Die Wahrheit…

… ist häufig schmerzhaft, aber Karl Taylor hat sie wunderbar auf den Punkt gebracht:

Ich habe hier viele Fotos gepostet, die ich mit ‘alten’ filmbasierten Kameras aufgenommen habe. Die waren alle problemlos in dem Sinne, dass ich mich nach der Aufnahme nur noch um eine simple Digitalisierung kümmern musste. Die digitalen Fotos haben mir von Anfang an Kopfzerbrechen bereitet, weil sie keinen Ursprung und keinen Standard haben (mehr zum Standard irgendwann einmal).

Wer eine Vision, eine Idee und ein Konzept hat, kann die stärksten Fotos mit einer Einwegkamera machen, wenn er stets zur gleichen Zeit das – wie ich es nenne – Zauberlicht nutzt, das wir in Nordeuropa früh morgens oder früh abends haben. Wer keine Vision hat, schafft das nicht annähernd so gut mit einer Hasselblad, Sony 9, Nikon D850 oder PhaseOne. Das ist Fakt.

Wenn es jemand schick findet, leere Supermarktparklätze zu dokumentieren, so what? Er hat wenigstens ein Konzept, sehr im Gegensatz zu den Millionen Foto-Foren-Teilnehmern, die sich in technischem Blödsinn ergiessen und keine Ahnung haben, weil sie eben keine Fotografen sind.

Dazu gehört natürlich Wissen und Erfahrung. Von beidem möglichst viel, d.h. 10 Jahre sollten es schon sein (siehe auch ‘Überflieger‘).

Kürzlich hatte ich von einer Diskussion gehört, wie viele Blitze man für ein Portrait braucht. Die Antworten lagen bei ‘mindestens 3’ bis ‘mindestens 5’ – in etablierten Studios, wohlgemerkt. Und dann kommt jemand wie ich daher und macht Portraits mit einem Blitz. Wumm. Warum? Weil ich Licht sehen kann. Ja, ja, ich höre schon die Stimmen, die da sagen, ‘Das kann doch jeder’ oder ‘Das kann ich auch’. Genau, deshalb gibt es auch so viele beschissene Portraits, um es mal ganz deutlich zu sagen. Denken Sie an die 10 Jahre… so lange brauchen Sie, um Licht wirklich zu sehen und kreativ einzusetzen. In der Architektur- und Industriefotografie haben Sie auch nur eine einzige Lichtquelle, die Sonne. Da lernen Sie sehr schnell, Licht zu sehen und umzusetzen, weil Sie der Sonne nicht sagen können: Hey, geh noch mal zurück auf Los (=Sonnenaufgang)…

Wenn Sie dann Licht sehen können, spielt es keine Rolle, ob Sie draussen oder drinnen arbeiten. Wer drinnen lernt, wird draussen grosse Probleme haben, ist klar, oder?

Also, ran an ein Konzept, dann die Kamera nehmen und Fotos machen. Es ist egal, welche Kamera, denn alle Kameras sind identisch aufgebaut: Ein lichtdichter Kasten, ein Lichteinlass (Loch oder Objektiv) und ein Medienhalter. Aus die Maus. Der Rest ist Physik, Licht, Ideen und Ausdauer.

Noch ein Tip: Sie müssen nicht jedes Mal auslösen, wenn Sie denken, Sie hätten ein Motiv. Gehen Sie einfach mal durch die Szene, um das Objekt oder Modell, sehen Sie gegen das Licht, drehen Sie sich um: Die Welt hinter Ihrem Rücken ist häufig spannender als die Welt vor Ihren Augen.

Nur so zum Spass: welche Fotos wurden mit einer ‘Vollformat-Profi-DSLR’ und welche mit alten Kameras und Diafilm gemacht?

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FOTOS © 2018 BY JENS G.R. BENTHIEN
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