Frei.Burg.

Nee, nee, nicht das, was Sie jetzt denken. Nicht die Stadt mit den Studenten im Breisgau im Süden der Republik. Sondern das Original im Norden. Op Platt (Auf Plattdeutsch): Fryborg.

Sie wissen nicht, wo das liegt? OK, »hier werden Sie geholfen« — der rote Punkt ist es:

lage_freiburg_elbe.jpg

Ganz oben im Norden Niedersachsens, rund 28 Kilometer nördlich von Stade und 90 Kilometer nordwestlich von Hamburg, im Kehdinger Land.

Kehdinger Land: Schalten Sie einfach mal 2 Gänge zurück und Sie sind angekommen. Die ganze Region ist etwas aus der Zeit gefallen, hier ist es noch wie früher. Ohne Hektik, ohne Überholspur, mit Kopfsteinpflaster- oder Klinkerstrassen, ganz selten Bürgersteigen, aber hübschen Häusern und liebevoll gestalteten Gärten. Beschaulichkeit! Was Sie nicht finden: Fette Aussenwerbung und dicke Plakate oder »Citydisplays«, Mega-Events mit Millionen Besuchern oder organisierte Bespassung. Kehdingen ist halt »Ein Land zum Leben« wie es so treffend heisst.

Das ist einer der vielen Gründe, weshalb hier so viele Menschen aus dem Rest der hektischen Republik Urlaub machen oder sich ein Häuschen oder eine Wohnung mieten, denn hier ist »Ruhe im Karton« und durch den frischen Wind von der Nordsee immer gute Luft. Feinstaub? Gibt es hier nicht. Greta auch nicht. Willkommen im »Früher«.

_DSC0388_blog.jpg

_DSC0391_blog.jpg

_DSC0392_blog.jpg

_DSC0393_blog.jpg

_DSC0394_blog.jpg

_DSC0395_blog.jpg

Freiburg hat — logisch — auch ein Wappen, natürlich mit einer Burg:

Wappen_FreiburgElbe.jpg

Laut Wikipedia liegt Freiburg 2 Meter über Normal Null, also immerhin höher als viele Landstriche in Ostfriesland oder Holland. Trotzdem gibt es Richtung Elbe ein Sperrwerk mit einem 8 Meter breiten Durchlass, das geschlossen wird, sobald starker Westwind aufkommt und die Flut höher steigt als normal, denn sonst würde die Region in dem Fall recht schnell unter Wasser stehen.

Ein fast 2 Kilometer langer Priel (natürlicher Wasserlauf im Watt) verbindet Freiburg mit der Elbe, die an der Stelle rund 2,6 Kilometer breit ist.

Was kann man in Fryborg machen? Nun, zum Beispiel am Hafen oder auf dem Deich die Seele baumeln lassen und weit gucken. Mit dem Fahrrad fahren. Ins Moor oder zur Insel Krautsand mit einem 4 Kilometer langen Strand mit feinstem, hellen Sand. Richtig gut essen kann man »da oben« auch.

_DSC0396_blog.jpg

_DSC0399_blog.jpg

Weiterhin gibt es in Freiburg die Hatecke Werft, die unter anderem die Börteboote für Helgoland gebaut hat. Die Chancen sind gross, dass Sie eins der Boote entweder im Hafen oder vor der Werfthalle liegen sehen.

_DSC0397_blog.jpg

_DSC0400_blog.jpg

Es gibt kleine Strassen mit Cafés, den historischen Kornspeicher, die St.-Wulphardi Kirche und weit draussen einen modernen Radarturm. Das war es dann auch — perfekt, um ein Wochenende oder einen Kurzurlaub zum Abschalten zu geniessen.

_DSC0402_blog.jpg

ALLE FOTOS © 2019 BY JENS G.R. BENTHIEN

Dass das Kehdinger Land etwas aus der Zeit gefallen erscheint, liegt sicher auch an der Infrastruktur: es gibt keine Autobahn dorthin. Ab Stade tüddeln Sie durch kleine Dörfer, schnell fahren können Sie dort kaum, denn kurz nachdem Sie ein Ortsende Schild hinter sich gelassen haben, leuchtet bereits das nächste Ortschild am Strassenrand auf. Die Orte bestehen meistens nur aus einer Hauptstrasse und vielen Nebenstrassen. Wenn Sie Glück haben, finden Sie mal eine Ampelkreuzung, wenn Sie Pech haben finden Sie zwei davon.

Immer daran denken: Es gibt in den Orten viele Radargeräte, also Fuss vom Gas. Auch wenn die Entfernungen kurz sind, sollten Sie sich viel Zeit nehmen. Siehe oben: 2 Gänge zurückschalten. Mit »schnell mal eben« geht dort nichts. Weitere Informationen gibt es hier.

Noch was:

Uk wenn du plattdütsch snacken wullt, bis du bi uns richtig. “Wi verstoht Platt”. Sagte der Samtgemeindebürgermeister Edgar Goedecke.

Wenn Sie das nicht verstanden haben, macht das nichts, denn die Kehdinger sprechen auch sehr gut »Auswärts« (=Hochdeutsch). Nördlich der Autobahn A1 ist eben alles etwas anders…