Film.Gold.

Jetzt habe ich fast den ganzen Sommer mit den kleinen Kameras und Film fotografiert. Zuerst mit dem Kodak Gold 200, später mit dem Portra 160.

Ich wollte wissen, worin sich beide Filme unterscheiden. Fangen wir mal beim Preis an: Den Kodak Gold 200 mit 36 Aufnahmen gibt es im Dreierpack bei Rossmann für 7,95 €, den Kodak Portra 160 bei Calumet Photo für 7,49 € pro Stück. Das heisst, dass ich für den gleichen Preis drei Mal so viel Film bekomme, wenn ich den Kodak Gold 200 wähle.

Aber da ist noch mehr. Der Portra 160 hat ein feineres Korn als der Gold. Beide haben groberes Korn als ein Diafilm, das ist klar.

Die Farben sind etwas zurückhaltender, um nicht zu sagen ‘natürlicher’. Wobei der Gold in diffusem Licht ähnliche Eigenschaften aufweist. Belichtet man ihn hingegen in der Sonne bei blauem Himmel, werden die Farben etwas satter, aber nicht buntig.

Den Gold 200 bekomme ich in jedem Drogeriemarkt, d.h. ich muss mir keinen Karton auf Lager legen – sehr praktisch. Den Portra 160 kann ich in meiner Umgebung (Fotohändler in Bremen) nicht unter 12 € kaufen, ansonsten muss ich ihn bestellen, was manchmal eine Woche Lieferzeit beinhaltet.

So sehr ich für professionelle Filme bin, so gering sind die Unterschiede für mich, zumal es sich um 35mm Film handelt – da ist eh irgendwann eine Grenze erreicht.

Den Gold 200 habe ich mal mit richtig gutem Licht belichtet, und siehe da, dann ist das ‘Korn’ kaum merklich grösser als beim Portra. Bei dunklen Szenen gehen aber schon mal ein paar Details in den Schatten verloren.

Wenn ich dann lese, dass Vicky Lambert den Gold 200 für ihre professionellen Hochzeitsfotos verwendet, die wirklich sehr emotional und grossartig sind, denke ich, dass ich damit nicht viel falsch mache, zumal mir der ‘Look’ gefällt. Nein, nicht wegen irgendwelcher Bonbon-Farben, sondern weil es ein ‘ehrlicher’ Film für jede Gelegenheit ist. Nur im Studio oder für Aufträge könnte ich ihn nicht verwenden, da es ihn nicht für grössere Formate als 35 mm gibt – manchmal ist die Welt recht simpel gestrickt.

Jetzt kommt das grosse ABER: Man sollte die Filme, wenn man gleichmässige Resultate haben und scannen will, unbedingt in einem Fachlabor entwickeln lassen, z.B. bei Fotolabor Görner oder Studio 13. Niemals bei den Massenanbietern.

Der Gold kommt mit einer sehr guten Auflösung daher. Es würde schwierig sein, ein Objektiv zu finden, das ihn überfordert. Und ja, man kann ihn problemlos um +1 bis +3 EV überbelichten. +1 EV ist meine Standardeinstellung für Negativfilme. Meiner Meinung und Erfahrung nach wird er dadurch sogar noch etwas feiner und gleichmässiger.

Mitzieher am späten Nachmittag mit relativ langer Verschlusszeit:

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Ausschnitt aus einem Hochformat, am frühen Morgen bei wolkenverhangenem Himmel aufgenommen (man könnte es einen ‘Norddeutschen Graustufentest’ nennen):

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Kurz nach Sonnenaufgang mit Dunst über den Wiesen (schon wieder Wolken):

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Ebenfalls morgens, aber ein paar Wochen früher im Jahr, kurz nach Sonnenaufgang, ein Tag ohne Wolken:

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Am Ende des Tages (mit einem Mini-Stativ und Drahtauslöser):

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ALLE FOTOS © 2018 BY JENS G.R. BENTHIEN

Die letzten beiden Fotos hatte ich mit der Minox 35 GT aufgenommen, mit 2-fach sampling digitalisiert und dann auf 60 x 90 cm vergrössert. Die luftig, zarten Grüntöne kommen einfach phänomenal gut rüber, und wenn man nicht mit der Nase an den Druck geht, sieht man das Korn nicht. Ab 60 cm Betrachtungsabstand (mit Lesebrille, sonst sehe ich auf die Distanz nichts) ist das ein perfektes Foto, das ich bedenkenlos verkaufen würde.

Warum sind die Fotos alle am frühen Morgen oder kurz vor Sonnenuntergang aufgenommen? Ganz einfach: Weil ich dann eine der kleinen Kameras dabei habe und die neu entdeckte ‘Leichtigkeit des Seins geniesse’. Sie sind seit ein paar Monaten meine ständigen Begleiter in der Freizeit – ich hatte keine Lust mehr, die schweren Kameras zu schleppen. Und ganz ehrlich: Ich vermisse nichts. An 40 mm respektive 35 mm ohne Wechselmöglichkeit habe ich mich sehr gut gewöhnt. Als ich mit der Fotografie vor 50 Jahren anfing, hatte ich auch nur diese eine Variante zur Verfügung.

Was habe ich mit den Fotos gemacht? Nichts, nur digitalisiert und etwas beschnitten, weil ich beim Scannen immer den Bildrand mit abtaste. Das Digitalisieren geht recht schnell, weil ich je 12 Negative in einem Durchgang scanne – und während der Scanner vor sich hin werkelt, kann ich andere Dinge erledigen. Inzwischen bin ich so weit, dass ich mir einen Ablauf erstellt habe, bei dem ich keine Vorschau der einzelnen Fotos mehr brauche… So einfach kann das Leben sein. Da ist Digital doch aufwendiger.

Morgen werde ich in den Drogeriemarkt vor Ort flitzen und mir zwei 3er-Packs Kodak Gold 200 kaufen. Goldener Film regiert die Freizeitwelt 😉 Und anschliessend geht es direkt zu einem Projekt im Bereich Architektur…

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