Fotografie. Primär analog.

Eine web site oder ein Portfolio im iNet ist eine Sache. Ein blog eine andere. Hier zeige ich die Dinge, die mich persönlich beschäftigen, skizziere ein paar Gedanken und gebe ein paar Informationen dazu. Sie informieren über weitere Aspekte und  Formen meiner Fotografie, die gut ankommt, weil sie eben nicht dem knallbunten und knackharten Trend und Zeitgeist entspricht.

In diesem blog kommt die traditionelle, filmbasierte Fotografie zum Ausdruck, die ein klares Konzept und mehr Zeit bei der Aufnahme erfordert als die schnelle Bilder-Maschinerie. Dazu natürlich die Begeisterung und die andere Art des Sehens, mit der ich Motive und Szenen umsetze. Ausserdem hat nur die filmbasierte Fotografie einen Ursprung…

Der Einsatz verschiedener Spezialkameras und diverser Filmsorten schiebt die Grenzen des Machbaren immer noch sehr weit nach oben. Licht, Farben, Kontraste und Auflösung sowie endlose Verstellmöglichkeiten der Fachkamera sind die Grundlage für hochauflösende Fotografien, die beispielsweise in Form von grossen Drucken für Messen und Ausstellungen oder im Corporate Publishing verwendet werden. Oder in der topografischen Fotografie (herausragendes Beispiel sind die Fotografien von Hilla und Bernd Becher) oder dem US-Programm HABS HAER HALS als besondere Form der Dokumentation.

Bei flüchtiger Betrachtung mögen einige meiner Fotografien banal erscheinen. Aber genau das macht sie zeitlos. Sie sind keine Nachahmungen irgendwelcher Trends oder Hypes, die ein paar Wochen oder Monate anhalten und später als solche erkennbar und entsprechend klassifizierbar sind. Sie werden nicht mit einem Bildbearbeitungsprogramm so lange aufgehübscht, bis endlich etwas zu erkennen ist oder knallig schreiend und häufig überzogen daherkommt. Sie sind oft ein Festhalten einer Situation, an der viele Menschen einfach vorbeigehen, ohne sie bewusst wahrzunehmen.

Diese – meine persönliche – Fotografie ist natürlich und authentisch – so, wie das menschliche Auge die Szene sieht. Dazu ein paar Gedanken in kurzen Sätzen, und das Resultat ist im Prinzip das, was heute unter dem Schlagwort Storytelling gehandelt wird. Storytelling mit Fotos mit sehr vielen Details, durch die der Betrachter mit den Augen gehen, das Motiv visuell erleben und somit in die Geschichte eintauchen kann. Jedes Bild ist eine Geschichte und hat eine Geschichte, durch die der Betrachter wandern kann. Natürlich nicht hier im blog mit kleinen JPEGs, aber im Print mit einem Format von 150 x 100 cm oder 3 x 2 Meter kann man auf Leseabstand drangehen und jedes Detail betrachten.

Menschen werden Sie in den Szenen selten finden, weil ich kein Interesse daran habe, mich mit dem deutschen Persönlichkeitsrecht auseinandersetzen zu müssen. Allein die Spitzfindigkeiten, ab wann Personen im Bild ‘Beiwerk’ sind, sind mir zu absurd. Sind Menschen in den Bildern, habe ich Genehmigungen. Sind sie mir ins Bild gelaufen, sind sie nach meinem Empfinden definitiv ‘Beiwerk’, denn bei Stadtansichten ist es unmöglich, die Szene weiträumig abzusperren.

Sie wollen einen Kommentar abgeben, suchen Informationen oder haben Fragen?

Dann schreiben Sie mir hier.

Weitere Informationen finden Sie im Menu (das schwarze Quadrat mit den 3 Linien am linken Rand).

Übrigens: Wer hier Fotos oder Texte klaut, bekommt Post von meinem Anwalt.

Man sollte den Möchtegern-Fotografen an einem sonnigen Tag eine präzise mechanische Sucherkamera (ohne Entfernungsmesser), einen externen, kalibrierten Belichtungsmesser, eine konkrete Aufgabe und einen Diafilm in die Hand geben. Die Ergebnisse wären die perfekte Visualisierung all dessen, was sie nicht wissen und nicht können.

— photosubversive 

In Anlehnung an das berühmte Sprichwort der Cree-Indianer:

Erst wenn die neueste Kamera gekauft, jedes Motiv langweilig, das neueste Objektiv ohne Staunen bleibt, werdet Ihr merken, dass Ihr zum Fotografieren zu blöd seid.

— Jens G.R. Benthien

Wenn man alle sachlich falschen und beleidigenden Beiträge aus deutschen Fotoforen löschen würde, blieben nur noch knapp 5% übrig. Einige Foren müssten dann sogar komplett geschlossen werden.

— Jens G.R. Benthien

Wer glaubt, er könne mit einem neuen Kameramodell bessere Fotos machen, der glaubt auch, dass ein Zitronenfalter Zitronen faltet.

— Jens G.R. Benthien 

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FOTO © 2014 BY JENS G.R. BENTHIEN

 

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Hilfs.Mittel.

[Edited and updated 2019-02-20]

Nein, ich war heute nicht in der Werkstatt, sondern ich habe mich mit Schärfeebenen und Formeln befasst. Man kann alles berechnen, und da Fotografie auf Physik und Mathematik basiert, wollte ich einen einfachen Weg finden, um die Schärfeebene präzise – berechenbar – zu verlagern. Nein, nicht die Verlagerung der Schärfeebene nach Scheimpflug, aber ähnlich, nur vielseitiger und simpler. Hat was mit Gelenken und Dreiecken zu tun.

Um die Formeln eines grossartigen Mathematikers umzusetzen und zu überprüfen, wie sie in der Praxis funktionieren, habe ich ein paar Hilfsmittel gebastelt: Zentimeterskalen im Postkartenformat und eine in A4 auf 200 g/m² Papier, weil sie kontrastreicher sind als Objekte des Alltags.

Die habe ich dann auf dem Esstisch verteilt. Somit konnte ich sehen, wo die Schärfeebene verläuft, und wie das Verstellen des Auszugs die Ebene kippen lässt, ohne die Frontstandarte nachjustieren zu müssen (doch, doch, das geht, sehr gut sogar).

So sah es aus:

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Teller und Becher für unterschiedliche Höhen von Alltagsobjekten dazu, fertig war die Versuchsanordnung. Rechts ragt die Arca ins Bild. Sieht alles nicht so gepimpt aus wie in den Videos der Knips-Spinner, aber es hat wenigstens Hand und Fuss. Warum  sind die Zahlen spiegelverkehrt? Ganz einfach: Der Spiegelsucher der Arca zeigt das Bild zwar aufrecht, aber seitenverkehrt. Da hilft es ungemein, wenn die Zahlen im Sucher direkt lesbar sind. Warum 14 cm hohe Skalen? Weil auch eine Salatschüssel mit Füllung oder 3 Bücher übereinander noch scharf sein sollen. Und die A4 Skala? Um auch grosse Objekte im Hintergrund mit in die Schärfe zu bekommen.

Die Achse der Arca war um ca. 25° geneigt, die Rückstandarte blieb unverändert, nur die Frontstandarte habe ich um 12° nach vorn gekippt, hier als ‘base tilt’.

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OK, die Fotos sind jetzt einfach, schlicht und geschmacklos oder quadratisch, praktisch, gut, mehr nicht.

Warum läuft die hintere Linie nicht durch die Standarte? Weil die Filmebene hinter der Standarte liegt, genau dort, wo die Linie verläuft.

In der Einstellung verläuft die Schärfeebene waagerecht über den Tisch, in einer Höhe von 4 oder 5 cm, je nach Versuchsanordnung. Bei Offenblende! Theoretisch bis in die Unendlichkeit, aber bis ans Ende des Tisches war für mich ausreichend: Die Formel funktioniert.

Mittels Verstellen der Standarten zueinander – nicht neigen der Frontstandarte wie bei unserem Freund Scheimpflug! – kann ich die Schärfeebene steiler stellen. Genial. Durch Abblenden wird der Schärfekeil grösser, d.h. es ist keine Ebene mehr, sondern hat die Form eines Dreiecks, das hinten Richtung Horizont weiter öffnet.

Wie gesagt ist dieses Verfahren ähnlich wie die Scheimpflug-Verstellung, aber einfacher und präziser in der Handhabung. Beim Scheimpflug-Verfahren müsste ich bei jeder Änderung der Standarten zueinander die Neigung der Frontstandarte ändern. Hier nicht.

Wichtigster Punkt: Dieses Prinzip funktioniert mit jeder Fachkamera, dafür braucht man keine asymmetrischen Verstellmöglichkeiten wie beispielsweise bei einer Sinar P2 oder Arca mit Micrometric Orbix. Ob ‘base tilt’ oder ‘center tilt’ spielt ebenfalls keine Rolle. Ausserdem ist es nicht auf die horizontale Ebene beschränkt, es ist natürlich identisch in der vertikalen Ebene. Ob die Berechnungen eine Torkelfreiheit ermöglichen, werde ich demnächst testen.

Und was mache ich jetzt damit? Hm, ein paar Ideen geistern mir schon im Kopf herum. Foodfotografie, in der mehr als nur die Schnittfläche des Steaks und eine Bratkartoffelscheibe scharf sind. Bücher. Kisten. Kästen. Schmuck. Technische Objekte. Äh, ja, und Gebäude natürlich, denn was im Kleinen funktioniert, funktioniert auch im Grossen wunderbar. Eigentlich noch besser, weil marginale Abweichungen nicht so sehr auffallen. Und ich kann die Schärfeebene nach Belieben im Boden ‘abtauchen’ lassen, ohne neu einstellen zu müssen. Ich muss es nur in der Formel berücksichtigen, so z.B. einen Startpunkt von -200 Zentimeter unter Null.

Sie wollen die Formel haben? OK, es gibt Betriebsgeheimnisse.

Panzer.Männer.

Gestern in ‘Die Zeit’. Das Bild hat mich entsetzt, denn es erinnerte mich an grausame Science Fiction Filme, die ich früher mal gesehen hatte, in denen martialische Figuren marodierend durch verwüstete Städte tobten.

