Hoch.Auflösend.

Yup, da ist sie wieder, die IT8.7 Color Chart zum Kalibrieren. Ich hatte mir etwas Zeit genommen und damit eine Charge Portra 160 kalibriert.

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Der Portra hat einen recht grossen Farbraum (hier die LAB-Darstellung).

Das war der erste Schritt. Der zweite war erheblich zeitaufwendiger: Das Scannen von Negativen mit einer speziellen Glasbühne im Nass-Verfahren, also ‘wet scan’. Nach diversen Tests mit verschiedenen KAMI Produkten habe ich eine Lösung gefunden, mit der ich auch Negative randscharf hochauflösend digitalisieren kann. Die Lösung für Dia-Positive hatte ich ja bereits im Dezember/Januar gefunden. Nur der Prozess mit den Negativen und dem Kami SC wollte nicht so richtig. Jetzt mache ich es mit Kami RC, also quasi nur mit dem Reiniger. Nachteil: ich muss zügig arbeiten. Vorteil: absolute Planlage der Negative, saubere Farben und eine traumhafte Auflösung und Schärfe bis in die Ecken.

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Eine Aufnahme des Wendebeckens am Holzhafen in Bremen, mit dem grössten Getreidespeicher Europas im Hintergrund. Rechts hinten das Verwaltungsgebäude von Lexzau, Scharbau, das schon sehr gross ist, wenn man davor steht. Aber gegen den Getreidespeicher und die Kräne ist es winzig.

Die Digitalisierung ist angelegt für einen Druck auf 3×2 Meter. Das sind Ausschnitte daraus (Simulation, der Druck ist noch besser als die Screenshots):

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Im Druck ist das ‘Korn’ nicht mehr zu sehen. Einfach mal 1,5 Meter vom Bildschirm weggehen, dann ist der Eindruck realistisch. Normalerweise sollte der Abstand 3,6 Meter betragen (=’Optimaler Betrachtungsabstand’). Aber das ist mir zu langweilig, weil das jeder kann. Hier zeigt sich der Unterschied der Systeme. Mit Grossformat und Fachkamera kann der Betrachter näher an das Bild und taucht somit in das Bild ein, weil er es in der gesamten Grösse nicht mehr auf einmal erfassen kann.

Wer mag, darf gern versuchen, das mit einer digitalen ‘Vollformatkamera’ zu erreichen. Viel Spass dabei – der Frust ist vorprogrammiert.

Warum ein filmbasiertes Foto im Druck besser ist und mehr Details als ein digitales Bild liefert, hatte ich mal in einem Artikel zum Thema ‘Look des analogen Bildes‘ beschrieben. Ich hänge die Abhandlung hier einfach mal dran:

Der filmbasierte ‘Look’ ist für uns Menschen angenehmer und besser, weil er auf dem Chaos der Farbpigmente und der Farbzusammenballungen – von Unwissenden und Digitalknipsern gern ‘Korn’ genannt – basiert.

Da wir aus der Natur und somit aus dem Chaos entstanden sind, wurden wir mit Seh-Organen ausgestattet, die sehr spezielle Eigenschaften haben. Abgesehen vom räumlichen Sehen erfassen unsere Augen das Chaos der Natur um uns herum. Unser Gehirn ist so konzipiert, dass es durch die Überlagerung und den Vergleich in Echtzeit Details in absoluter Schärfe herausfiltert, die so per se nicht in der Natur vorhanden ist.

Ein Beispiel: Wir schauen in einer weitläufigen Landschaft in die Ferne. Ganz weit weg sehen wir einen Laubwald und würden Stein und Bein schwören, dass wir jeden Zweig und jedes Blatt erkennen. Das ist aber de facto falsch, denn so hoch können unsere inversen Augen (weil die Sehnerven VOR den Rezeptoren liegen und durch den blinden Fleck ins Gehirn geleitet werden, so dass wir nie richtig scharf sehen können wie beispielsweise ein Vogel) die Details gar nicht auflösen. Die Auflösung produziert das Gehirn aus mehreren Signalen oder Bildern, die übereinander gelagert und dann abgeglichen werden. Huh, mehrere Bilder? Ja, denn wir erfassen niemals nur ein Bild, sondern immer mehrere auf einmal, weil unsere Augen einen permanenten Tremor haben, d.h. sie zittern ganz leicht. Würden sie nicht zittern, könnten wir mit unseren vergleichsweise schlechten Augen kaum Details erkennen können. Ein Vogel kann wegen der direkten Augenkonstruktion (und monokularem Sehen) eine Zeitung auf 200 Meter Distanz lesen – davon sind wir Menschen sehr weit weg.

Kurz: Wir nehmen das Chaos in wahnsinnig vielen Bildern auf, unsere Gehirn erstellt daraus Details. Immer. Seit Jahrtausenden. Jetzt sehen wir ein glattes Digitalfoto und es erscheint uns wie ein Plastikbild. Künstlich. Warum? Weil der ‘eingebaute Algorithmus’ (unser Gehirn) keinen Abgleich mehr fahren kann, da alle empfangenen Bilder identisch sind. Das natürliche Chaos fehlt. Daher sind wir bei Digitalfotos auf eine enorm hohe Auflösung angewiesen, wenn wir grosse Drucke davon erzeugen wollen.

Ein Foto, das mit einer Grossformatkamera aufgenommen, digitalisiert (das Chaos bleibt erhalten) und dann z.B. im Format 3×2 Meter gedruckt wurde, sieht aus sehr kurzer Distanz ‘körnig’ aus. Aus etwas grösserer Distanz (dem üblichen Betrachtungsabstand) sehen wir die Tiefe und die Details in dem Bild, weil unsere Augen wieder das Chaos erfassen und unser Gehirn daraus ein Bild generiert, das mehr und schärfere Details zeigt als ein digitales Bild.

Die meisten Knipser sind der Meinung, dass sie ein filmbasiertes Foto nachschärfen müssen, bevor es gedruckt wird. Das ist so nicht richtig, weil wichtige Details in dem Chaos betont werden, die unser Gehirn während der Verarbeitung nicht zuordnen kann. Ich habe hierfür viele Tests gemacht und Versuchspersonen die Ergebnisse gezeigt. Ungeschärfte Fotos wurden als detailreicher und natürlicher empfunden und bewertet.

Beispiel Architekturfotografie: Ein filmbasierter Grossformatdruck enthält für den Betrachter mehr Details in den Texturen als ein Digitalbild, sehr ausgeprägt bei der Verwendung von Negativ-Film (bei Diafilm ist in den Lichtern zu wenig Zeichnung enthalten).

Diverse Gespräche mit Neurologen und Psychologen haben meine Theorie bestätigt.

Spannendes Thema, das ich hier aber aus Zeit- & Platzgründen nicht weiter ausführen kann.

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