Härte.Fall.

Die meisten Digitalkameras haben einen Tonwertumfang von rund 10 EV, ein paar wenige von 12 EV. Die Modelle zum Preis einer Eigentumswohnung bis zu 14 EV.

Auf dem Papier.

Diafilm hat einen Tonwertumfang von maximal rund 7 bis 8 EV.

Negativfilm – besser gesagt Farbnegativfilm – hat von Haus aus einen Tonwertumfang von 14 bis 15 EV, s/w bis 19,5 EV wenn er entsprechend entwickelt wird.

In der Realität.

Bei einem Farbnegativfilm die Lichter ‘wegfliegen’ zu lassen, erfordert schon erheblichen Aufwand. Bei Digital und Diafilm ist das einfach: Ein EV mehr, und in den Lichtern ist keine Zeichnung mehr zu sehen.

Warum hat Farbnegativ diese Eigenschaft? Um es kurz und leger auszudrücken: Es erfordert enorm lange Belichtungszeiten, den Film komplett zu schwärzen. Huh? Richtig, die Lichter werden negativ dargestellt, d.h. dunkel, die Schatten dagegen hell.

Drehen Sie einfach die Werte für den Negativfilm in der oberen Grafik (Linear) um:

ETTR.jpg

Ein Sensor (untere Grafik) hingegen erfasst die grösste Bandbreite in den ersten 3 Stops (=Blenden) in den Lichtern (exponentiell), ein Negativ dagegen von ‘unten’ (linear).

Deshalb soll man Digital immer nach der ETTR-Methode arbeiten. Angeblich. Weil beim Anheben der Schatten sonst Rauschen entsteht, und die Tonwerte trotzdem nicht differenziert genug wiedergegeben werden: Wo keine Breite ist, gehen Informationen verloren. Wenn man jedoch permanent mit der ETTR-Methode belichtet, wird auch eine Dämmerungsaufnahme taghell, und das ist sicher nicht Sinn der Sache. Der ETTR-Methode stehe ich sehr kritisch gegenüber, weil niemand auf dem kleinen Mäusekino der Digitalkameras die kleinen Spitzen der Lichter ganz rechts erkennen kann, was zur Folge hat, dass die Zeichnung in den Lichtern komplett weg ist.

Links eine normale Belichtung, rechts die angeblich ‘bessere’ ETTR. Dass damit die Helligkeitswerte enorm verschoben werden, ist offenbar noch niemandem aufgefallen.

histograms.jpg

Ein Negativfilm ist dagegen fast linear (leichte S-Kurve). Kurz: Wenn ich mehr Tonwerte ‘einfangen’ kann, habe ich mehr Details zur Verfügung. Will ich den Tonwertumfang reduzieren, geht das problemlos, indem ich ihn – leger gesprochen – zusammendrücke. Umgekehrt geht es nicht: Habe ich nur 7 EV, kann ich keine 14 daraus machen.

Ich will das mal verdeutlichen: Wenn ich einen Eimer mit 10 Liter rotem Wasser fülle, kann ich den Inhalt problemlos auf 5 Liter reduzieren – die Farbe ändert sich nicht. Habe ich nur noch diese 5 Liter rotes Wasser im Eimer, kann ich das Volumen nicht auf 10 Liter vergrössern, weder durch kochen oder ziehen oder rühren… Beten hilft auch nicht. Wenn ich nur Wasser hinzufüge, wird alles zusammen – genau – schweinchenrosa.

Negativfilm nur gescannt:

scan_180707_0026N_00_00_blog.jpg

Sättigung +20, Kontrast + 5:

scan_180707_0026N_20_05_blog.jpg

Sättigung +30, Kontrast +10:

scan_180707_0026N_40_10_blog.jpg

Die Schatten laufen langsam zu, die Lichter bleiben entgegen den Erwartungen erhalten. Nehmen Sie einfach die letzte Variante und versuchen Sie, daraus die erste zu machen. Wird nicht funktionieren.

Die Histogramme dazu von links nach rechts entsprechen der Bildfolge von oben nach unten:

histograms_metronom_blog.jpg

Wir wir früher sagten: Von einem harten Negativ (oder Dia) kann man keinen weichen Abzug machen. Und jetzt viel Spass beim Basteln.

[Nachtrag]

So sieht ein normal belichtetes Foto aus:

scan_180707_0012N_blog.jpg

Und so ein nach ETTR belichtetes:

scan_180707_0012N_histo_01.jpg

Die Histogramme dazu: links das normale, rechts das ETTR:

histrogram_wassermuehle.jpg

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Dieses Video erklärt die Zusammenhänge sehr gut:

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