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Als ich vor 40 Jahren in Texas studiert hatte, sah ein Sheriff noch wie ein Polizist aus. Ohne Panzerung wie ein Wesen von einem anderen Stern. Und fast jeder hatte Respekt vor ihm.

Dieses Bild ist ein Albtraum, der zur Realität wurde. Natürlich kann ich die Polizei verstehen, dass sie sich schützt. Mir ist auch klar, dass das Vorgehen krimineller Elemente immer brutaler wird, so dass diese Panzerung durchaus angemessen ist.

Die Frage ist nur: Warum konnte die Gesellschaft derart aus dem Ruder laufen? Jetzt bitte nicht die laschen Waffengesetze der USA herauskramen, deutsche oder französische oder spanische Polizisten sehen genau so aus.

Und ja, ich weiss, dass auch die Polizei im früher so friedlichen Thailand oder sonstwo in Asien ebenso auftritt. Die Gewalt kennt keine Grenzen mehr, Respekt, Fairness und Anstand sind im Orkus der Liberalität verschwunden.

Wo gibt es noch ein Fleckchen auf dieser Welt, in der ich in Ruhe und Frieden leben kann? Gibt es das überhaupt noch? Oder ist die Liberalität inzwischen in alle Winkel vorgekrochen und hat das friedliche Zusammenleben unmöglich gemacht, weil die Staaten ihre Bürger immer mehr vernachlässigen?

Ich will das alles nicht mehr.

Rein.Fall.

Ohne ‘h’. Ich könnte auch sagen: Elbfall. Aber der Reihe nach.

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Heute hatten wir Kaiserwetter. Schon der Sonnenaufgang war ein Traum. Also den Arca-Koffer aus dem Verlies geholt, die Digi auch ins Auto geworfen, etwas zu essen und trinken dazu, die Tasche mit Filmen, und ab nach Hamburg. Gegen 14:00 sollte Flut sein – perfekt für die Motive, die ich ablichten wollte.

Autobahn war frei, ganz entspannt nach HH Veddel. Bis 10:00 war die A7 und der Elbtunnel wegen eines Testlaufs eines neuen Verkehrsrechners noch komplett gesperrt. Als ich ankam, war wieder alles frei. Kurz vor dem Ziel: Die Zufahrtstrassen wegen Bauarbeiten gesperrt. Werden dort wieder unbezahlbare Luxuswohnungen gebaut? Wer weiss.

Beim Fähranleger Steinwerder gefühlte 100.000 Menschen am Elbufer, Parkplätze natürlich keine. Also rüber zum Musicaltheater an der Elbe. Ein paar wenige Parkplätze auf dem Weg dorthin, man soll doch bitteschön den Parkplatz des Musicaltheaters für 6 Euro nehmen – pauschal! Abzocke pur. Und auch dort: gefühlte Millionen Menschen. Das Theater scheint sogar Mittagsvorstellungen zu geben. Die Selfie-Knipser standen sich in Garnisonsstärke gegenseitig im Weg.

Die Arca blieb also im Auto, nur die Digi und Stativ gegriffen und ab in die Menge. In 5er-Reihen standen sie am Ufer… auf in den Kampf Torero. Als Sahnehäubchen fuhren alle drei Minuten Barkassen und veritable Passagier-Schiffe mit ‘Sehleuten’ am Ufer vorbei: Hafenrundfahrten aller Couleur, mit permanenten, überlauten und quäkenden Lautsprecherdurchsagen: ‘Rechts sehen Sie das Musicaltheater, auf der Linken kommt die berühmte Elbphilharmonie laber, blubber, sülz…’ Mega-Massen und Lärm ohne Ende.

Nein, das ist nicht mehr meine Welt, definitiv nicht. Klar, ich hätte auf die andere Seite fahren können, aber dort waren noch mehr Massen unterwegs: Auf der Aussichtsplattform der Elbphilharmonie ebenfalls Menschenmassen, dicht gepackt wie die Ölsardinen in der Dose. Wie es dann in der Speicherstadt aussehen würde, war mir klar, vom Rest des Elbufers will ich gar nicht erst reden – ich konnte es ja an den Landungsbrücken sehen. Heute wurde mir klar, was es heisst, dass Hamburg mindestens 96 Millionen Besucher pro Jahr hat… Der HVV (Hamburger Verkehrsverbund) transportiert davon 2,1 Millionen pro Tag… (click) Interessantes am Rande: Wie die Elbphilharmonie dem Michel schadet (click) weil Geiz geil und umsonst noch geiler ist.

Fazit: die Megacities erdrücken uns. Die Lebensqualität nimmt rapide ab, denn das hat es vor 3 oder 4 Jahren noch nicht gegeben.

Ich bin also geflüchtet. Ein Sonnen-Sonntag um die Ecke am See oder mit dem Fahrrad im Naturschutzgebiet wäre erholsamer gewesen. OK, es ist, wie es ist, ich bin lernfähig. In Zukunft nur noch mit dem Metronom, einem Niedersachsen-Ticket und einem Wägelchen für den Transport an sonnigen Wochentagen reisen.

Aber ein paar Aufnahmen habe ich doch noch gemacht.

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FOTOS © 2019 BY JENS G.R. BENTHIEN

Sinngemäss nach Heinz Rühmann würde ich sagen: Hübsch langweilig habt Ihr es hier. (Bildmässig gesprochen). Das Original lautete: ‘Hübsch hässlich habt Ihr’s hier’ in dem Film ‘Er kann’s nicht lassen’ von 1962 (Video).

Es ist immer das gleiche, wenn alle die gleichen Kamerasysteme verwenden. Meine Bildideen, die ich mit der Arca umsetzen wollte, konnte ich wegen fehlender Verstellmöglichkeiten der Digicam respektive der dazugehörigen Objektive sowie der Menschenmassen vor Ort leider nicht realisieren.

Aber irgendwann wird das was, versprochen.

Nasse.Platte.

Das ultimative Kontrastprogramm zum derzeitigen Hype – Fotografie mit der Kollodium Nassplatte!

Die alte ‘wet plate collodion technique’ ist immer noch unübertroffen, vor allem im Format 8×10 inch. Es gibt kein Negativ, sondern nur ein Positiv/Negativ, je nachdem, in welchem Winkel das Licht auf die Glasplatte einfällt und wie hell oder dunkel der Hintergrund ist. Jede Aufnahme ist ein Unikat.

Spannend an dem Prozess ist, dass man nichts vorbereiten kann, d.h. die Platten müssen kurz vor der Aufnahme begossen und sofort nach der Aufnahme entwickelt werden. Die Chemikalien dafür sind nicht grade harmlos… Man muss genau wissen, was man macht. Auf der anderen Seite spielen Temperaturen keine Rolle, solange es warm ist.

Edward Kaprov nutzt diese Technik für wirklich eindrucksvolle Resultate:

Weitere Infos: https://www.edwardkaprovcollodion.com

 

Knips.Spinner.

Es sind Zufallsfunde, über die ich ab und stolpere. Den ersten hatte ich auf der Seite der ‘fstoppers’ gesehen:

Der Knipser wird von Adorama, einem grossen Foto-Versandhändler in den USA, gesponsert. In epischer Länge labert er über die Marken, die er in diesem Video benutzt – fast 4 Minuten, bevor er zum Punkt kommt. Eine Werbesendung also. Dann stellt sich heraus: Er kann knipsen, mehr nicht, denn er arbeitet nach der Methode ‘Versuch und Irrtum’.

3 Blitze einzeln mit Probeaufnahmen einrichten, indem er auf das lausige JPEG des Kamera-Displays sieht um die Lichtintensität zu beurteilen. Ungenauer geht es nicht. Es ist unglaublich, welchen Schwachsinn der Typ unter die Menschheit bringt, denn Messen kennt und kann er nicht. Präzision oder Reproduzierbarkeit: Fehlanzeige. Nach dem Motto: Wissen ist Macht, nichts wissen macht auch nichts. Na denn, viel Spass mit den Plastiklächel-Portraits von ihm…

Das kleine Bild oben: Stellen Sie sich mal vor, Sie wären Personalleiter (‘chief human resource officer’) und würden auf eine Stellenausschreibung rund 1.000 solcher Plastik-Lächel-Gesichter-aus-dem-Ei-gepellte-Anzugträger ansehen müssen – Ihnen würde nach dem 50. schlecht werden. Die meisten Menschen wissen nicht, dass sie einmalig und etwas Besonderes sind, ergo machen sie das, was Millionen andere vor ihnen schon gemacht haben: Dem Befehl des Knipsers folgen, ohne an die Folgen zu denken.

Den zweiten hatte ich gefunden, als ich mir das obige Video bei youtube angesehen habe.

Noch ein Knipser, sogar ein ‘Sony Botschafter’. Ist klar, was da abläuft, oder? Der Fotoindustrie muss es verdammt schlecht gehen, wenn solche Typen als ‘Influencer’ beauftragt werden. Achten Sie mal darauf, wie er mit der Kamera durch die Gegend schaukelt, während er davon faselt, dass die Fuji XT-3 komplett abgedichtet ist. Leider hat sie keine Spacken-Warnung eingebaut, um zu verhindern, dass hirnlose Knipser die Kamera bedienen.

Immerhin hat er eine Festbrennweite im Einsatz, mit der er nicht umgehen kann. Kamera abgedichtet, aber keine Gegenlichtblende, die (unter anderem) Regentropfen von der Frontlinse fern halten würde. Als Krönung der Dummheit wischt er das Objektiv einfach mit der Innenseite seiner Plastikjacke (Outdoor-Mode ist ja so in!) ab. Er weiss nicht, wie scharfkantig Plastikfasern sind, und wie sehr sie die Frontlinsen zerkratzen können.

Aber ihm ist das egal, er bekommt die Ausrüstungen von den Herstellern hinterher geworfen und zeigt bei fetziger Musik, wie ein Knipser agieren soll. Kein seriöser Fotograf würde so etwas machen. Deshalb sind seriöse Fotografen auch keine Sony Botschafter, sondern – genau – Fotografen. Ach ja, wie wird man Sony Botschafter? Ganz einfach: 10 Youtube Videos mit Selfie-Stick zusammenstöpseln, in denen man jeweils 6 Mal die Marke laut und deutlich erwähnt, dann den Krempel an die Marketingabteilung senden und – voilà – schon kommen die Geräte hübsch in Kartons gepackt geflogen und ein kleiner Scheck dazu.

