Portrait.Film.

Was macht man an einem leicht grauen Sonntag, wenn man keine Lust hat, über die Autobahnen zu preschen und trotzdem frische Luft schnappen will? Wir sind ins ‚Grüne‘ gefahren. Erst in ein Künstlerdorf (Worpswede), wo die ‚Made in China‘ Stempel mit Aufklebern ‚Handarbeit aus Worpswede‘ überklebt wurden und gefühlte Millionen Menschen das Wochenende verbringen. Der kalte Hauch von Paula Modersohn-Becker scheint immer noch Massen zu bewegen. Oder ist es der örtliche ALDI, der am Sonntag geöffnet hat? Inquiring minds want to know!

Anschliessend nach Neu-Helgoland an die Hamme. Licht! Luft! Wind! Und was mache ich dort? Richtig: Den Portra 160 NC mit der Fuji GW 690 III 6×9 testen.

Er lässt sich hervorragend kalibrieren und bringt Hauttöne, die umwerfend sind. Etwas wärmer als der Fuji Pro 160 N, der neutraler und einen Tick bläulicher ist. Er hat eine phänomenale Farbtiefe und Farbdifferenzierung. Das Schönste an Negativfilm: der Himmel ‚fliegt nie weg‘, d.h. es wird nie eine Überbelichtung und ausgefressene Lichter geben, wenn man die Belichtung nicht ins Extrem überzieht.

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FOTO © 2017 BY JENS G.R. BENTHIEN

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FOTO © 2017 BY JENS G.R. BENTHIEN

Das obere Foto habe ich mit f=6.3 und 1/500 s gemacht, das untere mit f=11 und 1/125 s, gemessen mit einem Sekonic.

Die Fotos sind nur digitalisiert (12.900 x 8.600 pixel @ 16/48 bit Farbtiefe) und dann verkleinert.

Die Schärfentiefe ist recht dünn, der Verlauf von Scharf zu Unscharf butterweich (hoffentlich sagt jetzt niemand Bokeh), der Schärfepunkt dank des präzisen Messsuchers sitzt perfekt. Das 3.5/90mm EBC Fujinon entspricht einem 38mm Objektiv bei ‚Vollformat‘ (der Begriff wird zum Scherz, wenn man die Flächen vergleicht: 6×9 ist rund 6x so gross). Schön ist der normale Augeneindruck (der Hintergrund erscheint nicht komprimiert oder gestaucht, sondern normal weit weg), zumal das Objektiv verzeichnungsfrei ist und im Nahbereich am Rand die Köpfe, Füsse oder Hände nicht verzerrt. Kein langes Fummeln im RAW-Konverter, keine Objektivkorrekturen… Das Fotografenleben kann so schön einfach sein! Fragt sich nur, warum die meisten Menschen der neuen, angeblich besseren Technologie wie die Lemminge hinterher laufen und jedes Jahr tausende Euros in ihre Ausrüstung versenken…

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