35.Millimeter.

Ich sage jetzt mal: Der Winter ist vorbei. Ich bin auch wieder gesund, es stehen nur noch 2 Untersuchungen aus…

Die letzten Monate habe ich mir sehr viele Gedanken über das Thema Fotografie (für mich) gemacht. Die erste Änderung kam vor 3 Wochen, als meine grosse Digitalkamera zur Reparatur musste (Staub, Öl, Verschlussprobleme, Bajonett verzogen). Verschluss und Bajonett wurden getauscht, der Sensor gereinigt, jetzt läuft sie wieder – nach über 3 Wochen.

Ich wollte in meiner Freizeit nicht mehr schleppen. Und ich wollte auch keine weitere Digicam, auch nicht als ‚Backup‘. Ein weiteres, kleineres System kam nicht in Frage, weil ich keinen Nerv habe, mich mit dem Handbuch und der Kamera über Wochen zu beschäftigen, nur um ein paar Fotos zu machen. Die grossen Fujis wollte ich auch nicht schleppen, für die Freizeit ist 6×9 Film einfach zu schwer. Aber ich hatte ja noch 2 Vollformat-Präzisionskameras im Schrank liegen. Eine stellte sich zickig an – der Verschluss wollte seine Zeiten nicht mehr einhalten. Also eingeschickt zu einem Spezialisten – dort ist sie immer noch in Behandlung. Somit kam das letzte Exemplar zum Einsatz. Unbeschwert das Leben geniessen, keine Objektivkorrekturen machen müssen, weil sie eine Festbrennweite hat, einfach herrlich.

Das ist dabei herausgekommen:

Ein Besuch in Wremen, der Leuchtturm ‚Kleiner Preusse‘

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Mitten in der Pampa steht dort eine riesige Wasserrutsche

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Immerhin liefert sie spannende Perspektiven

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Ein Sonnenbad auf dem Deich ist bei dem Wetter Pflichtprogramm (Nein, ihr Bauch ist nicht so dick, sie hat sich die dicke Wolljacke auf den Schoss gelegt, weil es morgens noch recht frisch war)

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Dort tobt ein Bekannter von uns rum – im Siebhaus in Wremen. Ein idealer Platz im Aussendeich-Gelände direkt neben dem Hafen, mit den besten Fischbrötchen im Umkreis von 300 Kilometern und traumhaftem, selbst gebackenem Apfelkuchen

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Eine Holzbrücke über die Wümme bei mir um die Ecke

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Das gleiche nochmal von der Seite inclusive Anfänger-Fehler (mein Schatten ist mit drauf…)

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Die Wümme-Niederung

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Gegen Abend hatte ich das Glück, einen Ballonstart mit zu erleben. Da konnte die kleine Vollformat gleich zeigen, was sie so drauf hat, und ob sie für Dokumentationen und Geschichten (Neudeutsch ‚Storytelling‘) geeignet ist.

Ist sie!

Es ist Wind aufgekommen, und es steht noch nicht fest, ob die Fahrt stattfinden wird…

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Bevor die Brenner gezündet werden, wird der Ballon einfach mit einem grossen Ventilator aufgeblasen

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In die Gondel passen 7 Passagiere und ein Ballonfahrer hinein. Etwas eng, aber man fährt durch die Lüfte und kann die Welt aus der Vogelperspektive bewundern

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Grösser, höher, schöner. Ohne Werbung geht das nicht. (Man kann bei Rewe Hamburg anrufen und eine Ballonfahrt buchen – die Telefonnumer steht auf dem Ballon.) Die Gondel ist am Landrover befestigt, damit sie während des Befüllens mit Luft nicht wegfliegt

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Jetzt erst kommt der Brenner zum Einsazt

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Plötzlich geht alles sehr schnell, und der Ballon zieht wie wild am Seil

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Dann geht es los – Leinen los und gute Fahrt

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Muss ein erhabenes Gefühl sein!