Die ‘follower’ und Fans dieser beiden Typen sind ca. 99% der Knipser. Kein Wunder, dass man sich mit solchen Menschen nicht ernsthaft über Fotografie unterhalten kann, oder?

Trotzdem wünsche ich Ihnen ein schönes Wochenende bei derzeitigem Bilderbuchwetter in Norddeutschland.

Er.Neuert.

Ich hätte auch ganz übertrieben ‘Re.Launch.’ titeln können, aber das liegt mir nicht, weil ich keine Übertreibungen und Anglizismen mag, wenn sie nicht angebracht sind. Eine Einladung zum ‘Rilauntsch’ gibt es nicht, weil ich nicht weiss, wen ich einladen sollte. Einen Rilauntsch-Tag der offenen Tür ebenfalls nicht, weil da nur Leute kommen, die sich für eminent wichtig halten, aber nicht merken, dass sie es nicht sind. Dafür ist jeder herzlich willkommen, einfach mal auf einen Kaffee, Klönschnack und ein paar Fotos vorbeizuschauen (Anmeldung bitte über das Formular auf der web site).

Meine web site habitus.photo habe ich nur etwas modifiziert und erweitert. Sie sieht – für meine Augen – jetzt besser aus und ist zielgerichteter:

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Neugierig? Einfach mal besuchen: habitus.photo

‘Single Page Design’ – jetzt also doch Englisch, weil es ein stehender Begriff ist. Alles auf einer Seite, nach dem Motto ‘Nur scrollen ist schöner’. Für das Statistik-Modul ist es allerdings nicht so toll, weil ich nicht mehr sehen kann, wie lange Besucher auf einer Sektion (im Prinzip einer Seite) verweilt haben. Macht aber nichts, denn damit mache ich es den Besuchern einfacher.

Warum der Aufwand? Ganz einfach: Wir haben uns im Urlaub (vor etwas über einer Woche) in den umliegenden Städten die Muster und Schaufensterwerbung von ein paar Fotogeschäften und Studios angesehen. Es war grausam. Angeschnittene Köpfe, Füsse und Beine, keine Lichtführung, alles flach und ausdruckslos. Nach dem Motto: Je mehr Blitz, desto mehr Licht, desto gut.

Nein, das, was wir gesehen haben, geht für mich überhaupt nicht. Ebenso wenig wie das Aussenwerbeplakat mit Jose Carreras und dem leukämiekranken Jungen. Das ist kein Foto, das ist ein Verbrechen.

Deshalb also noch deutlicher mein Qualitätsanspruch. Mit Bildtiteln, die zum Nachdenken anregen. Der erste ist natürlich von Sally Mann aus dem gleichnamigen Film über sie: What remains. Was bleibt. Eben – das ist nicht das künstliche Plastiklächeln verzerrter Gesichter, sondern der Charakter.

Wie, Sie interessieren sich für ikonographische Fotografie und kennen Sally Mann nicht? Das ist definitiv eine Bildungslücke! Schauen Sie mal hier. Und hier. Kaufen können Sie die DVD hier. Es lohnt sich mehr als ein mittelmässiges Essen beim durchschnittlichen Italiener oder Griechen um die Ecke. Kochen können Sie vorher selber…

Worauf habe ich verzichtet? Auf eine Preisliste. Die hat sich bisher als so überflüssig wie ein Loch im Kopf herausgestellt. Die ‘Billig-Haben-Woller’ klicken gleich weg, die Anderen interessiert es nicht. Somit siebe ich Menschen ohne Anspruch gleich aus, es bleiben nur die, die sich einen Wert geben und Qualität wollen.

Und jetzt? Nichts. Ich habe meine Filme aus dem Urlaub noch nicht ins Labor geschickt. Ich sammle noch: Hier liegt noch ein Film aus dem September/Oktober 2018 – nur belichtet, noch nicht entwickelt. Und die Urlaubsfilme sind noch nicht voll. 36 Aufnahmen sinnvoll zu gestalten ist nicht einfach, vor allem nicht, weil ich den Kopf abgeschaltet hatte.

Also dran bleiben – da kommt noch was.

Ach so, ja klar, ich habe meinen Underwater Kinetics Koffer, in dem meine Arca Swiss verstaut war, neu eingerichtet, weil die Arca Swiss samt Zubehör mehr Platz brauchte und in einem Pelicase gelandet ist. Dafür passen jetzt die drei Ziegelsteine wackelfrei und rüttelfest in den Underwater Kinetics Koffer: Die Fuji GW 690 III, die Fuji GSW 690 III und die Plaubel 69W ProShift Superweide. Alles inclusive Zubehör (was ja nicht viel ist), einer Filmschachtel für 5 Filme (entsprechen 40 Aufnahmen), ausserdem der Gossen ProfiSix und Kleinteile. Die Arbeiten habe ich in der Werkstatt meiner Liebsten durchgeführt. Massgeschneidert, was sonst…

Dreck.

Es geht um ‘Smartphones’. Die Marke spielt keine Rolle, das Betriebssystem in diesem Fall: Android. Aber warum eigentlich nicht: SAMSUNG prangt dort beim Einschalten ganz grosskotzig auf dem Display.

Ich hatte es vor einem Jahr von meiner Liebsten geschenkt bekommen. Umgehend einen zweiten Akku und eine 16 GB Speicherkarte dazu gekauft.

Verbindungen via WLAN im Haus waren schon immer ein Ärgernis, weil extrem langsam. Noch schlimmer war, dass das Ding bei der Nutzung des Browsers ‘Chrome’ immer zuerst die Werbung (=Dreck) geladen hat. Der Dreck hatte ein Datenvolumen von ca. 300% bis 1000% des eigentlichen Seiteninhalts. Dummerweise kann man den Dreck nicht wie auf dem Mac filtern und blockieren, d.h. man zahlt (normalerweise) für das Smartphone und muss sich dann noch mit Dreck und Werbemüll, für dessen Transport (flat ist keine flat in Deutschland!) man bezahlen muss (!), zuballern lassen, bis der Akku leer ist. Wenn man das Smartphone dann wirklich mal als Telefon im Notfall braucht, funktioniert es nicht, weil der Akku leer ist.

copyright © welt.de/truthfacts

Teuflisch genial, oder? Hauptsache, der Dreck wird transportiert. Ob Sie deswegen im Notfall krepieren, spielt keine Rolle.

Wer mobil Daten austauschen will, ist gearscht: Die Updates, die man nicht unterbinden kann, werden grundsätzlich immer zuerst runtergeladen, was die ‘flat’ komplett aufbraucht. Dahinter steckt ein System, eine Allianz zwischen den Herstellern und Telecom-Anbietern, die mehr als gut daran verdienen, dass Sie Dreck und Updates downloaden müssen, ob Sie wollen oder nicht.

Gestern waren wir weit weg von zuhause in einer Werkstatt und haben eine Maschine für einen Produktionsprozess eingerichtet. Da habe ich mit dem Smartphone ein paar Bilder gemacht, weil ich diese Woche noch ein Teil ändern wollte. Dumm nur: die Fotos – alle Fotos (!) – waren weg. Einfach so. Dann kam die Meldung: Die SD-Karte kann jetzt sicher entfernt werden.

Es gibt kein Datenrettungs- oder Formatierungsprogramm auf dem ach so smarten Phone. In die SD-Karte kann man auch nicht sehen – es gibt kein tool dafür, das grundsätzlich installiert ist. Also das Ding entfernt, in einen Adapter und in den USB des Mac gesteckt. Aber der Zugriff respektive das Öffnen der Dateien war nicht möglich: Unbekanntes Dateiformat. JPEG ist also kein JPEG. Aha. Hinterhältige Koreaner…

Die Karte liess sich auch nicht mehr auf dem Mac formatieren. Tolle Technik, oder? Teurer Dreck, der von aussen mit noch mehr Dreck gefüttert wird, damit ich mir den Dreck ansehen muss. Die wichtigsten Funktionen hat man in dem ach so smarten Phone einfach weg gelassen, weil der User in den Augen der Hersteller viel zu dumm ist, das zu begreifen. Karte löschen, Karte formatieren? Fehlanzeige. Alles automatisch, und wenn das nicht geht, kaufen Sie neu. In dem Kontext: Automatiken und Algorithmen sind das Schlimmste, was in der nächsten Dekade auf uns zukommen wird, weil die Menschen damit künstlich und vorsätzlich dumm gehalten werden.

Es waren nicht nur viele Bilder weg, sondern auch meine Bahn-App, die Navigation und diverse andere kleine Apps. Poff…

Somit ist das Thema für mich durch. Ich habe wieder 4 Stunden damit zugebracht, das Ding zum Laufen zu überreden. Die Daten sind trotzdem weg. 4 Stunden kostbare Lebenszeit, die mir niemand bezahlen oder wieder gut machen wird.

Warum ich nicht in der Cloud gesichert habe? Weil ich keine Wolken mag, weder im realen noch im virtuellen Leben. Meine Daten gehören MIR.

Die Gesellschaft wird immer absurder. Immer mehr Menschen geben immer mehr Geld für diesen Schwachsinn aus und meinen dann noch, damit wichtig zu werden. Bullshit! Das ist ein Haufen geistig Armer, die sonst nichts im Leben haben, nicht einmal einen eigenen Wert. Hat sich schon mal jemand Gedanken darüber gemacht, wie viel Kinderarbeit für die Produktion von Smartphones erforderlich ist, wie unsere Welt perforiert wird, um an die seltenen Materialien zu kommen, nur damit die Dinger noch dünner gemacht werden können? Nein? Warum nicht?

Ich will keine Videos, Firlefanz oder Dreck mehr auf meinem Telefon in meinem Leben. Ein einfaches Gerät, das genau das macht, wofür sein Name steht, akzeptiere ich noch, aber nicht diese Drecksauger und persönlichen Peilsender für die Datensammel-Konzerne.

