Ammen.Märchen.

Wie oft habe ich gehört, dass ‘man’ ein Negativ nicht so gross vergrössern kann wie ein digitales Bild – ich weiss es nicht mehr, weil ich nicht mitgezählt habe. Und wie oft habe ich darüber gelesen, dass Negativfilm nicht für grosse Vergrösserungen geeignet sei…

Glauben Sie das auch? Dann müssen Sie jetzt Sie ganz stark und tapfer sein. Zum Sommeranfang 2018 hatte ich zwei fast identische Aufnahmen gemacht, einmal mit der grossen Digi, einmal mit der Rollei 35S und einem Kodak Portra 160.

Das Motiv:

scan_180805_0001N_glass_blog.jpg

Die beiden Ausschnitte mit 800% Ansicht:

digital_100_ISO_vs_portra_160.jpg

Den Scan vom Negativ musste ich in der Ansicht etwas mehr vergrössern (886% statt 800%), damit die Abbildungen identisch sind (Das Format des Scans ist 5596 x 3730 pixel, das Digi ist 5953 x 3968 pixel).

Der Scan vom Negativ ist weicher und hat mehr Zwischentöne, das Digi ist recht hart. Der Scan hat in diesem Ausschnitt nur 3 Pixel ohne Zeichnung, das Digi 18. Die dunklen Bereiche des Digi haben kaum noch Details.

Die blaue Fläche des Digi ist in grossen Bereichen unnatürlich homogen – so kommt das im Chaos der Natur nicht vor. Die Farben des Digi sind knackiger, in den Rädern sieht man noch sehr deutlich die schwarzen Ringe, allerdings ohne Details. Dass da noch was drin ist, sieht man auf dem Scan.

Ganz deutlich sind die Treppchen des Digi-Bildes, obwohl der Scan um 10% mehr vergrössert wurde.

Der Tonwertumfang des Digi-Bildes ist erheblich kleiner als der des Negativfilms, obwohl ich versuche, das Maximum herauszuholen, indem ich die Konvertierung ohne Änderungen durchführe.

Nun rechnen wir mal. 5.596 pixel x 8,86 = 49.580 pixel ./. 300 pixel per inch = 165,27 inch ./. 2,54 = 419,78 cm. Die gleiche Berechnung für die Höhe ergibt 279,8 cm. Das heisst, dass das, was Sie hier aus einem extrem kleinen Betrachtungsabstand (ca. 30 cm) auf dem Monitor sehen, einem Ausschnitt aus einem mit 300 dpi gedruckten Bild im Format von rund 4,20 x 2,80 Meter entspricht. So nah würden Sie nie an ein Bild der Grösse herangehen.

Machen Sie mal einen Test: Platzieren Sie das Vergleichsbild in der Mitte des Monitors und gehen Sie 5 bis 6 Meter nach hinten (Das ist der optimale Betrachtungsabstand für dieses Format). Was sehen Sie jetzt? Das Negativ ist zu weich? Dann schärfen Sie es nach und erhöhen den Kontrast. So zum Beispiel:

digital_100_ISO_vs_portra_160_02.jpg

Ist das der Punkt, warum viele Menschen sagen, es würde so sehr nach Plastik aussehen? Klar, das Spielzeugauto ist aus Plastik, aber irgendwie zu glatt.

Ganz schön gross, oder? Wahrscheinlich haben Sie noch nie so gross drucken lassen (ich auch nicht). Deshalb stellen Sie sich mal vor, sie würden das Bild nur in einem Format von 60 x 40 cm oder 90 x 60 cm mit einem Belichter wie dem LightJet oder Lambda drucken lassen – was würden Sie da aus einem Betrachtungsabstand von sagen wir mal 80 cm respektive 100 cm, dem jeweils optimalen Betrachtungsabstand, sehen?

Wie war das doch gleich nochmal: Kleinbild oder 35 mm Negative kann man nicht gross drucken lassen wie ein Digitalbild, weil das Korn viel zu grob ist? Wer auch immer das Gerücht in die Welt gesetzt hat, hatte nicht nur einen Korn zu viel intus, sondern täglich eine Flasche.

Was zu beweisen war. Holen Sie ihre Schätzchen aus dem Schrank, legen einen Film ein und freuen sich über das Leben. Es lohnt sich.

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