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Ein paar Tage später bin ich mit dem Rad durch die Wümmeniederung gefahren. Insgesamt 70 Kilometer

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Ein kleiner Bach im Künstlerdorf Fischerhude – die Festbrennweite hat bei offener Blende doch ein ansehnliches Freistellungpotenzial

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Die Kirche in Fischerhude in der Nachmittagssonne

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Ein Wümme-Arm im Nirgendwo

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Ach ja, der Weg führt mal wieder an meiner berühmten Staustufe mit dem Moorwasser (nein, das ist keine Alkoholsorte!) vorbei

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Die Waldorf-Schule in Ottersberg mit ihrer grosszügigen Auffahrt, die allerdings nur für Fussgänger freigegeben ist. Der Tonwertumfang in dieser Aufnahme ist genial! Die Farbe der Zufahrt ist wirklich leicht rosa durch das vom hellbraunen Sand teilweise verdeckte rotbraune Kopfsteinpflaster aus uralten Zeiten

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Ein Feuerwehr-Häuschen in einem verträumten Mini-Dorf. Wieder ein irrer Tonwertumfang… Dieser braun-rosa Boden scheint hier in der Gegend überall zu sein. Dazu noch die braun-rosa Wand und der Eindruck eines schlechten Weissabgleichs ist perfekt .

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ALLE FOTOS © 2018 BY JENS G.R. BENTHIEN

Uihhh, jetzt wollen Sie wissen, welche Vollformatkamera das ist?

Sie ist schon etwas älter… von 1982:

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Eine Minox 35 GT mit dem Color-Minotar 1:2.8/35mm (da sind sie wieder, die 35 Millimeter!). So klein wie eine Handfläche (zum Vergleich ein Notizbuch im Postkartenformat DIN A6 und ein Stück 35mm Film). Alles noch im Originalzustand, mit Ledertasche (‚Bereitschaftstasche‘ – blöder Begriff in Deutschland).

Oben drauf ein Entfernungsmesser nach dem Triangulationsprinzip. Früher (ja, ja, ich weiss…) waren die der Standart. Meistens als Zubehör, selten bereits eingebaut. Das Objektiv ist über alle Zweifel erhaben, wenn man richtig fokussiert – immerhin wurde es damals von Leitz (heute Leica) gerechnet. Schätzen im Nahbereich bis 6 Meter ist Murks, deshalb der Entfernungsmesser. In diesem Fall ein Medis, Made in Germany (als das noch ein Qualitätsmerkmal war). Aber: Der ist brandneu, erst heute eingetroffen. Leicht verstellt, was nach den vielen Jahren normal ist. Wofür habe ich Feinmechaniker-Werkzeug? Eben!

Für die Aufnahmen oben hatte ich noch einen ‚human rangefinder‘ auf einer Pappkarte im Visitenkartenformat benutzt:

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Wer mehr dazu wissen will, klickt hier und setzt sich mit der Physik auseinander. Somit kann ich die f=2.8 wirklich nutzen, wenn ich freistellen will. Wie auf dem Foto mit den Blättern, das man eigentlich in einem grossen Format sehen müsste. Hier ein 1:1 oder auch 100% Ausschnitt aus einer Druckdatei 60×40 cm:

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Bevor jetzt wieder ein Pixel-Pooper über die Körnigkeit herzieht: Im Druck ist kein Film-Korn zu sehen.

Das ist der Ausschnitt – wie gesagt, wir sprechen hier von 60 x 40 Zentimeter Druckformat:

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Übrigens hat Eduardo Pavez Goye das gleiche ‚System‘ und macht damit traumhafte Aufnahmen in New York:

Wer jetzt meint, das wäre Fummelkram, hat die Fotografie noch nicht verstanden. 

Wenn Sie noch eine Minox 35 haben und wieder zum Leben erwecken oder einfach nur checken lassen wollen: Minox und Hüble bieten immer noch einen Super-Service für Minox an.

Der Film war ein 8 Jahre alter Kodak Elite Chrome, der nach der Einstellung vor 6 Jahren jetzt wieder von Kodak Alaris zum Leben erweckt wurde. Für einen Diafilm hat er einen verdammt grossen Tonwertumfang. Ich hoffe, dass es ihn demnächst auch in Europa wieder geben wird.

Der Medis passt auch wunderbar auf die Rollei 35S, die derzeit noch in Reparatur ist. Die Kamera wird – ebenso wie die Minox – mit in den Urlaub genommen.

 

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