Und jetzt? In Zukunft kommt meine kleine Nikon L-23 mit, die mich in 7 Jahren noch nicht einmal im Stich gelassen hat. Sie läuft mit zwei AA Batterien, die man an wirklich jeder Ecke kaufen kann, wenn man sie braucht. Sogar nachts an einer Tankstelle!

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Ich werde ganz klar trennen: Eine Kamera ist eine Kamera, ein Telefon ist ein Telefon. Der Rest kann mir im Mondschein begegnen. Von wegen Smartphone… Ich bin immer noch smarter als diese saublöden Daten-Schnüffel-und-Dreck-Verbreiter. Wenn ich daran denke, wie viel Stunden Lebenszeit ich schon in das Ding investiert hatte, nur um die Schnüffel-Funktionen abzuschalten, dann wird mir immer noch schlecht…

Bin ich eigentlich der Einzige, der sich gegen den Dreck wehrt? Warum können wir uns nicht mal zusammentun und gegen die Konzerne klagen, denn immerhin stopfen die uns ungefragt Dreck in UNSER Eigentum, für dessen Transport wir auch noch bezahlen müssen! Das gilt übrigens nicht nur für Smartphones, sondern für jeden Rechner, auf dem FREMDE Daten in Form von Cookies platzieren, ohne uns zu fragen.

Machen Sie sich mal den Spass und lassen sich die laufenden Prozesse auf Ihrem Smartphone anzeigen. Das sind nicht zwei oder drei, nein, das sind mindestens 20, von denen Sie nichts wissen. Und dann sehen Sie sich an, welchen Zugriff Sie den Apps bei der Installation erlaubt haben: auf Ihr Adressbuch, auf Ihren Browserverlauf, auf Ihren Standort, auf Ihre e-mails, auf Ihre Dokumente, auf Ihre Fotos… Wird Ihnen jetzt ganz schlecht? Gut so, denn das hilft, ein gewisses Verständnis zu erlangen, wie weit Sie sich den Herstellern und Häschern der Konzerne ausgeliefert haben!

Leute, denkt mal nach. Ich bin bereit für eine Revolution gegen die Datenkonzerne und deren Verarschung! Welcher gute Rechtsanwalt hätte den Mut, gegen den millionenfachen Einbruch in unser privates Eigentum zu klagen?

Willkommen im neuen Jahr

2019. Es wird spannend. Damit klar ist, wie spannend, kommt heute ein netter Spruch von dem bösen, alten Mann:

Wer glaubt, er könne mit einem neuen Kameramodell bessere Fotos machen, der glaubt auch, dass ein Zitronenfalter Zitronen faltet.

— Jens G.R. Benthien 

Warum sage ich das? Weil z.B. die Neuauflage eines Buches zum gleichen Thema keinen besseren Inhalt hat. Ging mir durch den Kopf, als ich diese Aufnahme für eine Bibel aus dem Jahr 1858 (!) gemacht hatte.

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FOTO © 2018 BY JENS G.R. BENTHIEN

Eine Neuauflage hätte mit Sicherheit keinen Buchdeckel aus geschlagenem und ziseliertem Messing. Schliessen würden ebenfalls fehlen, kurz: es wäre ohne Haptik, selbst wenn es eine ‘soft touch’ Kaschierung hätte, die eben keine 160 Jahre halten würde.

Tradition ist nicht die Anbetung der Asche, sondern die Weitergabe des Feuers.

— Gustav Mahler

Ent.Wicklung.

Uih, damit hatte ich nicht gerechnet, zumal ich dieses Jahr erst spät angefangen hatte. Aber ich freue mich natürlich über wachsendes Interesse!

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Noch mehr freue ich mich, dass auch der Rest der Welt zu Besuch kommt.

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Also, ich habe eine Bitte: Helfen Sie mir, diesen blog noch bekannter zu machen. Link weiterleiten, darüber sprechen, etc. Nein, ich verdiene kein Geld damit. Für die unerwünschte Werbung hier kann ich nichts. Als ich mit WP blogs anfing, waren die noch werbefrei, aber wie das so ist, auch Automattic kann den Hals nie voll genug bekommen.

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Weihnachts.Baum.

So sieht meiner aus. Ganz bescheiden, steht draussen in der Natur, muss nicht wegen eines heidnischen Brauchs sterben, niemand kann daran verdienen, übt keinen Konsumterror aus.

In diesem Sinne wünsche ich allen Lesern ein frohes Weihnachtsfest und einen guten Rutsch ins Neue Jahr. Wir sehen und lesen uns 2019 wieder.

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FOTO © 2013 BY JENS G.R. BENTHIEN

Fuji GW 690 III, Fuji Provia 100F, Gossen ProfiSix, Scan @4.000 ppi @16/48 bit

Unglaublich.Traumhaft.

Wenn alles gut geht, wird es bald wieder Packfilm für die alten Polaroid Land Cameras und natürlich die Arca Swiss Polaroid Backs geben. Zwei Jahre, nachdem Fuji die Produktion des Instantfilms FP-100C eingestellt hat, erscheint wieder ein Silberstreif (im wahrsten Sinne des Wortes) am Horizont: Ein neuer Packfilm, natürlich in Farbe.

Weitere Infos gibt es hier (dpreview) und hier (Kickstarter) und hier (Petapixel) und hier (Supersense)

Ich habe zwar noch 15 Fuji FP-100C im Koffer, aber das wäre – für mich – wirklich ein Traum, wieder ‘Polas’ verwenden zu können. Hoffentlich werden sie nicht zu teuer…

Hafen.Lichter.

Huh? Wo ist der Hafen? Richtig – er ist weg. Im Vordergrund ist nur die Weser, die hat mit Hafen an der Stelle nicht mehr viel am Hut. Dafür wurden Bürogebäude gebaut. Ganz hip. Das neue Viertel bekam den Namen ‘Überseestadt’ verpasst, um sich von Hamburg abzuheben. Problem: die Hamburger HafenCity ist schöner und hat abwechslungsreichere Gebäude mit vielen spannenden Details. In Bremen ist man leider über den aalglatten Legostein-Stil nie hinweggekommen. Ein Klötzchen hier, ein Klötzchen da… Schade.

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FOTO © 2018 BY JENS G.R. BENTHIEN

Grade eben mit der neuesten Version von RPP erstellt.

Flocken.Mühle.

Oder auch Flakes. Crunchies. Pops. Smacks. Crispies. Frosties. Und so weiter. Sie wissen schon, das ganze Zeugs, was viele Menschen zum Frühstück essen und glauben, dass da ganz viele Vitamine und Muntermacher drin sind. Irgendjemand hat mir in den USA mal gesagt, dass das alles Schmonzes sei und die Verpackung sauberer sei und mehr Nährwert hätte, als der Inhalt. Nun, ich habe es nie überprüft, weil ich ein strikter Fan von simplen Haferflocken bin, in die ich noch Weizenkleie, Weizenkeime und etwas Kakao rühre. Schon mein ganzes Leben lang. In den USA hiessen sie Quaker Oats, und das Unternehmen hatte damit geworben, dass das, was bei Pferden für gute Leistung sorgt, für den Menschen nicht falsch sein kann. Und nein, ich sehe nicht aus wie ein Pferd, und wiehern kann ich auch immer noch nicht.

Die Aufnahme ist schon etwas älter, am Horizont sind die Lichter von Kellogg – das es nicht mehr gibt. Der Standort in Bremen wurde geschlossen, der herrliche Duft, der durch die Stadt wehte, wenn Honey Smacks geröstet wurden, ist weg. Was dort gebaut werden soll, steht noch in den Sternen. Wahrscheinlich wieder unbezahlbar teure ‘Exclusiv-Wohnungen’ mit Flussblick.

So geht immer mehr unserer Vergangenheit verloren, weil die Produktion in einem fernen Land billiger ist. Fragt sich nur, wer sich die Wohnungen noch leisten kann, wenn die Arbeit und das Geld weg ist.

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FOTO © 2018 BY JENS G.R. BENTHIEN

Brücken.Schlag.

Vom Anleger der Moorlosen Kirche Richtung Süden mit einem 20mm WW:

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Der kleine schwarzweisse Nupsi mit dem Punkt drin am Horizont direkt über der Wasseroberfläche am linken Ufer ist das nächste Ziel mit dem 300er Tele:

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Das Schiff ist 2,5 Kilometer vom Anleger entfernt, das Gebäude im Hintergrund fast 7 Kilometer. Die Aufnahmen habe ich relativ kurz nacheinander gemacht (nur Objektivwechsel). Warum ist der Himmel in dem unteren Foto nicht mehr blau? Ganz einfach, weil über dem Bereich eine zugezogene Wolkendecke und Dunst vom Stahlwerk lagen. Interessanter Effekt, aber die Schlepperei diverser (grosser) Objektive macht nicht wirklich Spass. Warum habe ich überhaupt so ein Tele? Weil ich mal ein Hotel auf der anderen Seite eines Tals am Hang formatfüllend fotografieren sollte, und weil ein Foto von unten nach oben immer so bescheuert aussieht. Was mache ich sonst damit? Nichts! Es liegt in der Tasche und hilft mir beim Schlepp-Training, weil ‘man’ ja nie weiss, wann ‘man’ es eventuell vielleicht gar nicht einsetzen könnte, nach dem Motto: Alle 5 Minuten braucht man es nicht… Hey Leute, einmal im Jahr müssen doch die Blendenlamellen bewegt werden!

Ich könnte mich in einem Forum anmelden, und statt die üblich dumme Frage ‘Ich fliege demnächst nach Timbuktu, welche Kamera und welches Objektiv soll ich kaufen’ zu stellen, könnte ich eine Schwierigkeitsstufe höher einsteigen und fragen: ‘Ich habe ein 4.0/300mm Tele in meiner Tasche stehen, in welches Land kann ich damit reisen?’. Aber wahrscheinlich wäre die Antwort dann: ‘Mit dem lichtschwachen Teil kannst Du höchstens zum nächsten Dorfweiher und Enten knipsen.’.

OK, es war nicht der Dorfweiher, es war immerhin die Weser. In diesem Fall sogar die Unterweser mit Ebbe und Flut. Hat kein Dorfweiher.

