare gebaut. Für mich das interessanteste Feature: Sie bot 3 Möglichkeiten für den Fokus: Schätzen, per Mess-Sucher und per Mattscheibe. So gesehen sind alle später gebauten Kameras die reinsten Krüppel.

Entwickelt hatte die Kamera der Engländer Noel Pemberton Billing, verkauft wurde sie von Compass Cameras in London im Jahr 1937.

Die gezeigte Kamera wurde leider schon auf ebay für US$ 4.490,00 verkauft…

Foto.Alben.

Vor ein paar Tagen habe ich zwei Fotoalben von meiner Liebsten bekommen, die schon viele Jahre überdauert haben:

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Das grüne Album ist schon mal mit hässlichen Buchecken repariert worden. Interessant finde ich, welche handwerkliche Arbeit in die Alben gesteckt wurde. Damals war ein Fotograf noch ein Handwerker, den man ins Haus bestellte, oder zu dem die Familie einmal im Jahr ging, um sich portraitieren zu lassen.

Das war – im Verhältnis zu heute – teuer. Entsprechend selten – und ebenfalls teuer – waren Fotoalben. Sie hatten einen Wert, begleiteten sie die Familie doch über Jahrzehnte, wenn nicht sogar über Generationen.

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Die Vorsatzseiten waren aufwendig gestaltet, ebenso wie der Innenteil mit den Viertelkreis-Stanzungen für Quer- und Hochformat. In vielen Alben steckten nicht nur Fotos, sondern auch gezeichnete Postkarten oder handkolorierte Schwarz-Weiss-Fotos.

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Die Auflage lag irgendwo bei 10 bis 100, wenn ein Fotograf sie lokal in Auftrag gegeben hatte, bei ein paar Tausend, wenn ein Verlag sie fertigen liess. Sie waren keine Massen-China-Ramsch-Ware, Geiz-ist-geil war noch unbekannt.

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Wenn man sich die damalige Drucktechnik vor Augen führt, ist es wirklich erstaunlich, was die Menschen damals mit ihrer Handwerkskunst vollbracht haben.

Es ist schade, dass nur noch wenige derartiger Exemplare den Sprung in die Neuzeit geschafft haben. Ich werde sie mit ein paar alten Fotos meines Grossvaters füllen und ihnen wieder Leben einhauchen.

Grün.Gold.

Schreibutensilien. Mehr Schwarz, weniger Weiss. Noch weniger Grün, wenig Gold. Trotzdem noch Details in den dunklen Partien durch das Licht von hinten links. Weiche Schatten durch das Licht von vorne rechts. Die Brillengläser reflektieren einen weissen Gegenstand, der durch die Antireflexbeschichtung grün wird.

Schärfentiefe 5,6 Zentimeter bei f=9.0, t=1/200, Blitzdauer 1/4000 – Studioblitz mit 2 Köpfen an einem Generator. Distanz zum Objekt 75 Zentimeter.

Ein alter rotring 600 Stift mit Gel-Mine. Der einzige Stift, der nie vom Tisch rollte. Schwer, solide – komplett aus Metall gefräst. Unkaputtbar, vererbbar. Ab und an ein Tropfen Ballistol auf die Feingewinde, und das Wechseln der Minen geht blitzschnell. rotring – das Original – wurde 1998 an Rubbermaid in den USA verkauft, weil damals jeder heiss auf internationale Märkte war. Der rotring im Bild stammt aus dem Jahr 1992 – ein ‚Schätzchen‘ für Saurier, die Präzision lieben und am oberen Ende keinen Gummistöpsel für die Bedienung einer Touch Screen brauchen.

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Werk.Zeug.

Grosses Licht (ein einziges Licht: Softbox ganz nah dran), schwarze Box, Silberreflektor. Einmal richtig die Belichtung gemessen und fertig.

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Sieht einfach aus, ist es auch, wenn man weiss, was man macht. Einziges Problem ist die Schärfentiefe. Hier f=11, f=16 wäre noch besser gewesen, aber mir kam es auf die Lichter und Details sowie die eingeschlagenen Grössen an, deshalb ist der Flugrost eher von marginaler Bedeutung. Obwohl es knackig ist, ist es ‚leises‘ Licht, wie ich es nenne, weil der Tonwertumfang gross ist. Nachbearbeitung minimal um Unebenheiten im Untergrund zu retuschieren, eine kleine Änderung an den Kurven (leichtes anheben der Mitteltöne), fertig. Da ist Dimensionalität drin – die Staffelung der Objekte ist dreidimensional.

