Farb.Los.

Es gibt Sommertage, an denen der Himmel bewölkt ist und alles grau(sam) aussehen lässt. Das Licht nimmt die Farbe aus der Welt — perfekt, um eine tiefe Depression zu bekommen.

Wenn man dann noch in einer Kleinstadt (Achim an der Weser) ist, wo grade ein grosses Fabrikationsgebäude zerlegt wurde und der Bahnhof eh schon grau ist, fühlt man sich wie am Ende der Welt.

Das war mal eine Brotfabrik — erst die Achimer Brotfabrik, später Lieken:

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Der nicht kontrollierte Teil des Zauns wird schon wieder mit nerviger und hässlicher Werbung zugeballert:

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Die Tristesse von oben:

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Etwas bunter wird dann der Zugang zu den Bahngleisen:

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Und der Ausgang zur Strasse:

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Taucht man aus dem Untergrund wieder auf, regiert wieder das Grau(en). Man möchte fast in den Zug nach »Norddeich Mole« einsteigen, um der Tristesse zu entfliehen:

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Dann kommt ein Farbklecks — die NordWestBahn:

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Dann der nächste, Richtung Nordsee:

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OK, zu lange gezögert, Chance verpasst. Ab zum Ausgang. Auf dem Schild blättert bereits die Farbe ab:

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Rauf in die ehemalige Stadt der Zigarrenmacher. Immer noch farblos:

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Als Sahnehäubchen dann Geschäftsaufgaben — es steht eh schon jeder zweite Laden leer, der Rest teilt sich auf in die berühmten Shisha Bars, Dönerbuden und Wettbüros. Die Stadt ist fast tot und wird nur noch künstlich beatmet:

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Achtung: Räumungsverkauf…

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Einzig der Juwelier sorgt mit seinen Blumen für einen willkommenen Farbklecks, kommt jedoch gegen das Grau(en) des Tages nicht an:

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Auf der Litfaßsäule, die sicher schon mal bessere Tage gesehen hat, nur Werbung für einen Öko-Markt und Ablenkungsveranstaltungen von der Tristesse:

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Also runter zum Hafen. Nein, auch dort wird es nicht bunter oder fröhlicher:

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Es fühlt sich alles so verlassen an:

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ALLE FOTOS © 2019 BY JENS G.R. BENTHIEN

Fazit des Samstagnachmittagsausflugs in der Stadt Achim: Es gibt fröhlichere Tage mit schönerem Licht und lebendigeren Städten… Seit 15 oder 20 Jahren geht es mit der Stadt rapide bergab. Die Bürokraten haben bereits diverse Beratungsunternehmen verschlissen, um die Kurve zu bekommen. Ich hatte vor Jahren starke Fotos von der damals noch lebhaften Innenstadt gemacht. Als die Fotos fertig aber noch nicht abgeliefert waren, fiel den Bürokraten ein, dass sie meine Rechnung nicht bezahlen wollten. Wenn demnächst nicht das neue Amazon-Auslieferungslager dort gebaut würde, wäre die Stadt am (bürokratisch verdienten) Ende.

Rollei 35 S, Kodak Gold 200, Watameter II, Scan @ 4.000 ppi @ 16/48 bit, ohne Stativ. Die Kamera ist zurzeit in der Überholung in der Fachwerkstatt bei Paepke Fototechnik in Düsseldorf.