An.Leger.

Direkt neben der Moorlosen Kirche ist ein Anleger an der Weser, an dem die Fähren nach Vegesack, Brake und Bremerhaven anlegen. Entlang der Strecke von Bremen nach Bremerhaven gibt es insgesamt 7 Anleger.

Hinter dem Deich ist neben der Kirche, dem Friedhof und ein paar alten Bauernhäusern noch ein Restaurant mit wechselhaftem (je nach Koch) Ruf.

Man sieht, dass wir in Deutschland sind: Ein Schilderwald vom Feinsten und grössten Ausmassen. Verbote in Deutschland gehen nicht klein, keine Chance. Erstmal ist das Anlegen verboten, es sei denn, man hat eine Sondergenehmigung. Die hätten das weisse Schild mit dem Hinweis ‘Fahrgastanleger Mittelsbüren’ mal senkrecht anbringen sollen… Wundert mich, dass an oder neben dem Rettungsring keine Bedienungsanleitung in schönstem Amtsdeutsch hängt.

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Der Rettungsring sieht noch recht neu aus.

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Oller Poller, frisch gestrichen und trotzdem farblos.

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FOTOS © 2018 BY JENS G.R. BENTHIEN

Alle Aufnahmen mit RPP konvertiert. Und plötzlich ist das Leben einfacher…

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© by Alexey Gnilenkov (used with his permission)

Ich hatte ihn gefragt:

Дорогой Алексей,
Могу ли я использовать этот образ на своем веб-сайте для продвижения RPP (Raw Photo Processor)?
Und er hat mir geantwortet:
Да вы можете его использовать
Manchmal ist ein Kontakt richtig positiv!

Ver.Arscht.

Das grosse Systemkamera-Handbuch 2019 – flüssiger als Wasser: Überflüssig!

Sie haben noch eine DSLR? Geht gar nicht! Damit können Sie ab sofort keine Fotos mehr machen, die gehen alle in die Grütze, wenn man photoscala glauben will:

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screenshot 2018-11-28

Was Sie sofort brauchen ist eine Spiegellose Kamera. Damit Sie wissen, was Sie kaufen (!) müssen, sollen Sie erstmal das Magazin kaufen (!). Sie merken schon, wohin die Reise geht, oder? Kaufen, um zu kaufen. Wie krank ist das denn?

Herr Vieten, der Betreiber von photoscala, hat verhindert, dass jemand Kommentare schreiben kann. Er hat auch dieses altdeutsche Gen drin, was da heisst ZENSUR (ich will hier nicht noch deutlicher werden).

Weil er dort keinen kritischen Kommentar sehen will, kann er ihn jetzt hier lesen.

Eine Kamera ist ein lichtdichter Kasten, dessen Innenraum matt geschwärzt ist, mit einer Öffnung vorn (für ein Loch oder ein Objektiv) und einem Medienhalter (Film oder Sensor) hinten.

Haben Sie das soweit verstanden, Herr Vieten (und die Herren vom Imaging Media House)?

  • Warum verunsichern Sie die Menschen und machen ihnen ihre derzeitigen Kameras madig?
  • Welche Qualifikation haben Sie, zu beurteilen, was die Menschen wirklich brauchen?
  • Haben Sie wirklich ALLE (!) dort gelisteten Kameras und Objektive selber in der Hand gehabt und können sich aufgrund der Erfahrung ein Urteil für eine dritte Person erlauben?
  • Wie viel Zuschüsse haben Sie von der Industrie für dieses Schrei-Werk bekommen?

Aber es geht ja noch weiter im Text:

Und gleich 60 Seiten des Magazins geben direkt umsetzbaren Tipps und Tricks für bessere Bilder.

Da wird mir doch glatt (wieder mal) ganz schlecht, um nicht zu sagen ‘kotzelend’. Wer beurteilt eigentlich, ob ein Bild (ich spreche lieber von Foto!) gut oder schlecht ist? Sind das wieder die typischen, forengeschädigten Spacken, Angeber oder selbsternannten Experten, oder gibt es eine seriöse Jury, die sich aus Fachkräften rekrutiert (übersetzt für Sie: Gelernte Handwerker, Gesellen, Meister…) Hat Sie jemand der vielen Fotografen gebeten, ihm oberlehrerhaft (auch so ein deutsches Gen) zu sagen, was er machen darf und soll?

Ich habe etwas gegen dummes Getöse und Geschrei. Deshalb sage ich: die 9,95 Euro kann sich jeder sparen, der eine Kamera hat, mit der er zufrieden ist, und der noch etwas Rest-Hirn in die Gegenwart hinüber retten konnte, weil er seine Glotze verschrottet und sämtliche Magazin-Abos gekündigt hat.

Tja, Herr Vieten, ich arbeite noch mit Grossformat, 6×9 und X/Y-Kameras, sowie im Portrait-Bereich mit einer Spiegelreflex. Meine Fotos kommen sehr gut bei den Kunden an, obwohl die von mir verwendeten Kameras Ihrer Meinung nach Schrott und Out sind. Obwohl sie sofort ersetzt werden müssen, aber bitteschön erst nach der von Ihnen exklusiv promoteten Lektüre für 9,95 Euro, gell?

Wie können Sie das erklären?

Und wie können Sie es mir erklären, dass Sie meine Auftraggeber verunsichern, indem Sie derart abstruse Behauptungen aufstellen?

Oder können Sie mir erklären, was ich mit meinen Kameras falsch mache? Ich bitte Sie, das dürfte nach Ihrer arrogant absolutistischen Proklamation für Sie doch kein Problem sein.

Ich weiss, Sie haben keinen Mut, sonst würden Sie Ihren Kommentarbereich nicht zensieren (wie schon sehr häufig geschehen).

Kleinst.Mengen.

Es gibt noch viele Kleinbetriebe, die Oliven anbauen, die sie lokal verkaufen und verarbeiten. Es sind Familienbetriebe, bei denen jeder mit anfassen muss. In den seltensten Fällen ist es ein ‘lohnendes Geschäft’ – die Bäume stehen schon lange dort, also wird geerntet.

Das Geld für Maschinen (Baumrüttler, Traktoren, etc.) fehlt. Also werden die Äste mit einer langen Bambusstange per Hand geschüttelt. Jede Olive zählt, deshalb werden die Oliven, die neben die Netze gefallen sind, von Hand aufgelesen.

Schwarzes Gold? Eher weniger. Schwarz ja, von Gold weiter weg als der Andromeda-Nebel von der Erde. Die Massenproduktion hat auch hier viele Opfer gefordert.

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FOTO © 2018 BY JENS G.R. BENTHIEN

Nikkor 1.4/50 Ai, alles Ausschnitte

Palmen.Dudel.

Er stand dort am Eingang zum Hafen von Málaga und musizierte mit seinem Dudelsack. Wie ein Fremdkörper in der Umgebung, obwohl es auch in Nord- und Zentralspanien Dudelsäcke gibt.

Ich habe ihn für seinen Mut bewundert, dort zu spielen, wo die anderen Strassen-Musiker bereits technologisch hoch aufgerüstet mit riesigen Verstärkern und schlechter Musik die Menschen belästigten. Seine Musik klang wie aus einer anderen, fernen Welt…

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FOTO © 2018 BY JENS G.R. BENTHIEN

Nikkor 2.5/105, f=2.8, t= 1/2000 sec., ISO 100, Ausschnitt

Kugel.Spiel.

Wer in Europa kennt es nicht: Boule.

Auch wenn die Spanier und Franzosen ausser einer Grenze in den Pyrenäen nicht viel gemeinsam haben, so verbindet sie das Spiel mit den Kugeln. Vollkommen unaufgeregt, ohne Bier, Saufen, Grölen und ohne Schlägereien wie beim Fussball in Deutschland.

Völkerverständigung beim Spiel, ohne Expertenrunden, Spielbeauftragte, Gefahrenmanager oder teutonische Bedenkenträger. Messer trägt hier auch keiner. Es zählt das Spiel, die Regeln sind klar, man braucht keine Sprachkenntnisse um sich zu verständigen…

Erst einmal für das Spiel registrieren

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Dann zum Übungsfeld am Rand

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Konzentration bitte

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Das Ziel

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Und WURF!

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Uuuuuups

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War hat es geschafft?

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Für das anschliessende, gemeinsame Essen sind die Tische im Chiringuito schon eingedeckt

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Alle Aufnahmen mit dem Nikkor 2.5/105mm Ai, Verschlusszeiten von 1/80 bis zu 1/2000 sec bei 100 ISO

Dominó.

Für viele pensionierte Andalusier die Lieblingsbeschäftigung: Im Schatten in einem Café sitzen, reden, Dominó spielen. Nur die Touristen lassen sich am Strand um die Ecke die Haut verbrennen, um später im Norden Leuten zu imponieren…

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Nikkor 2.5/105mm Ai, f=5.6, t=1/80, ISO 400

Der alte Mann und sein Papagei.

Irgendwo in der Fussgängerzone einer andalusischen Stadt. Die Beiden waren jeden Tag dort, mal auf dieser Bank, mal auf einer anderen. Jeder kannte sie, sprach mit ihnen, sie nahmen auf ihre Weise am Leben teil.

Für mich eine Art Sinnbild der Weisheit:

Den Tagen mehr Leben geben als dem Leben mehr Tage geben.

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Nikkor 1.4/50, Ausschnitt 

Auslass.Tempel.