Metall und glänzende Oberflächen… Hohlkehle nach hinten hochgezogen, links und rechts schwarze Abschatter, Softbox von hinten oben ca. 30° nach vorn geneigt, von vorn unterhalb des Objektivs einen Silberreflektor (Einfallswinkel = Ausfallswinkel), der nicht 100%ig korrekt gekippt sein muss, weil er – leicht knitterig wie er ist – brutal streut. Aber nicht, weil seine Oberfläche streute, sondern weil er weiches Licht reflektiert. Fragt sich nur, woher das Licht aus der Softbox kommt – Stichwort ‚feathering‘ – das sollte man schon wissen oder noch besser: sehen… An der 8ter-Nuss in der Mitte sieht man den hellen Streifen besonders schön – das bringt Leben in die Details.

Und jetzt das gleiche nochmal mit Chrom… ja, wird irgendwann kommen.

Kodachrome.Wiederbelebt.

Das lässt die Herzen vieler Fotografen höher schlagen: Kurz nachdem Kodak Alaris bekannt gab, den Ektachrome 100 wieder zu produzieren, folgte jetzt die Ankündigung, dass Kodak eventuell den Kodachrome wiederbeleben will.

Das würde Sinn machen, denn es fallen keine Kosten für Forschung und Entwicklung an, und der Film ist einfach legendär und gut für alle Fotografen, die wissen, was eine präzise Belichtung ist.

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Photo by pittaya via Flickr. Used under CC license

Sieht so aus, als würde Film wieder ‚gesellschaftsfähig‘ werden. Offenbar merken immer mehr Menschen, dass Pixel allein nicht unbedingt glücklich machen. Ich würde mich sehr freuen, vor allem, wenn beide für meine modernen 6×9 Fujis als 120er Filme angeboten würden. Lieber 8 starke Fotos pro Film als 600 lausige mit einer Digiknips in einer Stunde…

Irritationen.Props.

Wenn ich die Galerien diverser Fotostudios ansehe, stutze ich in den meisten Fällen und wundere mich. Abgesehen davon, dass die Skalierung einer Browser-Engine nicht 100% sauber ist und somit leichte Unschärfen auftreten, haben sehr viele Fotos nur eine hauchdünne Schärfentiefe. Ein Auge ist noch scharf, das andere, meist das hintere, ist schon in der Unschärfe.

Wie kann das sein? Ist das eine Mode-Erscheinung, oder fehlt einfach das Licht, sodass mit weit aufgerissener Blende gearbeitet werden muss, oder macht es den Menschen Spass, auf unscharfe Portraits zu schauen? Oder – ganz schlimm – haben sich die Menschen schon so sehr an lausige Aufnahmequalität gewöhnt?

Ich weiss es wirklich nicht.

In der Werkstatt bin ich wieder etwas weiter. Der Hintergrund ist fast fertig. Die Stative und die Traverse sind da. Höhe 2,90 Meter, Breite 2,50 Meter, Länge 5,00 Meter. Warum keinen Standard mit 3 Meter Breite? Ganz einfach: Das wird ein Transportproblem werden, wenn ich mit dem Hintergrund zum Kunden fahre. 2,50 Meter passen mit etwas Drücken noch in das Auto, längere Teile würden hinten raushängen und müssten mit einem roten Fähnchen versehen werden. Im kalten Winter ist das nicht sonderlich prickelnd.

Die ersten ‚Props‘ sind da. Organza in rot, Metallic-Stoffe in silber und blau. Dazu Gaze-Stoffe in weiss, kleine Deko-Teile. Jetzt suche ich noch ein paar Hüte, soll heissen: Ich werde über die Flohmärkte streifen.

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Ausnahme.Aufnahme.

Das Resultat einer Spielerei am Anfang des neuen Jahres. Schwarz/Weiss. Eigentlich passt das nicht zusammen, ich und keine Farbe, in diesem Fall aber irgendwie doch. Hm. Die Augen erinnern mich an das afghanische Mädchen von Steve McCurry. Eigentlich sollten die Augen des Modells immer dorthin schauen, wo die Nase hinzeigt. Eigentlich. Aber als Fotograf muss man ja aufpassen, ob die Blende vor dem Auslösen geschlossen wird 😉

Im Prinzip ist das ein Rembrandt-Licht. So nennen es die Amerikaner. Passt aber nicht ganz, weil meine Wangenknochen zu stark ausgeprägt sind. Shit happens. Vielleicht noch ein wenig abnehmen, dann kommt das kleine, helle Dreieck auf den Wangen zum Vorschein. Alte Kameras wie meine Arca Swiss haben einen Faltenbalg. Bin ich auch schon einer? Humor ist, wenn man über sich selbst lachen kann…

So spannend es ist, etwas mehr Farbe liegt mir mehr.

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