Papier.Werk.

Am Sonntag war es soweit: Wir haben auf ‚Tauschendschön‘ in Bremen ausgestellt. Die Gruppe PAPIERWERK mit Seth (Illustration + Props), Günter (Druck + Kunst), Sieglinde (Buchbinderei und Buchgestaltung) und mir (Fotografie).

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Um 8:00 Treffen in der Werkstatt, einladen, ab zur Messehalle und Aufbau unseres 10-Meter Gemeinschaftsstands. Die Tische hatten wir bereits am Samstag von der Firma Kampen geliehen, die einen Super-Service haben und nicht in irgendwelchen höheren Sphären schwirren.

Was uns alle an der Messe störte: Der Veranstalter hatte etwas davon gefaselt, dass jeder Aussteller persönlich begrüsst und zu seinem Stand geleitet wird. Die Realität sah anders aus: Ein komplett überlasteter Mitarbeiter am Haupteingang, der einen A4-Plan hatte, in dem die Namen in ca. 3 Punkt Schriftgrösse (unlesbar) eingedruckt waren. Die Messehallen ziemlich verdreckt (an den Wänden und Säulen jede Menge Spinnweben und Dreck – kann denn da niemand mal mit einem Piassava-Besen langgehen?), keine Mülleimer, keine Aschenbecher vor den Messehallen, die Toiletten komplett verdreckt. So sehr verdreckt, wie ich es noch nie vorher gesehen hatte… Man bezahlt also in Deutschland dafür, dass man in ein Dreckloch gesteckt wird (so könnte man es sehen).

Unser Messestand lag an einer strategisch günstigen Position, wir waren guter Dinge. Kurz vor 11:00 wurden die ersten Besucher in die Messehallen gelassen.

So stellten wir uns dar:

Von links nach rechts der Stand von Günter, Sieglinde, Seth und mir.

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Hier fehlte Seth noch, weil sie sich erst umziehen musste

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Ein atemberaubendes Zeichentalent… Von einem Smartphone-Foto zeichnet sie ein Gesicht!

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Günter beim Holzschnitzen

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Es ist nicht nur die Kunst, sondern auch die Drucktechnik, die Günter so einmalig macht

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Die Initiatorin des Gemeinschaftstands beim Erklären Ihrer Produkte vor mässig interessiertem Publikum

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Als gegen Mittag immer noch kein Durchbruch zu spüren war, bin ich zu den anderen Ausstellern gegangen. Alle waren enttäuscht: Viel zu wenig Umsätze. 99% der Besucher waren selbst 2 Euro noch zu viel. Bremen halt – Geiz ist obergeil. Die Einzigen, für die sich die Messe gelohnt hat, waren die Grossmarkt Bremen GmbH und der Bratwurststand zwischen den Messehallen. Alle anderen Beteiligten hatten draufgezahlt und nicht einmal die Standgebühren herausbekommen.

Für uns war das fast ok, denn es war das erste Mal, das wir einen Gemeinschaftsstand hatten, und unser Ziel war die Präsenz vor Ort.

Wir haben daraus sehr viel gelernt. Nochmal werden wir das nicht machen. Wenn, dann höchstens auf einer Messe, die von den Besuchern Eintritt verlangt, mit konkreten Besucherzahlen aufwarten kann und den Ausstellern mehr und besseren Service bietet. Ausserdem mit erheblich weniger Produkten, was uns die Vorbereitung, den Transport, Aufbau und das Handling erleichtert.

Wenn Sie im Detail sehen wollen, was auf Sieglindes Stand ausgestellt war: Click! und dann bis zum zweiten Teil der Beispiele runter scrollen. Dass beispielsweise diese wunderschöne Handarbeit überhaupt kein Interesse fand, ist mir ein Rätsel:

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ALLE FOTOS © 2017 BY JENS G.R. BENTHIEN

Günter brachte den spürbaren Werteverfall auf den Punkt:

Haben wollen es alle, aber bezahlen will niemand.

Und ich sage: Die Wertschätzung für Handwerksprodukte ist fast bei Null angelangt. Wobei mir die Weissagung der Cree-Indianer wieder durch den Kopf ging:

„Erst wenn der letzte Baum gerodet, der letzte Fluss vergiftet, der letzte Fisch gefangen ist, werdet Ihr merken, dass man Geld nicht essen kann.“

Von Leben und leben lassen ist unsere Gesellschaft weiter denn je entfernt.

Die Traverse, an der ich die Fotos aufgehängt hatte, ist leider durchgebogen. Ich hätte doch eine andere nehmen sollen, aber für ausführliche Tests vor der Messe hatte die Zeit leider nicht gereicht. Die Qualität der Fotos mögen Sie mir verzeihen – es war wieder die kleine Knips, die zum Einsatz kam.

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