Eine neue Religion erfasst immer mehr Menschen. Das Shoppen. Shoppen macht angeblich glücklich. Religionen und Glück brauchen Kirchen oder Tempel. Also baut man den geistig Armen Tempel und gibt ihnen fremdsprachliche Namen. Outlet. Auf Deutsch: Auslass. Sollte man auslassen, aber nein, da strömen Millionen Menschen hinein, um glücklich zu werden – mittels Shoppen. Oder noch kürzer: Sie geben Geld aus um glücklich zu werden. Dabei wissen sie nicht einmal, was Glück ist, denn ein paar Tage später sind sie schon wieder da, weil das Glück bereits abgenutzt ist. Aber in ihrer geistigen Armseligkeit merken sie es nicht. Das ist schlimmer als die esoterischen Heilsversprecher. Es ist brandgefährlich, treibt es die Lemminge doch häufig in den finanziellen Ruin für den scheinbaren Hauch eines Glücksmoments. Sie spüren den eiskalten und tödlichen Atem des immer schneller werdenden Konsum-Zyklus nicht. Sie machen sich keine Gedanken darüber, dass sie mit billig Shoppen Kinderarbeit, Armut und Leid in den Ländern fördern, in denen die Produkte unter unwürdigen Bedingungen hergestellt werden. Sie fallen auf die ganz perfide verkleideten und romantisch klingenden Werbesprüche wie ‘moonlight shopping’ oder ‘midnight shopping’ herein, fahren dafür bis zu 200 KM und vernichten auch regional die Umwelt für ein fadenscheiniges Glück.

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PC Nikkor 3.5/28mm, 11mm Rise.

erixx.

Nicht Erich, sondern erixx, mit zwei X. Ist heute schick, zwei X im Namen zu haben. Kommt wahrscheinlich von RX, buchstabiert ER IX, oder auch Regional Express. Egal wie, er ist ziemlich kurz und fährt von Bremen durch die Heide bis nach Uelzen. So eine Art Heidekönigin unter den Zügen…

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The night closes in.

Wer kennt noch den Song von Exile ‘Kiss me all over‘? Genau. Da war es: The night closes in.

Das ging mir an diesem Abend durch den Kopf:

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Der letzte grosse und alte Schuppen des alten Hafens von Bremen, der noch nicht abgerissen wurde. Einen Moment später waren schon die Lichter an einem anderen Schuppen, der zu einem Event-Schuppen umgestaltet wurde, an:

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Dieses Farbdesign muss man nicht mögen. Ich mag es nicht.

Schlüssel.Szene.

Kein HDR, kein Negativ, obwohl ein Negativfilm für diese Szene geradezu prädestiniert wäre. Ein ganz simples Sandwich wie früher mit Diafilm, aber in diesem Fall digital. Geht auch sehr gut. So gibt es einen gewaltigen Tonwertumfang, ohne dass die Lichter überstrahlen.

Links der Bremer Schlüssel im Wappen.

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Belichtungsmessung mit dem Gossen ProfiSix, +1 EV zum Ausgleich der Lichter. Nikkor 1.4/50. Konvertiert mit RPP. Wie gemacht? Nun, es gibt Betriebsgeheimnisse, oder?

Martini.

Nicht on the rocks, sondern eine Kirche am Bremer Weserufer, die nachts beleuchtet wird.

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Objektmessung mit dem Gossen ProfiSix, weil der bis zu 8 Stunden Belichtungszeit messen kann. +1 EV, weil die Lichter das Messergebnis verfälschen. Nikkor 3.5/28, 100 ISO, Stativ. Mit RPP konvertiert.

Night.Blues.

Das ist zwar schon eine ältere Aufnahme, aber die Wirkung ist für mich immer noch da. Im Vordergrund die Greifarme für eine Filteranlage im Zufluss einer Wasserkraft-Turbine, im Hintergrund eine Brücke über die Weser mit den Wehr-Toren und der Schleuse. Ab dort heisst sie ‘Unterweser’ und  hat Ebbe und Flut wie die Nordsee, nur etwas zeitverzögert.

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Luft.Holer.

Metall. Schrauben. Drahtseile. Mechanik pur.

Keine Plastik-Verkleidung eines Motörchens, das nur mit Software lauffähig ist, sondern ein echter Motor. V8, Leistung nach Wunsch.

Der Bowdenzug für die Drosselklappe. Die Flügelmutter auf dem riesigen Luftfilter. Der Zündverteiler. Der verchromte Ausgleichsbehälter. Die Schlauchschellen, die Befestigungen mit Schrauben. Das Lüftungsgitter im Hintergrund. Kräftige Gewindebolzen. Sichtbar und zugänglich. Alles Dinge, die eine Ewigkeit halten. Und wenn nicht, kann man sie leicht tauschen.

Sehen Sie sich mal ein Auto der letzten 20 Jahre an. Plastik-Clipse & -Nasen, die bei etwas kräftigerem Anfassen schon abbrechen. Ramschware. Jawohl, Ihr Auto ist Ramschware, montiert aus Billigteilen.

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Der gleiche AC Cobra wie im letzten Beitrag. Nikkor 1.4/50 Ai. Konvertiert mit RPP. Geht doch!

Wunsch.Brett.

Abendgebet:

Liebes Universum, ich wünsche mir, dass mein nächstes Auto wieder ein so einfaches und übersichtliches Armaturenbrett haben wird.

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Das ist das Armaturenbrett eines AC Cobra oder Shelby Cobra in den USA. Kein Feuerwerk, kein BlinkiBlinki, keine Pixel, nur mechanische Rundinstrumente und Schalter, die man per Mutter lösen, hinten herausziehen und tauschen kann. Der kleine, silberne Knopf war der Anlasser – damals schon, als andere Marken noch forderten, dass ein starrer Zündschlüssel in das Zündschloss gesteckt wird, damit sich der Schlüssel im Falle eines Unfalls ganz tief und schmerzhaft ins Knie bohrt. Ein echtes Armaturenbrett und keine entartete Designerwurst vor der Frontscheibe! Wartungsfreundlich, preiswert und sehr schick! Ein Grund mehr, den ganzen Plastik-Krempel abzuschaffen…

Ausschnitt aus einem Hochformatfoto, Nikkor 2.5/105 Ai. Konvertiert mit RPP.

See.Karte.

Heute Vormittag durfte ich ein Repro einer alten, polynesischen Seekarte machen. Die Abbildung in dem Buch ‘Canoes of Oceania’ ist ein altes s/w-Foto, und da das Buch sehr dick ist (Band I, II und III in einem Band neu gebunden und mit Titel in Gold auf dem Rücken und der Vorderseite geprägt), passte es nicht auf den Scanner. Einen Blitz hatte ich nicht hier, also mit dem diffusen Sonnenlicht im Raum mit langer Belichtungszeit aufgenommen.

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Das Foto wurde retuschiert, in eine Strichaufnahme gewandelt, invertiert und als PDF exportiert, um daraus ein Klischee für eine Prägung fertigen zu lassen. Invertiert, damit die Linien bei der Prägung stehen bleiben.

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Wenn ich mir überlege, dass die Polynesier früher mit diesen Seekarten zwischen den Inseln gependelt sind, und dass die Menschen heute mit einer Satelliten-Navigation im Auto immer noch in Flüsse fahren oder im Wald (ver)enden, dann weiss ich, dass nicht alles besser ist, was neu ist. Von einem normalen Leben sind wir weiter weg denn je.

Pilz.Moos.Zweig.Blatt.Tau.

Freitag = Bürotag. Aber irgendwann gibt es eine Pause für die Raucher. Auf der Terrasse sehe ich die Tauperlen auf den Blättern und hole die Kamera.

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FOTOS © 2018 BY JENS G.R. BENTHIEN

Die Aufnahmen habe ich mit einem Nikkor 2.5/105 und dem Nikon Zwischenring-Satz gemacht. Soll heissen: ‘Alter Kram’. Vorteil: Keine optische Beeinträchtigung, weil es nur Distanzringe sind. Nachteil: Grösster Abbildungsmaßstab 1:2. Einen Zwischenring rausgenommen bleiben noch 1:4. D600, oben ISO 100, unten ISO 400. Entwickelt mit RPP.

Warum? Ich habe immer wieder mit dem Zeiss Makro Planar 2.0/100mm geliebäugelt, mich dann jedoch gefragt: Sei ehrlich, wie oft wirst Du das einsetzen. Eben. So blieb es seit Jahren bei dieser Lösung mit dem Zwischenring-Satz. Ja, ja, ich könnte mir noch einen Umkehrring besorgen und dann das 2.8/20 mm montieren, das ist im umgedrehten Zustand ein hoch korrigiertes, absolut verzeichnungsfreies Repro-Objektiv für einen Abbildungsmaßstab bis zu 4:1. Aber ganz ehrlich: Noch mehr Ringe, noch mehr Möglichkeiten – wann werde ich die nutzen, zumal ich keinen Schmuck fotografiere?

Das nur mal so, zwischendurch. Pause ist zu Ende, ich habe schwitzende Blätter fotografiert und widme mich jetzt wieder dem Papierstapel, der da noch abgearbeitet werden muss.

New York Times.Archiv.

Es ist soweit: Das gigantische Bildarchiv der New York Times wird digitalisiert. Google hilft NYT dabei. Das Archiv, von den Mitarbeitern liebevoll ‘the morgue’ (Das Leichenschauhaus) genannt, beherbergt rund 7 Millionen Fotos; genau weiss das niemand.

Die Aufgabe ist nicht ganz einfach, denn die Fotos sind auf der Rückseite mit dem Namen des Fotografen, Artikeln, Bildunterschriften, Hinweisen, Erscheinungsdaten, Archivnummer, handschriftlichen Notizen, etc. versehen, die erkannt und in maschinenlesbare Schrift umgewandelt werden müssen, um einen suchbaren Katalog mit Schlagworten erstellen zu können.

Ganz ehrlich, ich würde gern mal in dem Archiv stöbern dürfen. Allein die Haptik, die Geräusche in dem Raum, die Ehrfurcht, die Ergriffenheit ob der riesigen Anzahl von hochwertigen Fotos der letzten 120 Jahre – das muss ein Erlebnis sein. Selbst wenn man nur einen Teil der Bilder sehen kann, so kann man sich von dem Leben der Menschen in den letzten Dekaden ein besseres Bild machen – im wahrsten Sinne des Wortes.

Weitere Infos gibt es hier.

Ich frage mich, was mit den Originalen passieren wird. Hoffentlich werden sie nicht wie in Deutschland vernichtet, denn ob Datenträger oder Datenwolken die nächsten 12 Dekaden überleben werden, wage ich zu bezweifeln.

Dazu passen die alten Bücher, die ich vor kurzem fotografiert habe. Das älteste stammt aus dem Jahr 1753, ist also 165 Jahre alt. Kein elektronischer Datenspeicher hat bisher ein derart hohes Alter erreicht und war noch lesbar:

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FOTO © 2018 BY JENS G.R. BENTHIEN

Schon wieder.

