Regen.Reise.

Im Juni 2018 war es soweit. Ich musste nach Hamburg. Klar, was da war, oder? Regen! Der einzige Tag in den vielen Wochen…

Am Ottersberger Bahnhof, mit dem Metronom, der an jeder Milchkanne hält:

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(Rollei 35 S mit Kodak Portra 160)

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(Minox 35 GT mit Kodak Gold 200)

Ich hatte mir vorgenommen, nach meinem Termin noch in die Deichtorhallen zu gehen, um eine Ausstellung anzusehen. Es goss in Strömen, aber ich hatte meinen Hut mit der breiten Krempe auf und konnte daher mit der kleinen Kamera Fotos machen, ohne dass der Regen in die Kamera laufen konnte: Ein sehr grosser Vorteil einer kleinen Kamera…

Von der Peripherie ins Zentrum mit der U-Bahn. Der Bahnhof war kurz nach der Abfahrt menschenleer:

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Vor der Oberhafenbrücke ein Dalben, der langsam vom Wetter und Wasser zersetzt wurde, inclusive einem Bäumchen:

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Auf der anderen Seite der Brücke die berühmte Oberhafen-Kantine. Sie steht schiefer als der Turm von Pisa:

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Würde der Turm von Pisa diese Schräglage erreichen, würde er umkippen:

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Gegenüber das Spiegel-Gebäude im Regen:

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Dann endlich das Haus der Fotografie in den Deichtorhallen. Regen und grauer Himmel satt:

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Die Ausstellung mit einem Blick ins Dach:

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Aus der Hand belichtet, ohne Bildstabilisator, Stativ (verboten!) oder irgendwelchen Tricks:

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Geht doch! Man muss ’nur‘ stillhalten, dann funktionieren auch Aufnahmen in schwachem Kunstlicht:

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ALLE FOTOS © 2018 BY JENS G.R. BENTHIEN

Bis auf eine Aufnahme mit der Minox 35 GT alle Aufnahmen mit der Rollei 35S, Kodak Portra 160 mit ASA 100 belichtet, Digitalisierung mit einem Nikon LS 9000 und einer modifizierten Filmbühne @ 4.000 ppi @ 16/48 bit Farbtiefe.

Klar können Sie jetzt sagen, dass Sie das mit einem guten Smartphone besser können. Dann machen Sie es doch einfach und freuen sich über die Würmchen-Muster in den stark komprimierten Bildern (nicht bei den teuren Modellen), wenn Sie das Bild gross drucken lassen. Mit ‚gross‘ meine ich Formate von 90 x 60 Zentimeter.

Ich habe halt mehr Spass und Freude an präziser Mechanik und Chemie, weil es mehr Sinne anspricht als eine glatte Glasoberfläche. Der Duft des Films, wenn ich die Dose öffne, das Einlegen in die Kamera, die Geräusche beim Filmtransport, das Auslösegeräusch mit dem Spüren des Druckpunkts, die manuelle Belichtungsmessung, das Rückspulen des Films, die Überraschung und Freude, wenn der Film aus dem Labor zurückkommt…

38 Aufnahmen (das schaffen diese kleinen Kameras durch den sehr schmalen Steg zwischen den Aufnahmen) sind genug. Abgesehen davon bin ich mit Blende und Verschlusszeit gross geworden – ich beherrsche das im Schlaf. Ausserdem weiss ich, wie ich die Belichtung messen und ggf. interpretieren muss, um das Bild zu bekommen, das ich mir vorgestellt habe.

Der grosse Vorteil einer echten Kamera: ich kann sie normal bedienen und halten, was mir bisher mit keinem noch so guten Smartphone gelungen ist. Vor allem kann ich mit diesen kleinen Kameras grosse Geschichten erzählen, und ich habe einen Ursprung: Das Dia oder das Negativ mit natürlichen und authentischen Farben, die kein Smartphone der Welt so abbilden kann.

Jedes Film-Bild hat einen Wert: Die Investition in den Film, die Entwicklung, das Digitalisieren. Ein Digitalbild hat keinen Wert, es schwirrt durch die berüchtigten Plattformen der Welt, bei Flickr, 500px, Instagram, Fratzenbuch. Aber es ist spätestens am nächsten Tag, meist schon nach wenigen Sekunden oder Minuten, wertlos, weil es eins von einer Milliarde des Tages ist.

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