Es ist erst ein paar Wochen her, dass bei meiner Digitalkamera der Spiegelkasten und das Bajonett erneuert wurden.

Heute Morgen habe ich seitdem das erste Mal wieder eine Sensorreinigung durchgeführt und eine Probeaufnahme gemacht. Das Resultat ist erschreckend:

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Oben rechts und unten rechts sind Abschattungen. Da hat jemand den Spiegelkasten leicht verdreht eingebaut. Und nein, es ist nicht die Sonnenblende, da wäre der Schatten rund. Abgesehen davon war sie nicht auf dem Objektiv.

Nun gut, dachte ich mir, dann kontaktiere ich den Service. Und was passiert nach dem Einloggen? Genau:

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Grosser Konzern, was nun? Hallo Nikon, ich brauche weder web 4.0 noch BlinkiBlinki oder Schicki-Micki! Warum muss immer alles neu und verschlechtert und Agenturen für immer mehr Blödsinn bezahlt werden? Wie wäre es denn mal, wenn man Bestehendes einfach etwas verbessert? Und prüft, ob die neue web site mit irgendwelchen Werbeblockern kollidiert (waren bei mir abgeschaltet!)?

Prüft das denn niemand, wenn eine angeblich hypergeile web site ‘relauncht’ wird?

Das ist ein weiterer Sargnagel meiner ‘Freundschaft’ mit Nikon. Die Tage sind gezählt. Das war jetzt der zweite Spiegelkasten, das dritte Reset, die X-te Reinigung und das Bajonett hat auch noch nie ein dickes Objektiv tragen müssen.

Ich will das nicht mehr. Das Leben ist schon kompliziert genug, liebe Nikon-Leute, dazu brauche ich Euch nicht mehr. Einen Spiegelkasten schief einsetzen kann ich auch – ich ging davon aus, dass es bei Nikon auch bei Reparaturen eine Qualitätssicherung gibt.

Im Moment bin ich echt sauer und beschäftige mich intensiv mit Fuji, weil andere Mütter offenbar hübschere (=besser funktionierende) Töchter haben. Die GFX 50 ist schon auf dem richtigen Weg, mir fehlt nur noch eine kürzere Synchronzeit.

Die Wahrheit…

… ist häufig schmerzhaft, aber Karl Taylor hat sie wunderbar auf den Punkt gebracht:

Ich habe hier viele Fotos gepostet, die ich mit ‘alten’ filmbasierten Kameras aufgenommen habe. Die waren alle problemlos in dem Sinne, dass ich mich nach der Aufnahme nur noch um eine simple Digitalisierung kümmern musste. Die digitalen Fotos haben mir von Anfang an Kopfzerbrechen bereitet, weil sie keinen Ursprung und keinen Standard haben (mehr zum Standard irgendwann einmal).

Wer eine Vision, eine Idee und ein Konzept hat, kann die stärksten Fotos mit einer Einwegkamera machen, wenn er stets zur gleichen Zeit das – wie ich es nenne – Zauberlicht nutzt, das wir in Nordeuropa früh morgens oder früh abends haben. Wer keine Vision hat, schafft das nicht annähernd so gut mit einer Hasselblad, Sony 9, Nikon D850 oder PhaseOne. Das ist Fakt.

Wenn es jemand schick findet, leere Supermarktparklätze zu dokumentieren, so what? Er hat wenigstens ein Konzept, sehr im Gegensatz zu den Millionen Foto-Foren-Teilnehmern, die sich in technischem Blödsinn ergiessen und keine Ahnung haben, weil sie eben keine Fotografen sind.

Dazu gehört natürlich Wissen und Erfahrung. Von beidem möglichst viel, d.h. 10 Jahre sollten es schon sein (siehe auch ‘Überflieger‘).

Kürzlich hatte ich von einer Diskussion gehört, wie viele Blitze man für ein Portrait braucht. Die Antworten lagen bei ‘mindestens 3’ bis ‘mindestens 5’ – in etablierten Studios, wohlgemerkt. Und dann kommt jemand wie ich daher und macht Portraits mit einem Blitz. Wumm. Warum? Weil ich Licht sehen kann. Ja, ja, ich höre schon die Stimmen, die da sagen, ‘Das kann doch jeder’ oder ‘Das kann ich auch’. Genau, deshalb gibt es auch so viele beschissene Portraits, um es mal ganz deutlich zu sagen. Denken Sie an die 10 Jahre… so lange brauchen Sie, um Licht wirklich zu sehen und kreativ einzusetzen. In der Architektur- und Industriefotografie haben Sie auch nur eine einzige Lichtquelle, die Sonne. Da lernen Sie sehr schnell, Licht zu sehen und umzusetzen, weil Sie der Sonne nicht sagen können: Hey, geh noch mal zurück auf Los (=Sonnenaufgang)…

Wenn Sie dann Licht sehen können, spielt es keine Rolle, ob Sie draussen oder drinnen arbeiten. Wer drinnen lernt, wird draussen grosse Probleme haben, ist klar, oder?

Also, ran an ein Konzept, dann die Kamera nehmen und Fotos machen. Es ist egal, welche Kamera, denn alle Kameras sind identisch aufgebaut: Ein lichtdichter Kasten, ein Lichteinlass (Loch oder Objektiv) und ein Medienhalter. Aus die Maus. Der Rest ist Physik, Licht, Ideen und Ausdauer.

Noch ein Tip: Sie müssen nicht jedes Mal auslösen, wenn Sie denken, Sie hätten ein Motiv. Gehen Sie einfach mal durch die Szene, um das Objekt oder Modell, sehen Sie gegen das Licht, drehen Sie sich um: Die Welt hinter Ihrem Rücken ist häufig spannender als die Welt vor Ihren Augen.

Nur so zum Spass: welche Fotos wurden mit einer ‘Vollformat-Profi-DSLR’ und welche mit alten Kameras und Diafilm gemacht?

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Pastell.Neon.

Noch zwei Beispiele mit Vergleichsfotos:

Nikon NX-D:

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RPP:

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Kunstfarben versus Echtfarben. Der Unterschied ist erstaunlich. In den Schatten sind mehr Details zu erkennen, die Szene wirkt wesentlich natürlicher. Der Bahnhof ist wirklich in einem Pastell-Ton gestrichen. Beide Konverter in identischen Einstellungen.

Jetzt zu Neon. Das ist immer ein Härtetest für Digitalkameras und Konverter. Viele Konverter quälen sich damit, und die Resultate sehen entsprechend aus.

Nikon NX-D:

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RPP:

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Im oberen Foto sieht man sehr genau, wo die Schwächen des Konverters liegen, denn das Weiss hat blaue Säume. Dass es besser geht, zeigt RPP. Beide Konverter in identischen Einstellungen.

FOTOS © 2018 BY JENS G.R. BENTHIEN

Farb.Treue.

Ein Beispiel aus der Produktfotografie. Die Farbtreue ist bei der Konvertierung mit RPP um Welten besser als mit Nikon NX-D, weil RPP einen Weissabgleich auch auf grauen Flächen zulässt.

Nikon NX-D:

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RPP:

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FOTOS © 2018 BY JENS G.R. BENTHIEN

Die Farben sind definitiv klarer und sauberer. In beiden Fällen keine weitere Nachbearbeitung ausser Ausschnitt und Verkleinerung. Was mir an RPP besonders gut gefällt ist das eingeblendete Zonensystem sowie die Abweichungen der Zonen von dem selektierten Graupunkt. Damit kann ich sehr genau festlegen, in welche Zone der von mir gewählte Bereich fallen soll:

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In diesem Beispiel fällt der von mir selektierte Bereich in die Zone II, die Belichtungsmessung erfolgte auf die Mitte der Zone VI – der dickere Balken in Zone VI (bei 18% Reflexion, einstellbar über einen Terminal Command). Die violetten Linien sind Blendenwerte in  Stufen, die dünne, graue Linie der exakte Messpunkt.

Dieses Histogramm – hier sind die Farben RGB temporär ausgeblendet – sagt mir definitiv mehr über die Lichtverhältnisse im Foto als das Histogramm anderer Software, vor allem weiss ich auf einen Blick, ob ich die Belichtung ändern muss oder nicht. RPP kann ich sehr präzise auf die Kamera kalibrieren und diese Einstellung dann speichern, so dass sie angewendet wird, sobald ein RAW von dieser Kamera geöffnet wird. 

Ohne Rosa.

Sie kennen das: Haben Sie falsch belichtet und die Lichter ‘fliegen’ Ihnen weg, versuchen Sie das Foto zu retten, indem Sie die Lichter dämpfen. Je nach Überbelichtung werden die hellen Bereiche dann – genau – rosa. Das mag für manchen schick aussehen, hat aber nichts mit Fotografie zu tun.

Für den Mac gib es RPP (RAW Photo Processor, link im nächsten Beitrag). RPP liefert nicht nur die saubersten Farben, sondern hat auch eine Lichter-Dämpfung, die einmalig ist (vorausgesetzt, Sie haben nicht um +3 EV überbelichtet).

Mal ein paar Beispiele einer Tag- und diversen Nachtaufnahmen ohne Farbverschiebung. Mit RPP geht das blitzschnell, da muss nicht lange an Reglern gefummelt werden.

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FOTOS © 2018 BY JENS G.R. BENTHIEN

RPP bewältigt einen grossen Tonwertumfang, wenn die Belichtung und der Sensor der Kamera das hergeben. Im letzten Foto 12.6 EV. Ich kann mich noch gut erinnern, wie lange ich bei der Konvertierung mit der Nikon-Software gebraucht hatte, um einigermassen ansehnliche Resultate zu bekommen. Die erste Aufnahme habe ich mit dem 2.8/20mm AiS Nikkor gemacht, # 3 mit dem 2.5/105 Ai Nikkor, # 4 und 5 mit dem PC-Nikkor 3.5/28mm Ai. Ja, ja, ich weiss, das sind drei Objektive, die nach neuesten ‘Experten-Kenntnissen’ überhaupt nicht geeignet sind, saubere Fotos zu machen. Weil sie nicht für ‘Digital’ gerechnet wurden, keinen AF und keine Dichtungen haben und überhaupt kann ‘man’ mit solch kleinen Objektiven ja nichts mehr werden, denn ein ‘toller Profi’ hat nur noch dicke Glasklötze in der Tasche (nennt sich dann heute ‘Objektiv-Park’).

Genug gelästert, wer gern eine grössere Version sehen möchte, darf mich gern kontaktieren, um sich an der Bildschärfe die Finger zu schneiden. 

Zurück zu RPP – der Konverter ist wirklich genial. Wer Wert auf saubere Fotos, Farben und Belichtung legt, sollte sich damit beschäftigen, statt die Wolken von Adobe zu schieben…

Ach ja, alle Beispiele habe ich in Bremerhaven gemacht – einer Stadt, die immer einen Besuch wert ist!

Schwarz.Kein Schwarz.

Ich hätte auch titeln können: Richtig.Falsch. Oder noch besser: Richtig falsch.

Worum geht es? Um den Weissabgleich. Ich bin durch den Vergleich eines Dia-Scans mit einer Digitalaufnahme darauf gestossen, dass die Nikon NX-D Software einen (nein, mehrere) Fehler hat. Sie kann keinen korrekten Weissabgleich durchführen. Im Laufe der Zeit habe ich dann mit einem Leser festgestellt, dass jede Software einen anderen Weissabgleich liefert. Dabei wäre es doch so einfach:

  • Also, Weiss definiert sich für mich nach einem Reinweiss:
  • RGB 255, 255, 255
  • CMYK 0, 0, 0, 0 (aber da hakt es bei PL bereits, der Wert stimmt nicht, sondern lautet 4.1, 4.1, 0, 0)
  • LAB 100%, 50%, 50%

Diese Werte sollten (müssen!) unabhängig davon sein, ob das Bild nun 8bit oder ein 16bit Farbtiefe hat.

Wenn ich jetzt die Software den hellsten Punkt auslesen lasse, und dieser Punkt nicht einen der oben genannten Werte aufweisst, kann ich die Farbkorrektur entsprechend durchführen. Verwenden jedoch die Programme unterschiedliche Methoden zum Auslesen, d.h. das eine sehr genau (z.B. DCRaw und RPP), das andere mit einer 3×3 oder 5×5 Matrix (PL) oder irgendeiner anderen Matrix (Nikon), dann wird das Murks.

Dass dann die anderen Farben ’nachziehen’, ist klar. Dass es keine internationale Norm und Einigung gibt, ist definitiv ein Verbrechen.

So sieht das Ganze dann aus:

Screen Shot 2018-11-04 at 20.24.05.png

Noch ein Beispiel: Links mit Nikon NX-D entwickelt, rechts mit RPP entwickelt.

Screen Shot 2018-11-04 at 19.36.47.png  Screen Shot 2018-11-04 at 19.37.08.png

SCREENSHOTS © 2018 BY JENS G.R. BENTHIEN

Links ist der Weissabgleich mit RPP (Raw Photo Processor, nur OS X**) und rechts mit Nikon NX-D gemacht. Der Unterschied ist mehr als deutlich: RPP liefert ein fast reines Schwarz, Nikon ein Dunkelgrau. Dass die anderen Farben entsprechend falsch ‘nachziehen’, liegt auf der Hand und ist am Rot zu erkennen.

** Die neueste Version gibt es nur bei der google group, auf der RPP web site sind nur ältere Versionen verfügbar.

Interessantes am Rande: Mein Scan-Programm setzt den Weisspunkt ebenso wie DCRaw und RPP absolut korrekt, unabhängig davon, ob es ein Negativ oder Positiv ist.

Jetzt sind wir sehr gespannt, was Nikon zu der Thematik sagen wird, nachdem wir uns nach der ersten, stümperhaften Antwort halb tot gelacht haben über deren Murks:

Screen Shot 2018-11-04 at 20.58.15.jpg

Wichtige Info am Rande: Ich benutze gar keine Presets. Jetzt hat Nikon mit den Erklärungen ein Problem. Ein ganz grosses, denn interessanterweise hat SilkyPix, die Basis für Nikon NX-D, diese Probleme nicht, wie wir Schritt für Schritt durchgespielt und nachvollzogen haben. Auch RPP hat mit dem Weisspunkt und den Farben kein Problem.

Meine Antwort auf das Nikon-Schreiben:

Sehr geehrte XXX

vielen Dank für die Info. 

Ich habe keine Presets benutzt. Und nun?

Was ist das für eine Software, die so unpräzise ist wie eine ‘Hand voll Wasser’?

Vor allen Dingen würde mich jetzt interessieren, weshalb das Original ’SilkyPix’ das beherrscht, aber der Abkömmling für Nikon nicht.

Kurz: Egal, welchen Weissabgleich ich mit einer Nikon mache, er ist für die Tonne, weil der Raw-Konverter eh macht, was er sich grade so vorstellt? Ist das Ernst gemeint von Nikon? Dann werden wir nicht mehr lange Freunde sein…

Vielleicht können die Verantwortlichen dazu mal präzise äussern, würde mich schon interessieren.

Ich glaube, ich sollte mal einen ausführlichen Artikel über die Unfähigkeit der Nikon-Software schreiben, denn damit sind die vielen Einstell-Optionen mit dem Weissabgleich reine Makulatur. Da bringt Nikon tolle Kameras auf den Markt, die jedoch durch die Saft- oder Bananen-Ware kastriert werden. Dann kann Nikon doch gleich auf die Optionen bei der Aufnahme verzichten und irgendeinen Murks generieren – der Effekt wäre der gleiche.

Kurzum: Der Fisch stinkt vom Kopf her, treten Sie Nikon mal ordentlich in den Hintern, damit sich das ändert. Hauen Sie diese mail der Geschäftsführung auf den Schreibtisch, bevor die meinen Artikel lesen.

Con saludos cordiales / With kind regards / Mit freundlichen Grüssen

Bleiben Sie dran – es lohnt sich!

Trend.Farben.

Normalerweise schraube ich nicht an Reglern, sondern lasse meine Fotos authentisch und unverändert. Diesmal nicht, deshalb steht es auch in starkem Kontrast zu dem Beitrag Rela.Tief. etwas weiter unten.

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FOTO © 2018 BY JENS G.R. BENTHIEN

Ganz schön knackig, was? Wie aus einem Reisemagazin. Nach dem Motto: Norddeutschland ruft! Jetzt noch eine Blondine mit Heugabel und in urbaner, Mikroplastik absondernder Outdoorkleidung auf dem Acker platziert, einen Artikel bei Instagram über diese Ecke posten und diese Region wäre sehr bald von reisewütigen Asiaten und Amerikanern überlaufen, weil irgendein Hipster sie zum ‘Hotspot’, den ‘man’ gesehen haben muss, erklärt. Nix da, bleibt, wo ihr seid. 

Beide Aufnahmen habe ich mit 24mm Brennweite meines Zoom-Boom-Hyper-Glasklotzes gemacht. Das ist noch keine umwerfend kurze Brennweite, ich kann – mit Festbrennweite – noch weiter. Oder einfach ein paar Meter zurück gehen. Das ist eben alles relativ. Nichts muss, alles kann sein. Theoretisch wäre das Motiv auch mit einer Rollei 35S oder Minox 35GT machbar gewesen, wenn ich weiter – genau – nach hinten gewandert wäre. Diese Version ist etwas klassischer gehalten, wegen der Linien, die zum Ziel führen, und wegen des Bildaufbaus. Kann sein, muss aber nicht, weil es viele Varianten innerhalb der klassischen Bildgestaltung gibt.

Ach, da fällt mir auf, dass diese Aufnahme auch in das Genre ‘street’ passen könnte, weil eine Strasse zu sehen ist (Achtung, Ironie!). Daran können Sie erkennen, wie sehr unsere Sprache durch überaus blödsinnige Neu-Definitionen  zermatscht wurde. Das ist so wie mit den angeblichen Fotografen, die es nicht mehr gibt. Heute nennen sie sich ‘Shooter’. Auf Deutsch: Schiesser. Ob das von Scheisser abgeleitet wurde, ist nicht überliefert… aber hohlköpfig sind die meisten von denen allemal.

Allee.Lücken.

Diese Allee ist etwas lückenhaft. Ganz weit hinten, hinter dem Horizont, steht sie noch wie früher, aber hier wurden vor über 40 Jahren die Bäume von einem infernalischen Sturm einfach abgeknickt wie Getreidehalme im Frost. Manch neuer Baum hat dem permanenten Wind an dieser zugigen Ecke nicht standgehalten und hinterliess eine Lücke. Ein paar Lücken hintereinander reissen ein gähnendes Loch in den Bestand. Aber immerhin: Die Sonne tat heute ihr Bestes.

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FOTO © 2018 BY JENS G.R. BENTHIEN

Rela.Tief.

Wie immer im Leben ist vieles relativ. Selbst hohe Bäume wirken aus der Distanz klein, der Wald schrumpft zu Schneckengrösse, das junge Getreide ist nur noch der Hauch eines Bodenanstrichs. Details werden unsichtbar, der Himmel immer höher.

Die Buchen und Eichen in dem kleinen Laubwäldchen sind über 150 Jahre alt und mehr als 25 Meter hoch…

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FOTO © 2018 BY JENS G.R. BENTHIEN

Übrigens höre ich grade, dass die Kraniche sogar heute Nacht gen Süden ziehen. Das heisst, dass die Nacht kalt werden wird, weil sie sonst hier in den Mooren der Umgebung eine Pause einlegen. Wer mehr über die Zugrouten der Kraniche wissen will: Click!

Kraft.Werke.

Weites Land, hoher Himmel, Windstille.

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FOTO © 2018 BY JENS G.R. BENTHIEN

Wenn der liebe Gott es will, stehen alle (Wind)Räder still. Macht nichts, bei mir kommt der Strom aus der Steckdose. Wir werden noch unser blaues Wunder erleben, oder besser gesagt die ‘Brown-Outs’ (temporäre Stromabschaltungen wie in vielen asiatischen Ländern), weil wir keine Stromspeicher haben.